301 Kumpel starben

18 Festnahmen nach türkischem Grubenunglück 

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Nach dem Grubenunglück im türkischen Soma behindert ein neues Feuer die Suche nach den noch vermissten Bergleuten.

Soma/Istanbul - Vier Tage nach dem schwersten Grubenunglück in der Geschichte der Türkei ist die Zahl der Toten auf mehr als 300 angestiegen. 18 Menschen wurden festgenommen.

Energieminister Taner Yildiz sagte am Samstag, bei der Katastrophe in Soma seien 301 Bergleute umgekommen. Weitere 485 Kumpel hätten überlebt. Die Nachrichtenagentur Anadolu meldete am Nachmittag, die Leichen der nach derzeitigem Kenntnisstand letzten beiden vermissten Kumpel seien aus der Zeche geborgen worden. Yildiz sagte, vor einem Ende der Bergungsarbeiten würden die Teams das Bergwerk ein weiteres Mal gründlich durchsuchen.

US-Präsident Barack Obama bot der Türkei Hilfe an. In einem Telefonat mit dem türkischen Präsidenten Abdullah Gül drückte Obama sein Beileid aus. Welche Hilfe genau er dem Land zukommen lassen wollte, blieb in einer Mitteilung des Weißen Hauses zunächst unklar.

Wütende Proteste gegen Regierung

Das Grubenunglück hat wütende Proteste gegen die Regierung ausgelöst. Am Freitag war die Polizei in Soma mit Wasserwerfern, Tränengas und Gummigeschossen gegen Demonstranten vorgegangen. Auch in Istanbul und Izmir kam es zu Zusammenstößen. Demonstranten forderten den Rücktritt der Regierung. Ihr wird unter anderem vorgeworfen, schärfere Sicherheitskontrollen verhindert zu haben.

Am Samstag dauerten die Spannungen an. Augenzeugen berichteten, zwischen 50 und 100 Menschen hätten sich geweigert, Aufforderungen der Polizei Folge zu leisten und ihre Versammlung aufzulösen. Nach einem Wortgefecht hätten Polizisten einige Menschen geschlagen und mehrere festgenommen.

Empörung über Erdogan

Erdogan war bei seinem Besuch in Soma am Mittwoch von einer Menschenmenge ausgebuht und ausgepfiffen worden. Der Ministerpräsident hatte unter anderem die schlechte Sicherheitsbilanz der Kohlebergwerke in der Türkei heruntergespielt und gesagt: „Solche Unfälle passieren ständig.“

Für zusätzliche Brisanz sorgten Vorwürfe, Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan habe bei einem Besuch in Soma am Mittwoch einen Mann geohrfeigt, der ihn ausgebuht habe. Das von Regierungskritikern als Beleg für den Vorfall gewertete Video ist in der entscheidenden Sequenz allerdings so verwackelt, dass Erdogans Verhalten nicht klar zu erkennen ist. Erdogans Partei AKP wies die Vorwürfe zurück.

Für Empörung hatte auch Erdogan-Berater Yusuf Yerkel gesorgt, der bei dem Besuch auf einen am Boden liegenden Demonstranten eintrat. Yerkel entschuldigte sich inzwischen. Regierungsgegner riefen für Samstagabend in Istanbul zu Protesten auf.

Medien berichten von 18 Festnahmen

Medienberichten zufolge hat die Polizei am Sonntag mehrere Verantwortliche des Zechenbetreibers festgenommen. Die Festgenommenen würden der Nachlässigkeit verdächtigt, meldeten örtliche Medien. Insgesamt habe es 18 Festnahmen gegeben.

Die Zeitung "Milliyet" verwies am Samstag unter Berufung auf einen vorläufigen Ermittlungsbericht zu den Ursachen des Unglücks auf zahlreiche Sicherheitsmängel in der Grube, etwa das Fehlen von Rauchmeldern oder Sicherheitskammern. Grubenchef Alp Gürkan hatte sich 2012 damit gebrüstet, die Produktionskosten von 130 Dollar (rund 95 Euro) auf 24 Dollar pro Tonne gesenkt zu haben. Ob auch er unter den Festgenommenen ist, war zunächst unklar.

Bilder: Verheerendes Unglück in türkischem Bergwerk

Verheerendes Unglück in türkischem Bergwerk

Die Bergwerkskatastrophe ist die schwerste in der Geschichte der Türkei. Aus der Unglückszeche trat am Samstagmittag weiterhin Rauch aus, wie ein dpa-Reporter aus Soma berichtete. Im strömenden Regen dauerten die Beerdigungen der vielen Toten an.

Kritik an geplantem Erdogan-Auftritt in Köln

Politiker von CDU, SPD, CSU und Grünen kritisierten derweil einen für kommenden Samstag (24. Mai) in Köln geplanten Auftritt Erdogans. Forderungen nach einer Absage der Großveranstaltung wurden laut.

Erdogans Partei AKP hat betont, der Auftritt in Köln sei keine Wahlkampfveranstaltung, sondern würdige das zehnjährige Bestehen der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD). Kritiker gehen jedoch davon aus, dass Erdogan türkischer Präsident werden und in Köln um Stimmen werben will. An der Präsidentenwahl am 10. August dürfen erstmals auch die im Ausland lebenden Türken teilnehmen.

dpa/afp

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