Täter schlagen oft in Fünfergruppen zu – Polizei und Handel wollen besser kooperieren

Profidiebe werden immer dreister

Diebstahl im Laden: Kleine Dinge wie Drogerieartikel – wie hier auf unserem gestellten Bild – sind bei Dieben ebenso begehrt wie Alkohol und kleine technische Geräte. Viele Täter organisieren sich mittlerweile in Banden. Fotos: dpa

Frankfurt. Die Diebe kommen mit riesigen Papiertüten ins Kaufhaus, sacken hochwertige Kleidungsstücke ein und verschwinden unbemerkt. Eine zwischen zwei Schichten Packpapier eingearbeitete Alufolie schirmt die Sicherheitsetiketten an den Waren ab, der Alarm geht nicht los.

„Die Taschen sehen völlig harmlos aus“, beschreibt Stefan Siegel von einer großen Detektei den Trick. Die Täter präparierten derzeit besonders oft Papiertüten, aber durchaus auch andere Taschen. Die Kriminellen machen dem Einzelhandel zu schaffen. Polizei und Handel in Hessen wollen enger zusammenarbeiten und ihnen gemeinsam das Handwerk legen.

Es gebe immer mehr professionell organisierte Diebesbanden, die im Land umher- fahren, sagt der Präsident des Handelsverbands Hessen, Friedrich Wagner. Siegel beschreibt die Banden so: „Zwei bis drei Leute machen 10 000 bis 20 000 Euro Beute auf einen Rutsch und fahren dann in die nächste Stadt.“ Die Täter seien oft auch gewaltbereit.

Bis zu 250 Kilometer legten die Banden an einem Tag zwischen den Tatorten zurück, wie Frank Horst vom EHI Retail Institute sagt, dem wissenschaftlichen Institut des Handels in Deutschland. Die Gruppen bestehen inzwischen meist aus drei bis fünf Tätern und gehen arbeitsteilig vor: Einer lenkt ab, einer stellt die Waren zusammen, einer greift sie ab, einer sichert den Fluchtweg und der letzte fährt das Fluchtauto. Dabei nutzten sie oft Störsender, um die Sicherheitstechnik auszuschalten.

Ein anderer Trick: Frauen befestigen einen Kissenbezug mit Bändern unter einem großen Faltenrock, lassen die Ware wie in eine Schürze fallen und verlassen ungehindert das Geschäft. In Baumärkten öffnen Diebe Kartons, nehmen den Inhalt – etwa einen Spiegelschrank – heraus, füllen hochwertige Ware – wie Badarmaturen – ein, verschließen den Karton wieder und zahlen an der Kasse bloß die 40 Euro für den Spiegelschrank. Auch Taschen- und Trickdiebstähle in Geschäften nehmen zu, erklärte Frankfurts Polizeipräsident Gerhard Bereswill ergänzend.

Der Handel plane bei der Inventur bereits ein Prozent Schwund ein, sagt Wagner. „2015 waren es aber fast zwei Prozent.“ Diese sogenannte Inventurdifferenz ist den Fachleuten zufolge zu je einem Drittel auf Diebstähle von Mitarbeitern, von Kunden und auf organisatorische Mängel zurückzuführen.

Frank Horst schätzt, dass nur zwei Prozent der Diebstähle erkannt werden. Auf eine Tat kommen 50 bis 100 nicht erkannte. Begehrt bei den Dieben seien Parfüm-Artikel, Bekleidung, handliche Technik wie Smartphones, Tabak, Alkohol und Süßigkeiten.

Durch Diebstähle entsteht in Hessen ein Schaden von 2,1 Milliarden Euro pro Jahr. Der Anteil organisierter Diebstähle wird auf ein Viertel geschätzt. (dpa)

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