"Anstößige" Facebook-Videos

"Pakistans Kim Kardashian" vom eigenen Bruder erwürgt

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Trauriges Ende einer Karriere im Rampenlicht: Qandeel Baloch wurde vermutlich von ihrem Bruder ermordet.

Islamabad - Sie zeigte sich im Schwimmbad und kritisierte die Unterdrückung von Frauen. Nun wurde Pakistans Facebook-Star erwürgt. Ihr Bruder soll die Tat gestanden haben.

Pakistans einziges Popsternchen, Qandeel Baloch (Mitte 20), ist offenbar von ihrem eigenen Bruder ermordet worden. Die junge Frau, die wegen ihrer provokanten Auftritte auch "Pakistans Kim Kardashian" genannt wurde, sei am Samstag erwürgt aufgefunden worden, sagte ein Polizeibeamter der pakistanischen Stadt Multan. Ihr Bruder, der zunächst flüchtig war, sei unter Tatverdacht festgenommen worden. 

Muhammad Waseem habe bereits den "Ehrenmord" an seiner Schwester gestanden, erklärte die Polizei in Multan am Sonntag. Demnach sagte der junge Mann aus, er habe Qandeel Baloch nach ihren jüngsten "anstößigen Videos" ermordet, die größtenteils im sozialen Netzwerk Facebook veröffentlicht wurden.

Qandeel Baloch empört und amüsiert mit Selfies

Baloch, die sich selbst Sängerin, Schauspielerin und Model nannte, hatte viele Aspekte ihres Privatlebens freizügig vermarktet. Im muslimisch-konservativen Pakistan hat sie polarisiert - und inspiriert. 2014 war sie in Pakistan durch ein Video berühmt geworden, in dem sie in die Kamera blickt und fragt: "Wie seh' ich aus?" Einige ihrer Clips wurden millionenfach angeschaut. Sie zeigte sich unter anderem im Schwimmbad oder Fitnessstudio, in eng anliegender Kleidung oder in Nahaufnahme mit stark geschminkten Lippen, dabei macht sie laszive Bewegungen. Nach westlichen Standards waren es zurückhaltende Bilder.

Im Juni hatte Qandeel Baloch zuletzt empört und amüsiert, als sie Selfies von sich und einem religiösen Führer, Mufti Qavi, zeigte und behauptete, gemeinsam hätten sie während des Fastenmonats Ramadan Zigaretten geraucht und getrunken.

Ihre Familie, aber auch konservative Pakistaner, hatten ihr gedroht und ein Ende des "ehrlosen Benehmens" gefordert. Vor einigen Wochen hatte Baloch um Polizeischutz gebeten, aber keinen bekommen.

Regierung tut nichts gegen "Ehrenmorde"

Jedes Jahr werden in Pakistan hunderte Frauen Opfer sogenannter Ehrenmorde, weil sie sich über traditionelle Regeln oder schlicht den Willen ihrer Angehörigen hinweggesetzt haben. Oft gehen die Täter straflos aus, weil ein Gesetz die Möglichkeit bietet, dass Verwandte des Opfers dem Täter oder der Täterin vergeben. Anfang Juni hatte eine Mutter im pakistanischen Lahore ihre 16-jährige Tochter bei lebendigem Leib verbrannt, weil das Mädchen gegen den Willen seiner Familie geheiratet hatte.

Im Februar hatte die pakistanische Filmemacherin Sharmeen Obaid Chinoy für die Kurz-Dokumentation „A Girl in the River: The Price of Forgiveness“ einen Oscar gewonnen. In dem Werk erzählt sie von einer Frau in Pakistan, die zu Tode verurteilt wird, als sie sich verliebt. Der Film hatte landesweit eine Debatte ausgelöst. Die Regierung versprach daraufhin, das Gesetz zu ändern. Bisher ist das nicht passiert.

dpa/afp

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