Obama verurteilt Ausschreitungen

Todesschütze von Ferguson: "Habe reines Gewissen"

Demonstranten marschieren auf der Seventh Avenue in New York.
+
Demonstranten marschieren auf der Seventh Avenue in New York, um ihre Empörung über die Straffreiheit für den weißen Todesschützen von Ferguson, Darren Wilson, auszudrücken.

Ferguson - Die Empörung über die Straffreiheit für den weißen Todesschützen von Ferguson erfasst jetzt weite Teile der USA. Unterdessen gab der Todesschütze ein Fernsehinterview.  

Aus Furcht vor neuen Unruhen in Ferguson verstärken die US-Behörden die Nationalgarde. Es würden mehr als 2000 Soldaten in der Kleinstadt und Umgebung stationiert, sagte der Gouverneur des Bundesstaates Missouri, Jay Nixon, am Dienstag. „Die Gewalt, die wir gesehen haben, darf sich nicht wiederholen“. US-Präsident Barack Obama verurteilte die Ausschreitungen und Plünderungen - dafür gebe es keine Entschuldigung.

Die Empörung über die Straffreiheit für den weißen Todesschützen von Ferguson erfasst weite Teile der USA. In gut 170 Städten von New York über Los Angeles bis San Francisco gingen in der Nacht zum Mittwoch Menschen auf die Straße. Der Sender CNN berichtete, in vielen Städten hätten die Demonstranten den Verkehr lahmgelegt.

Vor drei Monaten wurde unbewaffneter schwarzer Teenager erschossen

Drei Monate nach dem Tod des unbewaffneten schwarzen Teenagers Michael Brown durch Schüsse eines Polizisten waren Montagnacht in Ferguson erneut schwere Unruhen ausgebrochen. Es gab Plünderungen, Häuser wurden in Brand gesetzt. Auslöser war die Entscheidung einer Geschworenenjury, dass keine Anklage gegen den weißen Polizisten Darren Wilson erhoben wird.

Todesschütze von Ferguson: Würde nicht anders handeln

Dieser meldete sich erstmals öffentlich zu Wort. Er bedauere den Tod Browns, würde aber nicht anders handeln, sagte er dem TV-Sender ABC. Er habe im August um sein Leben gefürchtet und nur seinen Job getan. Er habe ein reines Gewissen, sagte Wilseon nach Angaben des Senders.

Die Eltern des erschossenen Teenagers Michael Brown haben entrüstet auf das Fernsehinterview des Polizisten reagiert. Wilsons Äußerungen über die von ihm abgegebenen tödlichen Schüsse auf ihren Sohn würden "alles nur noch schlimmer machen" und seien "so respektlos", sagte Browns Mutter Lesley McSpadden am Mittwoch der "Today Show" im Sender NBC. Die Darstellung des Polizisten sei unglaubwürdig.

Zeugen sagten, der Teenager Brown sei wehrlos gewesen

Der Polizist hatte damals zehn Schüsse auf Brown abgegeben. Viele Zeugen hatten ursprünglich berichtet, dass Brown wehrlos gewesen sei, seine Hände gehoben, der Polizist ihm in den Rücken geschossen habe. Doch viele dieser Aussagen seien falsch gewesen, betonte Staatsanwalt Robert McCulloch.

Die Eltern Browns verurteilten die Entscheidung der Geschworenenjury. Der juristische Vorgang sei „vollkommen unfair“ gewesen, sagte der Anwalt der Familie, Benjamin Crump. McCulloch sei durch seine enge Beziehung zur örtlichen Polizei eine völlige Fehlbesetzung gewesen.

Gewaltsame Proteste nach Jury-Entscheidung in Ferguson

Gewaltsame Proteste nach Jury-Entscheidung in Ferguson

Präsident Obama schaltete sich erneut ein. Wer Autos in Brand steckt und Geschäfte plündert, müsse bestraft werden. „Ich habe keinerlei Sympathie für diejenigen, die ihre eigene Gemeinde zerstören“, sagte Obama in Chicago. Er verwies aber auch auf Polizeigewalt und juristische Ungerechtigkeit gegenüber Minderheiten in den USA. „Dieses Problem ist nicht ein Ferguson-Problem, das ist ein amerikanisches Problem.“ Zur Entscheidung der Geschworenenjury äußerte er sich nicht.

Allerdings machte Justizminister Eric Holder klar, dass das juristische Nachspiel noch nicht beendet sei. Zwei laufende Ermittlungen auf Bundesebene gingen weiter. Bei den Verfahren geht es um den Tod des 18-jährigen Brown Anfang August sowie um die Reaktion der Polizei bei darauf folgenden Unruhen.

dpa

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.