3000 Mann sollen eingesetzt werden

Obama will Soldaten in Kampf gegen Ebola schicken

Washington - Die Ebola-Epidemie in Westafrika droht zu eskalieren. Experten fordern Hilfe aus reichen Ländern. US-Präsident Obama will Tausende Soldaten schicken, um das Virus zu bekämpfen.

Die Vereinten Nationen (UN) haben vor einem Zusammenbruch westafrikanischer Länder durch die Ebola-Epidemie gewarnt. „Es handelt sich längst um viel mehr als um einen Gesundheitsnotstand“, erklärte die UN-Koordinatorin für humanitäre Hilfe, Valerie Amos, am Dienstag in Genf. „Wenn nicht schnell gehandelt wird, droht den betroffenen Ländern eine massive humanitäre Krise.“ US-Präsident Barack Obama kündigte an, rund 3000 Soldaten nach Westafrika zu schicken. Die Einsatzkräfte sollen in Zusammenarbeit mit lokalen Behörden 17 Kliniken mit je 100 Betten für Ebola-Patienten in Liberia, Guinea und Sierra Leone bauen.

Nach den Worten der UN-Koordinatorin Amos muss zunächst verhindert werden, dass die Gesundheitsversorgung in den besonders betroffenen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone zusammenbricht. Dies gelte auch für die Bekämpfung anderer Krankheiten als Ebola. Wichtig sei zudem die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Wasser.

Die Kosten für die Bewältigung der Ebola-Krise schätzen die UN auf gut eine Milliarde US-Dollar. Davon sei bisher ein knappes Drittel gedeckt, sagte der zuständige UN-Koordinator David Nabarro. Er lobte die Anstrengungen einer Koalition aus Regierungen und privaten Organisationen, die am Dienstag am Sitz der UN in Genf beraten hatte.

Die Vorsitzende der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“, Joanne Liu, warf Regierungen beim selben Treffen Untätigkeit vor. In den vergangenen Wochen hätten nur wenige Länder die nötigen Hilfen zugesagt, kritisierte sie laut Redemanuskript. „Das Zeitfenster, um diese Epidemie zu stoppen, schließt sich.“

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte vor einem dramatischen Anstieg der Infektionen. „Wir können es schaffen, dass die Zahl der Infizierten fünfstellig bleibt, aber dafür brauchen wir eine sehr viel schnellere Reaktion“, sagte der Vizegeneraldirektor der Organisation, Bruce Aylward. Ende August hatte die WHO noch mit insgesamt etwa 20 000 Ebola-Fällen bis zum Ende der Epidemie gerechnet.

Nach WHO-Angaben haben sich bis zum Dienstag fast 5000 Menschen mit dem Ebola-Virus angesteckt, davon ist etwa die Hälfte gestorben. Es wird mit einer hohen Dunkelziffer gerechnet.

Obama bezeichnete die Epidemie bereits als Bedrohung der nationalen Sicherheit. Die USA wollen neben dem Aufbau von Kliniken in den kommenden sechs Monaten pro Woche bis zu 500 Pflegekräfte im Umgang mit Ebola schulen sowie Medikamente und Desinfektionsmittel an Hunderttausende Haushalte verteilen. In der liberianischen Hauptstadt Monrovia solle eine Kommandozentrale errichtet werden.

Ein ranghohes Regierungsmitglied sagte der „New York Times“, die US-Maßnahmen seien in ihrem Umfang „beispiellos“. Manchen Experten zufolge reicht das Engagement aber nicht aus, um der Situation Herr zu werden, schreibt die Zeitung weiter.

Die liberianische Botschafterin in Deutschland, Ethel Davis, rief eindringlich andere Länder zur Hilfe auf. „Ich möchte heute einen Appell richten an die Bürger dieser Welt, der Bevölkerung Liberias zu helfen. Sie sterben, sie sind krank“, sagte die Botschafterin um Fassung ringend. Das Land sei hilflos gegenüber Ebola und wisse nicht, wie es den gefährlichen Erreger eingrenzen könne. „Unser Gesundheitssystem ist im Moment überlastet“, sagte sie am Dienstag bei einem Besuch im Medikamentenhilfswerk action medeor im niederrheinischen Tönisvorst.

dpa

Rubriklistenbild: © AFP

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