Großandrang auf dem Petersplatz

Papst Franziskus spricht zwei Vorgänger heilig

Papst Franziskus
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Papst Franziskus sprach seine Vorgänger Johannes XXIII. und Johannes Paul II. heilig.

Rom - Papst Franziskus hat am Sonntag in einer feierlichen Zeremonie auf dem Petersplatz mit Johannes Paul II. und Johannes XXIII. zwei seiner Vorgänger heiliggesprochen.

Franziskus verlas vor der Menschenmenge feierlich die Formel, mit der die beiden Päpste in das Verzeichnis der Heiligen der katholischen Kirche aufgenommen wurden. Damit können beide weltweit als Heilige verehrt werden. Hunderttausende Gläubige, die zu dem Ereignis nach Rom gereist waren, applaudierten.

Auch der emeritierte Papst Benedikt XVI. zelebrierte die Messe mit, jedoch nicht am Altar, sondern bei den Kardinälen. Als er erschien, brach langer Applaus auf dem Petersplatz aus. Franziskus begrüßte vor dem Beginn der Messe seinen 2013 zurückgetretenen Vorgänger mit einer Umarmung. Nach der Heiligsprechung wurden Franziskus Reliquien der verstorbenen Päpste überreicht.

Bereits am frühen Morgen war eine riesige Menschenmenge zum Petersplatz geströmt. Die Straße Via de la Conciliazione, die zu dem Platz führt, glich einem Meer aus vorwiegend polnischen Flaggen. Die zeitgleiche Heiligsprechung zweier früherer Päpste gilt zahlreichen Katholiken in aller Welt als historisches Ereignis. Den Petersdom zierten Abbildungen der beiden verstorbenen Kirchenoberhäupter.

Franziskus spricht zwei Päpste heilig - Bilder

Franziskus spricht zwei Päpste heilig - Bilder

Franziskus feierte den polnischen Vorgänger und den italienischen Reformpapst gemeinsam mit etwa 150 Kardinälen, rund 1000 Bischöfen aus aller Welt sowie 6000 Priestern. Mehr als 90 Delegationen von Regierungen und internationalen Organisationen waren für den feierlichen Akt nach Rom gekommen, darunter allein 24 Staatsoberhäupter. Regierungschefs sowie Vertreter von Königshäusern und von anderen Religionen waren ebenfalls präsent. Aus Deutschland hatten sich unter anderem der Münchener Erzbischof und Vorsitzende der Bischofskonferenz, Reinhard Marx, sowie Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) angekündigt.

Beobachter vermuten, dass Papst Franziskus die beiden Päpste gleichzeitig heiligsprach, um das liberale und das konservative Lager innerhalb der katholischen Kirche miteinander zu versöhnen. Johannes XXIII. gilt als Wegbereiter für eine Modernisierung der Kirche, Johannes Paul II. steht hingegen für eine Rückbesinnung auf traditionelle Werte.

Knobloch: Johannes Paul II. war „echter Glücksfall“

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, hat den heiliggesprochenen Papst Johannes Paul II. als „echten Glücksfall für die Welt und das christlich-jüdische Miteinander“ gewürdigt. Als erster Papst habe er die Mitschuld der Christen am Holocaust eingestanden und die Weichen für einen bewussten Umgang mit dem Holocaust in der katholischen Kirche gestellt, erklärte Knobloch am Sonntag in München.

Der Papst aus Polen habe als junger Mann das Krakauer Ghetto erlebt und die Qualen der Menschen gekannt. Johannes Paul II. habe die Dinge nicht nur aus der religiösen Warte, sondern auch aus der menschlichen Sicht beurteilt, so die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. „Ich hatte immer das Gefühl, dass er die Menschen geistig umarmt.“

700.000 gefälschte Souvenirs beschlagnahmt

Vor der Heiligsprechung hat die italienische Polizei über 700.000 gefälschte Souvenirs beschlagnahmt. Bei einem Verkauf hätten die nachgemachten Erinnerungsstücke einen Wert von 3,5 Millionen Euro gehabt, teilte die Polizei am Samstag mit. Demnach geht es um Aufkleber, Magnete, Uhren und Bildnisse mit dem Datum 27. April, die den amtierenden Papst Franziskus und seine heiliggesprochenen Vorgänger Johannes XXIII. und Johannes Paul II. zeigen.

In einer großangelegten Aktion gegen Fälscher von Vatikan-Devotionalien entdeckte die Polizei in Rom nach eigenen Angaben seit Jahresbeginn insgesamt sieben Millionen nachgemachte Objekte. Zudem wurden nur wenige Meter vom Vatikan entfernt zwei illegale Produktionsstätten für "Misericordina" ausgehoben - eine Schachtel mit Rosenkranz, die Papst Franziskus im vergangenen Jahr kostenlos an Gläubige als Aufmunterung für schwere Zeiten verteilen ließ. Die Polizei beschlagnahmte nun 1500 solche Schachteln, die für drei Euro das Stück verkauft werden sollten.

dpa/afp

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