Geiselnahmen beendet - Täter tot

Ticker: Paris bereitet sich auf großen Protestmarsch vor

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Nach der Geiselnahme: Ein Polizist legt vor dem jüdischen Supermarkt in Paris Blumen ab.

Paris - Die Terrorgruppe Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) hat Frankreich nach dem Attentat auf "Charlie Hebdo" und zwei Geiselnahmen mit insgesamt 17 Toten mit weiteren Anschlägen gedroht. Alle News im Ticker:

Die Fakten des Anschlags auf "Charlie Hebdo"

  • Nach dem Anschlag auf die Redaktion der französischen Satirezeitung "Charlie Hebdo" am Mittwoch in Paris, hielten am Freitag zwei Geiselnahmen ganz Frankreich in Atem. Im nordöstlich von Paris gelegenen Dammartin-en-Goele hatten sich die beiden mutmaßlichen Attentätet Said und Chérif Kouachi in einer Druckerei mit einer Geisel verschanzt. Die beiden Brüder waren seit dem Attentat am Mittwoch auf der Flucht gewesen.
  • In einem Geschäft für koschere Lebensmittel im Osten von Paris kam es am Freitagnachmittag zu einer weiteren Geiselnahme: Hier hatte der Täter, der mit den beiden Attentäter befreundet war, fünf Menschen in seiner Gewalt.
  • Fast zeitgleich hat die Polizei dann am Freitagabend die zwei Geiselnahmen beendet. Dabei wurden die drei Täter und insgesamt fünf Geiseln getötet.
  • Die Terrorgruppe Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) hat Frankreich unterdessen mit weiteren Anschlägen gedroht. Es werde neue Angriffe geben, sollte das Land nicht damit aufhören, den Islam, seine Symbole und die Muslime zu "bekämpfen".

  • Bei dem Attentat auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" am Mittwoch wurden zwölf Menschen durch Schüsse getötet - darunter acht Journalisten. Elf weitere Opfer wurden verletzt, vier davon schwer.

<<<AKTUALISIEREN>>>

Paris bereitet sich auf riesigen Protestmarsch vor

+++ 20.20 Uhr: Zu einem großen Solidaritätsmarsch werden am Sonntag in Paris Hunderttausende erwartet. Hollande empfängt viele internationale Regierungsspitzen und führende Politiker, darunter auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Tausende Polizisten und Soldaten werden die Demonstration im Osten der Hauptstadt absichern. Auf Hausdächern werden Scharfschützen postiert. Mit dem Schweigemarsch soll der insgesamt 17 Opfer der islamistischen Terrorakte gedacht werden.

Partnerin von Geiselnehmer in Türkei gereist

+++ 17.58 Uhr: Die unter Hochdruck gesuchte Partnerin des von der Polizei erschossenen islamistischen Geiselnehmers Amedy Coulibaly ist offenbar in die Türkei gereist. Die 26-jährige Hayat Boumeddiene sei schon "seit einer gewissen Zeit" in der Türkei, sagte ein Polizeivertreter am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Boumeddiene war als mögliche Mittäterin bei zwei Verbrechen ihres Lebenspartners Coulibaly gesucht worden: den tödlichen Schüssen auf eine Polizistin im Süden von Paris am Donnerstag und der tödlichen Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt am Freitag.

Demonstration für Pariser Attentäter in Afghanistan

+++ 16.13 Uhr: In der südafghanischen Provinz Uruzgan sind Demonstranten zur Unterstützung der Attentäter von Paris auf die Straße gegangen. Nach dem Freitagsgebet hätten die Menschen im Bezirk Chora demonstriert und Parolen wie „Tod den Feinden des Islams“ gerufen, teilten die Behörden am Samstag mit. Der Protest sei friedlich geblieben. Zuvor hatte der afghanische Präsident Aschraf Ghani den tödlichen Anschlag auf das Magazin „Charlie Hebdo“ als barbarischen Akt verurteilt, der nicht gerechtfertigt werden könne.

Frage nach den Versäumnissen der Geheimdienste

+++ 16.10 Uhr: Nach dem Schock, dem Entsetzen und der Trauer kommen die Fragen: Hätte die blutige Anschlagsserie in Frankreich verhindert werden können? Kann so etwas wieder vorkommen? Kritik wird laut an den Sicherheitsdiensten des Landes, denn die Attentäter waren den Behörden bekannt. Doch die französischen Geheimdienste sind zunehmend überfordert von der schieren Masse an verdächtigen Islamisten, deren Absichten schwer zu durchschauen und deren Gefährlichkeit schwer einzuschätzen ist.

Premierminister Manuel Valls sagte es am Freitagabend, wenige Stunden nachdem die drei Attentäter Amedy Coulibaly sowie Chérif und Said Kouachi von Elite-Polizisten erschossen wurden, ohne Umschweife: "Natürlich gibt es Schwachstellen. Wenn es 17 Tote gibt, dann bedeutet das, dass es Schwachstellen gab." Der Leiter des Simon-Wiesenthal-Zentrums, Marvin Hier, sprach sogar von einem "Desaster" für die französischen Geheimdienste.

Palästinensische Hamas verurteilt Anschlag

+++ 15.26 Uhr: Drei Tage nach dem tödlichen Anschlag auf das französische Satire-Magazin "Charlie Hebdo" hat die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas die Tat verurteilt. "Meinungsverschiedenheiten können keinen Mord rechtfertigen", betonte die Hamas in einer am Samstag auf französisch veröffentlichten Erklärung.

Gleichzeitig wies die Organisation eine Äußerung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu zurück, der den Anschlag von Paris in eine Reihe mit den Raketenangriffen der Hamas auf israelisches Gebiet gestellt hatte. Es handele sich um "verzweifelte Versuche" Netanjahus, eine Verbindung zwischen der Hamas und dem palästinensischen "Widerstand" und dem globalen Terrorismus zu ziehen, erklärte die Organisation.

Jean-Marie Le Pen verweigert Solidarität

+++ 15.02 Uhr: Der Gründer der rechtsextremen französischen Partei Front National (FN), Jean-Marie Le Pen, hat die Solidarität mit dem linken Satire-Magazin "Charlie Hebdo" verweigert. Alle sagten derzeit, "Wir sind Charlie" oder "Ich bin Charlie", aber dem könne er sich nicht anschließen, sagte Le Pen am Samstag in seinem im Internet veröffentlichten Videotagebuch. "Es tut mir Leid, ich bin nicht Charlie."

Er bedauere den Tod von "zwölf französischen Mitbürgern", doch teile er nicht deren politische Überzeugung, sagte Le Pen mit Blick auf den tödlichen Angriff auf "Charlie Hebdo". "Ich fühle mich keineswegs dem Geist von Charlie verbunden. Ich werde nicht kämpfen, um den Geist von Charlie zu verteidigen, der ein anarchisch-trotzkistischer Geist ist, der die politische Moral zersetzt." Der Angriff auf das Magazin sei ein Beweis für die zunehmende Unsicherheit im Land. Die Regierenden der letzten Jahrzehnte trügen die Verantwortung, da der Terror "offensichtlich" mit der Masseneinwanderung verbunden sei.

Le Pen kritisierte, dass seine Partei nicht zur geplanten Großkundgebung am Sonntag in Paris eingeladen sei.

Kundgebung in Berlin geplant

+++ 14.39 Uhr: Angela Merkel will eine Kundgebung der Bundestagsparteien zur Solidarität mit Frankreich nach den islamistischen Terroranschlägen unterstützen. Die CDU beteilige sich konstruktiv an entsprechenden Planungen, sagte sie. Es seien viele Aktionen geplant, auch eine Mahnwache der Muslime, an der sich die CDU beteiligen werde. Auf die Frage, ob sie bei einer großen Demonstration auftreten werde, sagte Merkel: „Wenn die Parteien zu einer Kundgebung aufrufen, wird die Vorsitzende der CDU sicherlich nicht zu Hause sitzen.“

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur gibt es in den Parteien den Wunsch, dass auch Bundespräsident Joachim Gauck bei einer Solidaritätskundgebung in Berlin auftritt. Derzeit werde über das Format einer solchen Veranstaltung verhandelt, hieß es am Rande der CDU-Klausur aus Teilnehmerkreisen.

Ermittler: Keine Verbindung zu deutschen Islamisten

+++ 14.06 Uhr: Die islamistischen Terrorverdächtigen von Paris hatten nach einem Zeitungsbericht keine Kontakte in die deutsche Dschihadisten-Szene. Das berichtet die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf Sicherheitskreise in Berlin. „Unsere französischen Kollegen teilten uns mit, dass die erfasste Kommunikation keine deutsche Kennung hat. Es wurden auch keine Telefonate mit der deutschen Vorwahl 0049 registriert“, zitiert die Zeitung einen „einflussreichen Beamten“.

Die Terroristen Said und Chérif Kouachi waren den deutschen Sicherheitsbehörden als gewaltbereite Islamisten bekannt, schreibt das Blatt. Die Namen der beiden Brüder seien in den Computern gespeichert gewesen. US-amerikanische Dienste unterrichteten demnach ihre Partner in Europa und auch in Deutschland darüber, dass Said Kouachi 2011 im Jemen in einem Terrorcamp von Al-Kaida ausgebildet wurde. Er soll sich auch im Sultanat Oman aufgehalten haben, wo die Gesetze der Scharia gelten.

Sicherheitsvorkehrungen bei Solidaritätsmarsch

+++ 13.34 Uhr: Innenminister Cazeneuve betonte am Samstag, es würden "alle Vorkehrungen" getroffen, um die Sicherheit bei dem am Sonntag geplanten Trauermarsch für die Opfer der Anschlagsserie zu gewährleisten. Zum "Republikanischen Marsch" in der Pariser Innenstadt werden hunderttausende Menschen erwartet. Zahlreiche Staats- und Regierungschefs haben sich angekündigt, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel, die von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und SPD-Chef und Vizekanzler Sigmar Gabriel begleitet wird.

Hollande nimmt ebenfalls an dem Gedenkmarsch teil. Seit dem Zweiten Weltkrieg war nur ein Mal ein französischer Staatschef bei einer Demonstration mitgelaufen: François Mitterrand im Mai 1990 nach der Schändung eines jüdischen Friedhofs.

Zusätzliche Soldaten in Paris eingesetzt

+++ 13.29 Uhr: Nach einem erneuten Krisentreffen im Elysée-Palast verkündete Innenminister Bernard Cazeneuve am Samstagvormittag, die höchste Sicherheitsstufe des Anti-Terror-Plans Vigipirate werde im Großraum Paris beibehalten. Die Sicherheitsmaßnahmen sollten sogar noch verstärkt werden. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sollen im Großraum Paris - der Region Ile-de-France - in "zwei Wellen" 500 zusätzliche Soldaten eingesetzt werden. Damit seien am Samstag 1100 und am Sonntag 1350 Soldaten mobilisiert.

Polizei fahndet nach Lebensgefährtin von Islamisten

+++ 13.24 Uhr: Unter Hochdruck fahndet französische Polizei nach der Lebensgefährtin des von Elite-Einheiten erschossenen islamistischen Geiselnehmers Amedy Coulibaly. Hayat Boumeddiene war am Samstag die meistgesuchte Frau Frankreichs. Nach der blutigen Anschlagsserie, bei der Islamisten in drei Tagen 17 Menschen töteten, hält die Sorge vor neuen Attentaten an: Die Regierung verschärfte die Sicherheitsmaßnahmen weiter und schickt hunderte zusätzliche Soldaten auf die Straßen.

Die 26-jährige Boumeddiene ist die Lebensgefährtin des Islamisten Amedy Coulibaly, der am Freitag bei einer Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt im Osten von Paris vermutlich vier Menschen getötet hatte. Bei der Erstürmung des Geschäfts wurde der 32-Jährige von Spezialeinheiten der Polizei erschossen. Coulibaly soll bereits am Donnerstag - einen Tag nach dem Anschlag auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" mit zwölf Toten - in Montrouge südlich von Paris eine Polizistin erschossen und einen Mann schwer verletzt haben. Wegen dieses Angriffs wird auch Boumeddiene gesucht.

Solidarität mit Frankreich in der arabischen Welt

+++ 13.12 Uhr: Nach dem Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ und den Polizeieinsätzen gegen islamistische Terroristen zeigt sich die muslimische Welt solidarisch mit Frankreich. Zeitungen kritisierten am Samstag die von Islamisten verursachte Gewalt. Die überregionale arabische Tageszeitung „Al-Sharq al-Awsat“ schrieb von einem „Tag des Horrors“, die ägyptische „Masry al-Youm“ titelte: „Frankreich nimmt Rache für die Opfer“.

Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi sprach seinem Amtskollegen François Hollande am Freitag sein „erneutes aufrichtiges Beileid im Namen Ägyptens“ aus. Auch der irakische Schiitenprediger Muktada al-Sadr verurteilte die Angriffe als „nicht der Ethik des Islam“ entsprechend. Der Chef der schiitischen Hisbollah im Libanon, Hassan Nasrallah, sagte, Terroristen hätten dem Islam mehr geschadet als jeder andere in der Geschichte.

Arabische Zeitungen druckten als Zeichen der Solidarität Karikaturen, die sich mit den Angriffen auseinandersetzen.

"Charlie Hebdo"-Zeichner distanziert sich von neuen "Freunden"

+++ 13.02 Uhr: Der niederländische "Charlie Hebdo"-Zeichner Willem hat die Solidaritätsbekundungen einiger "neuer Freunde" der Zeitschrift zurückgewiesen. "Wir haben viele neue Freunde wie den Papst, Königin Elizabeth oder Putin. Da muss ich lachen", sagte der "Charlie Hebdo"-Karikaturist der niederländischen Zeitung "Volkskrant" vom Samstag. Mit Blick auf Unterstützungsbekundungen des niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders sagte Willem, "wir kotzen auf all die Leute, die plötzlich sagen, unsere Freunde zu sein". Mit Blick auf die Vorsitzende der rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, sagte der 73-jährige Karikaturist, sie sei "entzückt, wenn Islamisten irgendwo herumschießen".

Willem saß am Mittwoch im Zug zwischen Lorient und Paris, als er von dem Angriff auf die "Charlie Hebdo"-Redaktion in der französischen Hauptstadt erfuhr, bei dem zwei Islamisten zwölf Menschen ermordeten, darunter vier Zeichner des Blatts, die gerade zur wöchentlichen Redaktionskonferenz versammelt waren.

Er selbst nehme nie an solchen Konferenzen teil, da er sie nicht möge, sagte Willem. "Das hat mir vielleicht das Leben gerettet". Der Zeichner betonte die Wichtigkeit, "Charlie Hebdo" weiter zu veröffentlichen. "Sonst haben sie gewonnen", warnte er mit Blick auf die Islamisten.

Valls fordert Franzosen zur Teilnahme an Marsch auf

+++ 12.58 Uhr: Frankreich Ministerpräsident Manuel Valls hat die Franzosen nach den Terroranschlägen von Paris zur Solidarität aufgefordert. Die Menschen sollten zahlreich zu dem am Sonntag geplanten Solidaritätsmarsch für die Opfer der Gewalttaten kommen, sagte Valls am Samstag in Évry bei Paris. Die Terroristen hätten mit Rede- und Meinungsfreiheit Symbole Frankreichs angegriffen. Valls kündigte eine Versammlung an, die Macht und Würde der Franzosen und ihre Liebe zu Freiheit und Toleranz zeigen solle. Zu dem Schweigemarsch haben sich auch führende Politiker aus ganz Europa angesagt.

In Nizza gingen am Samstag mehr als 20.000 Menschen auf die Straße, in Pau 30.000, um der 17 seit Mittwoch bei Anschlägen und Geiselnahmen getöteten Menschen zu gedenken.

Geiseln in Kühlkammer geflüchtet

+++ 12.34 Uhr: Als die Islamisten am Freitag einen jüdischen Supermarkt in Paris und eine Druckerei in der Nähe der französischen Hauptstadt stürmen, gelingt es mehreren Menschen gerade noch rechtzeitig, sich in Verstecke zu retten. Mindestens sechs Menschen entgehen so offenbar einer Geiselnahme durch die drei bewaffneten Extremisten und überleben das Drama unverletzt. Während sich in der Druckerei ein junger Mann unter einer Spüle versteckt, harren in dem koscheren Supermarkt an der Porte de Vincennes fünf Menschen über Stunden in einer Kühlkammer aus.

Knobloch fordert Solidarität mit jüdischen Bürgern

+++ 12.31 Uhr: Nach dem Überfall eines Islamisten auf einen jüdischen Supermarkt in Paris hat die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München, Charlotte Knobloch, zur Solidarität mit den jüdischen Bürgern in Europa aufgerufen. "Wir stehen fest an der Seite der jüdischen Gemeinden in Frankreich", erklärte Knobloch am Samstag in München. Diese Gewalt richte sich gegen die Grundwerte aller europäischen Demokratien.

Knobloch wies darauf hin, dass jüdische Gemeinden in Frankreich "schon seit vielen Monaten einer unerträglichen Bedrohung und Gewalt ausgesetzt sind". An die verantwortlichen Politiker, aber auch die Bürger in Europa gerichtet erklärte sie: "Stellen Sie sich solidarisch vor die jüdischen Bürger in Ihren Ländern. Stehen wir gemeinsam auf gegen diesen islamistischen Terror."

Hisbollah-Führer Nasrallah verurteilt islamistischen Terror

Der Chef der libanesischen Hisbollah, Scheich Hassan Nasrallah, sieht in islamistischen Extremisten die größte Bedrohung für den Islam. Die Glaubensfanatiker hätten dem Islam mehr geschadet als jeder andere in der Geschichte, sagte Nasrallah in einer am Freitagabend veröffentlichten Videobotschaft. Direkten Bezug zu dem Anschlag auf die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ nahm er jedoch nicht.

Mit ihren unmenschlichen Taten würden Terroristen „den Propheten Gottes und die islamische Welt beleidigen“, sagte Nasrallah. Weiter appellierte er an die Einheit der Muslime im Kampf gegen Terrorismus. Die schiitische Hisbollah hat sich im syrischen Bürgerkrieg mit der Regierung in Damaskus verbündet.

Auch Steinmeier bei Solidaritätsmarsch in Paris

+++ 11.29 Uhr: Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) will am Sonntag am Solidaritätsmarsch für die Opfer der islamistischen Terrorattacken in Paris teilnehmen. Das bestätigte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes der Deutschen Presse-Agentur am Samstag in Berlin.

Weiter viel Interesse an Sondersendungen

+++ 11.21 Uhr: Das Fernsehpublikum interessiert sich weiter für die Terrorereignisse in Frankreich. Der ARD-„Brennpunkt“ („Paris: Eskalation der Gewalt“) und das „ZDF spezial“ („Terror in Paris - Frankreich im Ausnahmezustand“) landeten am Freitagabend bei den Einschaltquoten weit vorn.

Insgesamt 4,98 Millionen Menschen (15,8 Prozent Marktanteil) sahen den „Brennpunkt“ nach der 20-Uhr-„Tagesschau“, die auf 5,33 Millionen Zuschauer kam (17,6 Prozent). Das „ZDF spezial“ verfolgten 4,72 Millionen Menschen (17,6 Prozent), nachdem die 19-Uhr-Ausgabe der „heute“-Nachrichten 5,37 Millionen erreichte (20,7 Prozent).

Höchste Sicherheitsstufe im Großraum Paris wird beibehalten

+++ 11.17 Uhr: Die französische Regierung hält nach der islamistischen Anschlagsserie an der höchsten Terrorwarnstufe im Großraum Paris fest. Die höchste Sicherheitsstufe des Anti-Terror-Plans Vigipirate werde beibehalten, sagte Innenminister Bernard Cazeneuve am Samstag nach einer erneuten Krisensitzung unter Leitung von Staatschef François Hollande in Paris.

"Wir sind in Anbetracht der Umstände Risiken ausgesetzt", sagte Cazeneuve. "Deswegen behalten wir die Mobilisierung aller Mittel bei (...) und verstärken sie noch, um die Sicherheit einer Reihe von Institutionen und religiöser Stätten noch besser gewährleisten zu können."

Geiselnahme in Montpellier: Kein Zusammenhang mit Paris

+++ 10.58 Uhr: Eine Geiselnahme in der südfranzösischen Stadt Montpellier hatte nach den Terroranschlägen in Paris vorübergehend für Aufregung gesorgt. Französischen Medienberichten zufolge gibt es aber keine Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen den Ereignissen sowie auf einen terroristischen Hintergrund. Ein Mann hatte am Freitag in einem Juweliergeschäft in Montpellier zwei dort angestellte Frauen als Geiseln genommen. Zuvor habe der Täter den Laden überfallen. Der Mann habe sich in der Nacht zu Samstag ergeben, schreibt etwa die Zeitung „Midi Libre“ (Online). Es sei niemand verletzt worden.

Auch Vize-Kanzler Gabriel beim Solidaritätsmarsch in Paris dabei

+++ 10.37 Uhr: Der SPD-Vorsitzende und Vize-Kanzler Sigmar Gabriel will am Sonntag am Solidaritätsmarsch für die Opfer der islamistischen Terrorattacken in Paris teilnehmen. Das bestätigte ein SPD-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur am Samstag in Berlin. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesinnenminister Thomas de Maizière hatten ihre Teilnahme angekündigt.

Neue Ausgabe von "Charlie Hebdo" soll in mehreren Ländern erscheinen

+++ 10.30 Uhr: Die neue Ausgabe des französischen Satire-Magazins "Charlie Hebdo" soll neben Frankreich auch in mehreren weiteren Ländern erscheinen. Wie am Freitag aus Pressekreisen verlautete, soll das Magazin auf jeden Fall in Spanien und der Schweiz verbreitet werden, doch verhandele der Vertreiber MLP auch mit Partnern in weiteren Ländern wie Kanada. Die am kommenden Mittwoch erscheinende Ausgabe ist die Erste seit dem blutigen Anschlag am Mittwoch auf die Redaktion in Paris.

Die "Ausgabe der Überlebenden" soll statt der üblichen 60.000 Exemplare mit einer Auflage von einer Million gedruckt werden. Den Angaben zufolge wollen auch Länder, die sonst allenfalls eine Handvoll Exemplare abnehmen, dieses Mal mehrere tausend anfordern. Der neue Chefredakteur des Magazins, Gérard Biard, kündigte am Freitag an, dass die Ausgabe Zeichnungen der gesamten Redaktion, einschließlich der vier getöteten Karikaturisten, enthalten werde.

Die Ausgabe erscheint mit Unterstützung anderer Zeitungen sowie der Pressevertreiber, die für die neue Ausgabe kein Geld nehmen wollen. "Charlie Hebdo" litt bereits vor dem Anschlag unter schweren finanziellen Problemen. Die überlebenden Mitarbeiter waren nach dem Anschlag gezwungen, ihre Redaktionsräume zu verlassen und bei der Zeitung "Libération" Zuflucht zu suchen.

Facebook-Nutzer für Verherrlichung von "Charlie Hebdo"-Attentat vor Gericht

+++ 10.07 Uhr: Ein Facebook-Nutzer muss sich nach Angaben der Straßburger Tageszeitung „Dernières Nouvelles d'Alsace“ wegen Verteidigung des Terroranschlags gegen das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ vor Gericht verantworten. Der 30-Jährige aus einem sozialen Randviertel der Stadt habe auf Facebook unter dem Foto einer Kalaschnikow seine Belustigung zum Ausdruck gebracht, berichtete die Zeitung. Der Mann soll am Montag in Straßburg vor Gericht erscheinen. Die Polizei hatte ihn am Donnerstag festgenommen. Er wies den Vorwurf zurück, das Foto ins Internet gestellt zu haben. Wegen elektronischer Verherrlichung eines Verbrechens in Verbindung mit einem Terrorakt drohen ihm nach Angaben der Zeitung bis zu sieben Jahre Haft.

Erneute Krisensitzung mit Hollande im Élysée-Palast

+++ 09.22 Uhr: Nach der beendeten doppelten Geiselnahme in Frankreich hat Staatspräsident François Hollande am Samstagmorgen erneut Minister und Sicherheitsdienste zu einer Krisensitzung zusammengerufen. Neben einer Bilanz der Polizeieinsätze gegen die drei islamistischen Terroristen sollte der große Solidaritätsmarsch am Sonntag in Paris im Vordergrund stehen. Frankreichs Premier Manuel Valls hatte gesagt, der „republikanische Marsch“ vier Tage nach dem Anschlag mit zwölf Toten werde durch ein massives Sicherheitsaufgebot geschützt.

Italiens Ministerpräsident Renzi fordert EU-Geheimdienst

+++ 07.25 Uhr: Als Reaktion auf die islamistischen Anschläge in Paris fordert Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi den Aufbau eines EU-Geheimdienstes. "Wir haben eine gemeinsame Währung, wir brauchen auch eine gemeinsame Geheimdienstagentur. Europa muss gegen den Terrorismus geeint sein", sagte Renzi am Freitag laut italienischen Medienberichten.

In Rom wurden die Sicherheitsvorkehrungen zuletzt im September erhöht, nachdem eine anonyme telefonische Warnung vor Anschlägen in der italienischen Hauptstadt und im Vatikan eingegangen war. Derzeit gebe es keine konkreten Hinweise, die auf ein Risiko für ein bestimmtes Ziel hindeuteten, sagte Renzi den Berichten zufolge weiter.

Irans Präsident Ruhani verurteilt Terroranschlag in Paris

+++ 05.22 Uhr: Irans Präsident Hassan Ruhani hat den Terroranschlag auf das islamkritische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ verurteilt. „Wir verurteilen jede Art von Terrorismus, egal ob nun in Libanon oder Palästina oder in Paris und den USA“, sagte Ruhani laut Internetseite des Präsidialamts am Samstag. Diese Islamisten würden nur weiter die Islamophobie in der Welt fördern. „Beim Propheten Mohammed ging es immer um Gerechtigkeit, nie um Rache“, sagte Ruhani. Statt zur Gewalt habe er die Gesellschaft stets zu Besonnenheit und Vergebung aufgerufen.

Frankreich trauert nach Terrorwelle - Schulterschluss mit EU-Partnern

+++ 04.59 Uhr: Frankreich trauert nach einer beispiellosen Serie von Terroranschlägen und Geiselnahmen. Seit Mittwoch starben im Großraum Paris 17 Menschen und drei mutmaßliche islamistische Terroristen. Präsident François Hollande sprach im Fernsehen von einer „Tragödie für die Nation“. Er fügte hinzu: „Frankreich wurde über drei Tage hinweg angegriffen.“

Das schockierte und tief getroffene Land sucht in dieser äußerst schwierigen Lage Geschlossenheit und den Schulterschluss mit europäischen Partnern. Zu einem Solidaritätsmarsch für die Opfer des Anschlags auf „Charlie Hebdo“ wollen am Sonntag zahlreiche europäische Regierungschefs in die französische Hauptstadt reisen. Von der EU kommen Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, Ratspräsident Donald Tusk und die Außenbeauftragte Federica Mogherini.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, Großbritanniens Premier David Cameron, Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy, sein italienischer Kollege Matteo Renzi und Belgiens Premier Charles Michel sagten ihre Teilnahme zu. „Es ist ein wichtiges Zeichen deutsch-französischer Freundschaft, dass wir in diesen Stunden zusammenstehen“, sagte Merkel in Hamburg.

Lagerfeld bekundet mit Zeichnung Solidarität mit "Charlie Hebdo"

+++ 03.33 Uhr: Mit einer Zeichnung in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Samstag) drückt Karl Lagerfeld seine Bestürzung über den Terroranschlag auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ aus. Wie das Blatt mitteilte, ist darauf ein Täter mit Maske zu sehen, der einen Stift zerbricht. Bewusst verpasst Lagerfeld dem Vermummten demnach einen gelben Heiligenschein. „So sehen sie sich ja selbst“, sagte der Modemacher, der auch für seine Zeichnungen bekannt ist. Einige der getöteten Satiriker der Zeitschrift kannte er demnach. „Paris reicht mir im Moment. Die Atmosphäre in der Stadt ist grauenhaft“, sagte Lagerfeld.

Hashtag #JeSuisCharlie mehr als fünf Millionen Mal verwendet

+++ 02.20 Uhr: Nach dem Terroranschlag auf das Pariser Satiremagazin "Charlie Hebdo" hat sich der Slogan "Je suis Charlie" (Ich bin Charlie) als Zeichen der Solidarität in Windeseile weltweit verbreitet: Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter wurde der Hashtag #JeSuisCharlie nach der Attacke vom Mittwoch bisher mehr als fünf Millionen Mal benutzt. Das teilte Twitter France am Freitagabend auf seiner Twitter-Seite mit. Der Hashtag wurde von Nutzern auf allen Kontinenten verwandt, wie auf einer entsprechenden Karte zu sehen ist - der Schwerpunkt liegt in Europa und an der Ostküste der USA.

Wiesenthal-Zentrum: Anschläge "Desaster" für französische Behörden

+++ 02.13 Uhr: Nach dem Anschlag auf die französische Satirezeitung "Charlie Hebdo" und dem blutigen Ende der beiden anschließenden Geiselnahmen hat das Simon-Wiesenthal-Zentrum die Geheimdienste des Landes kritisiert. Die Vorgänge der vergangenen Tage seien ein "Desaster" für die Dienste, sagte Zentrumsdirektor Marvin Hier am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Die Behörden müssten "eindeutig mehr unternehmen, um zu wissen, wer ins Land einreist", fügte er mit Blick auf Rückkehrer hinzu, die in Krisengebieten an der Seite radikaler Islamisten kämpften.

Der Rabbiner forderte zugleich, dass die etwa 6000 muslimischen Geistlichen in Frankreich sich bei der Bekämpfung von Extremismus stärker einbringen sollten. Die Imame hätten großen Einfluss auf ihre Gläubigen und dürften "nicht aus der Verantwortung entlassen werden", sagte Hier, Gründer des Wiesenthal-Zentrums, das sich für den Kampf gegen Antisemitismus in der Welt einsetzt. Die Imame der wichtigsten Moscheen in Frankreich hatten die Gewalt zuvor scharf verurteilt.

USA rufen Bürger nach Terror in Frankreich zu erhöhter Vorsicht auf

+++ 01.57 Uhr: Die US-Regierung hat ihre Bürger in aller Welt nach den Anschlägen in Frankreich zu erhöhter Vorsicht aufgerufen. "Jüngste Terrorattacken, seien sie von jenen mit Verbindungen zu Terrororganisationen, von Nachahmern oder einzelnen Tätern, sind eine Erinnerung daran, dass US-Bürger ein hohes Maß an Wachsamkeit aufrechterhalten müssen", hieß es in einer Mitteilung des US-Außenministeriums vom Freitag. Amerikaner im In- und Ausland müssten "angemessene Schritte unternehmen, um ihr Sicherheitsbewusstsein zu erhöhen". Bei mehreren Attacken waren in Frankreich in den vergangenen Tagen mindestens 17 Menschen getötet worden.

Al-Kaida-Ableger droht mit weiteren Anschlägen in Frankreich

+++ 01.33 Uhr: Nach den islamistischen Anschlägen im Großraum Paris geht in Frankreich und anderen Staaten die Angst vor weiteren Attacken um. Der Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (Aqap) hat mit weiterer Gewalt in Frankreich gedroht. "Ihr werdet nicht mit Sicherheit gesegnet sein, so lange ihr Allah, seinen Verkünder und die Gläubigen bekämpft", sagte ein ranghoher Vertreter von Aqap in einem Video, das am Freitag von dem auf die Beobachtung islamistischer Websites spezialisierten US-Unternehmen Site veröffentlicht wurde. Die beiden Brüder Chérif und Said Kouachi, die den Anschlag auf die französische Satirezeitung "Charlie Hebdo" verübten, sollen Verbindungen zu Aqap gehabt haben.

"Einige der Söhne Frankreichs haben die Propheten Allahs respektlos behandelt", sagte Harith bin Ghazi al-Nadhari, den Site als einen der führenden Verantwortlichen für die religiösen Scharia-Gesetze bei Aqap beschrieb. Also habe eine Gruppe "gläubiger Soldaten" ihnen "Respekt und die Grenzen der Meinungsfreiheit gelehrt". Frankreich gehöre zu den führenden Kräften des Unglaubens, führte al-Nadhari fort. "Es beleidigt die Propheten, setzt die Religion herab und bekämpft die Gläubigen."

Das gut fünf Minuten lange Video wurde laut Site am Freitag ins Internet gestellt - wenige Stunden, nachdem Chérif und Said Kouachi von der Polizei getötet worden waren.

Said Kouachi war bereits am Freitagvormittag leicht am Hals verletzt worden

+++ 00.45 Uhr: Staatsanwalt François Molins gab am Freitagabend weitere Details zu der Jagd nach Chérif und Said Kouachi seit deren Angriff auf die Redaktion der Satirezeitung "Charlie Hebdo" am Mittwoch mit zwölf Toten bekannt. Demnach wurde der 34-Jährige Said Kouachi bereits am Freitagvormittag leicht am Hals verletzt, als es auf einer Nationalstraße einen Schusswechsel mit Polizisten gab. Anschließend verschanzten sich die Brüder in einer Druckerei in der Gemeinde Dammartin-en-Goële nahe dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle.

Sie nahmen zunächst den Geschäftsführer der Druckerei als Geisel, ließen ihn aber später laufen, wie Molins sagte. Ein Mitarbeiter des Unternehmens versteckte sich vor den Islamisten und blieb unentdeckt.

"Kurz vor 17 Uhr öffnet sich die Eingangstür im Erdgeschoss des Unternehmens für mehrere Minuten um 15 Zentimeter", fuhr Molins in der Schilderung fort. "Dann kommen die beiden Brüder mit Sturmgewehren heraus und schießen in Richtung der Ordnungskräfte." Die Eliteeinheiten hätten zunächst versucht, die Islamisten mit nicht tödlichen Granaten außer Gefecht zu setzen. Da die "beiden Terroristen" aber weiter gefeuert hätten, hätten die Polizisten sie "neutralisieren" müssen und erschossen.

Vier Geiseln in Paris laut Staatsanwalt vor Zugriff getötet

+++ 00.19 Uhr: Die vier in einem jüdischen Supermarkt in Paris getöteten Geiseln starben laut Behördenangaben schon vor der Befreiungsaktion der Polizei. Die Geiseln seien "wahrscheinlich" erschossen worden, als der islamistische Geiselnehmer am Mittag in das Geschäft stürmte, sagte der Pariser Staatsanwalt François Molins am Freitagabend. Auch der Geiselnehmer Amedy Coulibaly hatte in einem Telefongespräch mit dem Nachrichtensender BFMTV gegen 15 Uhr schon von vier Toten gesprochen (siehe unten). Laut Molins hatte Coulibaly mehrere Schusswaffen und große Mengen Sprengstoff bei sich.

Ermittler suchen nach möglichen Hintermännern der Terroristen

+++ 23.57 Uhr: Nach dem Ende der beiden Geiselnahmen suchen französische Ermittler nach möglichen Hintermännern der drei getöteten islamistischen Attentäter. Fünf Personen seien in Polizeigewahrsam, sagte Staatsanwalt François Molins am späten Freitagabend in Paris. Die Freundin des Mannes, der Geiseln in einem jüdischen Supermarkt genommen hatte, sei noch nicht gefasst.

Die Fahnder wollen herausfinden, woher die Waffen der Terroristen stammten und ob die Männer Anweisungen erhielten, „aus Frankreich, dem Ausland oder dem Jemen“, wie der Staatsanwalt sagte.

In Karton versteckter Mann informierte Polizei über Terroristen

+++ 22.58 Uhr: Beim Überfall der beiden mutmaßlichen "Charlie-Hebdo"-Attentäter auf eine Druckerei nordöstlich von Paris konnte sich ein Mann in einem Karton verstecken und per Telefon die Fahnder informieren. Die beiden Terroristen, die sich in einem anderen Teil des Industriegebäudes aufhielten, hätten den Mann nicht entdeckt, der inzwischen als Held gefeiert werde, berichtete der TV-Sender BFMTV am Freitagabend. Der Mann habe die Polizei detailreich über die Örtlichkeit informiert. Die beiden Terroristen rannten später aus dem Gebäude und wurden von der Polizei erschossen.

Staatsanwalt François Molins bestätigte später, dass sich ein Angestellter verstecken konnte, der die Polizei informierte. Der Mann habe sich im zweiten Stock des Gebäudes unter einem Spülbecken versteckt. Den Geschäftsführer der Druckerei hatten die Attentäter als Geisel genommen, dann aber wieder freigelassen.

Geiselnehmer von Paris: Das erzählte er dem TV-Sender BFMTV

+++ 22.34 Uhr: Der Islamist Amedy Coulibaly, der bei einer Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt in Paris am Freitag mehrere Menschen tötete, rief am Nachmittag gegen 15.00 Uhr den französischen Sender BFMTV an. Etwa zwei Stunden später wurde er beim Zugriff von Elite-Polizisten erschossen. Das Gespräch mit BFMTV im Wortlaut:

Warum sind Sie dort?

Ich bin hier, weil der französische Staat IS (die Dschihadisten-Gruppe Islamischer Staat), das Kalifat angegriffen hat.

Haben Sie Anweisungen bekommen?

Ja.

Stehen Sie im Kontakt mit ihren beiden Brüdern (Chérif und Said Kouachi, die beim Angriff auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" am Mittwoch zwölf Menschen getötet haben sollen)?

Ja. Wir haben uns für den Anfang dieser Operationen abgestimmt. Sie "Charlie Hebdo", ich die Polizisten.

Stehen Sie noch im Kontakt? Haben Sie sie in letzter Zeit mit dem Telefon erreicht?

Nein.

Ist Ihre Frau bei Ihnen? (Nach Coulibalys 26-jähriger Lebensgefährtin Hayat Boumeddiene wird wegen der tödlichen Schüsse auf eine Polizistin am Donnerstag südlich von Paris gefahndet.)

Nein, ich bin alleine. Meine Frau ist nicht da.

Wie viele Menschen sind in dem Geschäft?

Es gibt vier Tote und 16 Personen mit Kind, das macht 17 mit einem Kind (Coulibaly spricht mit jemandem). Er sagt, dass acht Frauen hier sind.

Was wollen Sie?

Ich will, dass sich die Armee aus dem Islamischen Staat zurückzieht, aus allen Gebieten, wo sie den Islam bekämpft. Ich bin bereit zu verhandeln. Sagen sie ihnen, dass sie mich anrufen.

Zu welcher Gruppe gehören Sie?

Zum Islamischen Staat.

Waren Sie vor Ort?

Ich habe es vermieden, denn es hätte mein Projekt gefährdet, wenn ich es gemacht hätte.

Haben Sie das Geschäft aus einem bestimmten Grund ausgesucht?

Ja. Die Juden. Wegen der Unterdrückung, vor allem des Islamischen Staats, aber überall. Es ist für alle Gegenden, wo Muslime unterdrückt werden. Palästina gehört dazu.

Stehen neben Ihren beiden Brüdern noch andere Personen mit Ihnen in Verbindung?

Auf diese Frage werde ich nicht antworten. Es reicht mit den Fragen. Reichen Sie meine Nummer an die Polizei weiter.

"Charlie Hebdo"-Attentäter bei Polizeieinsatz nahe Paris getötet

Unten: Die Kouachi-Brüder Said und Chérif, die den Anschlag auf das Satire-Magazin "Charlie Hebdo" verübt haben. Oben: Ein Freund der Attentäter, der am Freitag bei einer Geiselnahme vier Menschen getötet hat und seine Lebensgefährtin, die noch immer auf der Flucht ist.

+++ 22.30 Uhr: Rund 53 Stunden lang befand sich Frankreich im Ausnahmezustand, am Freitagnachmittag fand die Jagd nach den islamistischen Attentätern ein blutiges Ende: Elite-Polizisten töteten die beiden Hauptverdächtigen des "Charlie Hebdo"-Anschlags in der Nähe von Paris. Fast gleichzeitig erschossen Polizeieinheiten einen mutmaßlichen Komplizen der beiden Brüder, der sich in einem Pariser Supermarkt mit mehreren Geiseln verschanzt hatte. Vier weitere Menschen wurden bei der Geiselnahme getötet.

Die Ereignisse vom Freitag können Sie in unserem Ticker von gestern nachlesen.

Terroranschlag: Geiselnahmen beendet - mehrere Tote

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