Pistorius: Staatsanwalt will neuen Mordprozess

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Oscar Pistorius

Pretoria - Fünf Jahre Haft wegen fahrlässiger Tötung - dieses Urteil gegen Oscar Pistorius ist bei vielen Südafrikanern auf Unverständnis gestoßen. Auch die Anklage will eine härtere Strafe. Und setzt sich für eine Neuauflage des Prozesses ein.

Nach teils heftiger Kritik am milden Urteil gegen Paralympics-Star Oscar Pistorius geht der Prozess in Südafrika in die nächste Runde. Die Staatsanwaltschaft will am Dienstag (8.30 Uhr MEZ) das Strafmaß von fünf Jahren Haft wegen fahrlässiger Tötung seiner Freundin Reeva Steenkamp anfechten. Richterin Thokozile Masipa wird nach Anhörung von Anklage und Verteidigung wohl noch am gleichen Tag über die Eröffnung eines Berufungsverfahrens entscheiden. Rechtsexperten erwarten die Zulassung einer Berufung.

Die Verhandlung am Gericht in der Hauptstadt Pretoria beginnt sieben Wochen nach der Verurteilung des beinamputierten Sprinters. Der mittlerweile 28-jährige hatte in der Nacht zum 14. Februar 2013 seine Freundin durch eine geschlossene Badezimmertür erschossen. Er beteuerte stets, er habe einen Einbrecher im Haus vermutet. Rechtsexperten halten es für möglich, dass ein Berufungsverfahren zwei bis drei Jahre in Anspruch nimmt.

Staatsanwalt Gerrie Nel hatte Pistorius wegen Mordes angeklagt. Darauf steht in Südafrika lebenslänglich, was in der üblichen Rechtspraxis 25 Jahre Haft bedeutet. Richterin Masipa sah die Beweislage dafür jedoch in erster Instanz als unzureichend an und stufte Zeugen der Anklage als wenig glaubwürdig ein. Daher verurteilte sie Pistorius wegen fahrlässiger Tötung. Bei guter Führung könnte der frühere Superstar nach Schätzung von Rechtsexperten schon nach wenigen Monaten aus dem Gefängnis entlassen und unter Hausarrest gestellt werden.

Heftige Kritik an dem Urteil kam von vielen Juristen, Frauenverbänden und auch von schwarzen Südafrikanern, die darin eine zu milde Bestrafung eines weißen Täters sahen. Pistorius wie auch Steenkamps Familie hatten den Richterspruch hingegen in einer ersten Reaktion akzeptiert.

dpa

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