US-Präsident zeigt sich verärgert

Obama: Schießereien "zu einer Art Routine" geworden

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Barack Obama.

Washington - Der Schütze von Oregon war bei seinen möglicherweise religiös motivierten, tödlichen Schüssen auf neun Menschen schwer bewaffnet. US-Präsident Barack Obama ist traurig über die Routine solcher Taten.

Nach dem Amoklauf an einem College in Oregon hat sich US-Präsident Barack Obama erneut wegen einer Schießerei an die Nation gewandt: "Wir stumpfen ab", warnte Obama am Donnerstag und ließ seinem Frust über die Waffengesetze freien Lauf. Das Motiv des 26-Jährigen, der in der Kleinstadt Roseburg im Bundesstaat Oregon neun Menschen erschoss und dann ebenfalls getötet wurde, war am Freitag weiter unklar.

Obama sagte, er sei verärgert und betrübt, dass derlei Schießereien mittlerweile "zu einer Art Routine" geworden seien. "Wir können durchaus etwas dagegen tun, aber dafür müssen wir unsere Gesetze ändern." In der Vergangenheit war der Präsident mit Initiativen für schärfere Waffengesetze immer wieder im Kongress gescheitert, wo vor allem die Republikaner nicht am in der Verfassung verankerten Recht auf Waffenbesitz rütteln wollen.

"Gebete sind nicht genug", mahnte Obama. Es dürfe nicht sein, dass jemand, der anderen Menschen schaden wolle, "so leicht" an Waffen komme. Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton erklärte, es gehe "über ihre Vorstellungskraft hinaus, dass diese Massenmorde wieder und wieder geschehen". Sie sei überzeugt, "dass es einen Weg hin zu sinnvollen Waffenkontrollen gibt".

Der republikanische Präsidentschaftsbewerber und Ex-Gouverneur von Florida, Jeb Bush, sagte, er bete "für die Opfer und Familien, die von dieser sinnlosen Tragödie getroffen wurden". Sein Mitbewerber Ben Carson erklärte, Forderungen nach Waffenkontrollen seien nicht das Thema. Es gehe darum, psychische Störungen der Täter früher zu erkennen.

Der 26-jährige Schütze eröffnete am Donnerstagmorgen in einem Unterrichtsraum des Umpqua Community College das Feuer. Anschließend ging er in andere Räume, um andere Studenten zu erschießen. Neun Menschen starben, zehn weitere wurden verletzt. Der Schütze kam später bei einem Schusswechsel mit der Polizei ums Leben. Der Bezirks-Sheriff John Hanlin sagte, der Täter sei identifiziert, doch werde er seinen Namen nicht nennen.

US-Medien zufolge handelte es sich um den 26-jährigen Chris Harper Mercer. Er wurde als schüchterner, zurückgezogener Einzelgänger beschrieben, der mit seiner Mutter in Winchester in Oregon lebte. Nachbarn sagten der "New York Times", er habe jeden Tag die gleiche Kleidung getragen: Armeestiefel, eine grüne Militärhose und ein weißes T-Shirt. Er sei "kein freundlicher Typ" gewesen und habe mit niemandem etwas zu tun haben wollen.

Ein früherer Nachbar aus Torrance im Süden Kaliforniens sagte der Zeitung, er habe Mercer öfter gefragt, ob alles klar sei, da er so unglücklich ausgesehen habe. Er sei aber so schüchtern gewesen, dass er nur "Hi" gesagt habe. Ein Onlineprofil einer Partnerbörse, das Mercer zugeschrieben wurde, zeigte einen jungen Mann mit kahlrasiertem Schädel. Auf dem Profil bezeichnet er sich selbst als "nicht religiös, nicht religiös, aber spirituell".

Der Vater einer Studentin sagte dem Sender CNN, der Schütze habe die christlichen Studenten aufgefordert aufzustehen und diese dann erschossen. "Er sagte: 'Gut, weil Du Christ bist, wirst Du Gott in nur etwa einer Sekunde sehen'", sagte Stacy Boylan. Seine Tochter habe überlebt, weil sie sich totgestellt habe. Die Behörden bestätigten aber nicht, dass der Täter gezielt Christen ins Visier genommen habe. "Es ist zu früh zu sagen, was das Motiv war", sagte der Bezirks-Sheriff Hanlin.

Behörde: Schütze von Oregon hatte legal 13 Waffen

Der Todesschütze von Oregon, der an einem College neun Menschen erschoss, besaß 13 Waffen. Sechs davon habe die Polizei am Tatort entdeckt und sieben bei ihm zu Hause, sagte Celinez Nunez von der für Waffen und Sprengstoff zuständigen Bundespolizei ATF am Freitag. Außerdem fand die Polizei neben seinem Gewehr am College eine schusssichere Weste und fünf Magazine. Bei ihm zu Hause entdeckten die Ermittler laut Nunez weitere Munition. Alle Waffen seien in den vergangenen drei Jahren legal gekauft worden.

Ob zwischen dem 26-jährigen Schützen und dem Umpqua Community College in der Kleinstadt Roseburg eine Verbindung bestand, sagte Polizeisprecher John Hanlin nicht. „Wir stehen mitten in diesen Ermittlungen.“ Der Schütze hatte am Donnerstag das Feuer in einem Unterrichtsraum eröffnet und soll seine Opfer vorher nach ihrer Religion befragt haben. Er selbst kam beim anschließenden Schusswechsel mit der Polizei ums Leben.

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