500 Jahre Reinheitsgebot

Prost, deutsches Bier! ABC zum Lieblingsgetränk der Nation

Hoch die Tassen! Der 23. April ist der Tag des Bieres .

Ochsengalle, Pech und Schlangenkraut - diese Zutaten wurden vor rund 500 Jahren noch ins Bier gemischt. Heute ist das anders. Ein Bier-ABC.

Sie sollten den Geschmack von schlecht gewordenem Bier übertünchen - waren als Genussmittel aber nicht ungefährlich. Um den Panschern das Handwerk zu legen, erfanden die bayerischen Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. im Jahr 1516 das Reinheitsgebot. Nach diesem durften nur noch Gerste und das daraus gewonnene Malz, Hopfen und Wasser zur Herstellung von Bier genutzt werden. An dieses alte Lebensmittelgesetz müssen sich die deutschen Brauereien noch heute halten. Das ist gut so, denn wenn die Deutschen Alkohol trinken, dann immer noch am liebsten Bier. Ein ABC rund um den beliebten Gerstensaft:

Alkoholgehalt. 57 Prozent Alkohol hat das stärkste Bier in Deutschland, der fränkische Schorschbock 57. Vergleichsweise wenig zum stärksten Bier der Welt, dem schottischen Snake Venom - zu deutsch Schlangengift. Mit 67,5 Prozent hat es mehr Alkoholgehalt als die meisten Schnäpse.

Bierschankordnung. Die älteste Bierschankordnung, der Codex Hammurapi, ist 3700 Jahre alt und stammt aus Mesopotamien (heute: Irak). Darin heißt es: „Die Wirtin, die in ihrer Gaststätte politische oder staatsgefährdende Diskussionen duldet, ohne die Gäste der Obrigkeit auszuliefern, wird getötet“ und „Bierpanscher werden in ihren Fässern ertränkt oder so lange mit Bier vollgegossen, bis sie ersticken“.

China. Das bevölkerungsreichste Land der Erde ist auch Spitzenreiter im Bierbrauen. Im Jahr 2014 produzierten chinesische Brauereien fast 500 Millionen Hektoliter Bier. Deutschland liegt mit 95 Mio. Hektolitern hinter den USA und Brasilien auf Rang vier.

Deckel. Vorläufer des Papp-Bierdeckels war der Bierfilz. Trank man im 19. Jahrhundert Bier, legte man den Filz auf den Krug, damit kein Ungeziefer hineinfiel. Aus dieser Abdeck-Funktion entwickelte sich der Bierdeckel, der 1892 in Dresden erfunden wurde.

Einschlafen. Mäßiger Biergenuss soll das Einschlafen erleichtern. Grund dafür ist die beruhigende und schlafanstoßende Wirkung der Heilpflanze Hopfen. Auch der Alkoholgehalt soll beim Einschlafen förderlich sein.

Flasche. Jede Glasbierflasche wird hierzulande durchschnittlich 39-mal wiederbefüllt. Die meisten Bierflaschen sind farbig, damit die Hopfenbitterstoffe nicht durch ultraviolette Strahlung zerstört werden. Braune Flaschen filtern das Licht besser als grüne.

Glas. Als 2014 die Tour de France in England gastierte, stellte eine Brauerei aus Halifax das größte Bierglas der Welt auf: Pro Kilometer Radrennen füllte der Braumeister ein Pint in das riesige Acrylglas ein - insgesamt 3664 Pint, also umgerechnet 2082 Liter.

Hopfen. Die Pflanze sorgt für den bitteren Biergeschmack, beeinflusst Schaumkrone und erhöht die Haltbarkeit. Das größte Anbaugebiet der Welt, die Hallertau, liegt zwischen München und Nürnberg.

Isobarometer. So heißt der Fassabfüllapparat, mit dem das Bier unter Gegendruck schaumfrei abgefüllt wird.

Jungbier. Unmittelbar nach der Hauptgärung nennen Brauer ihr Bier Jungbier. Es ist geschmacklich noch nicht ausgereift und wird meist nur bei Brauereiführungen ausgeschenkt.

Kloster. 1040 wurde dem bayrischen Kloster Weihenstephan das Braurecht verliehen. Weihenstephan ist die älteste bestehende Brauerei.

Londoner Bier-Überschwemmung. Am 17. Oktober 1814 platzten in der englischen Hauptstadt in einer Brauerei mehrere Gärbottiche mit insgesamt rund 1,5 Mio. Liter Bier. Das Bier flutete die Straßen und zerstörte mehrere Häuser. Acht Menschen kamen ums Leben.

Malz. Das getrocknete Getreide wird je nach Biersorte aus Gerste oder Weizen gewonnen. Nach dem Reinheitsgebot soll Malz bevorzugt aus Gerste verwendet werden. Es gibt über 40 Sorten, etwa Rauch- und Karamellmalz.

Nährwertangaben. Ein Glas Pils (0,33 Liter) hat etwa 150 Kalorien. Das kalorienärmste Bier unter den gängigsten Sorten ist das alkoholfreie Bier (80 Kalorien). Am kalorienreichsten ist hingegen das Doppelbock (230 Kalorien).

Oktoberfest. Das größte Volksfest der Welt gilt als Synonym für das Biertrinken. Gegründet 1810, lockt es heute sechs Mio. Menschen nach München. Getrunken wird das Bier traditionell aus Maß-Krügen. Eine Maß entsprach ursprünglich 1,069 Liter.

Preis. Das teuerste Bier der Welt kommt aus Belgien und trägt den Namen „Vielle Bon Secours“. Eine 12-Liter-Flasche kostet 1000 Euro und wird nur in einer einzigen Bar in London ausgeschenkt.

Quellwasser. Als Hauptbestandteil des Bieres beeinflussen die Mineralstoffe des Wassers den Geschmack. Malzig-süßes Dunkelbier wird zum Beispiel mit hartem Wasser gebraut. Für feinherbes Pils wird kalkarmes, weiches Wasser benötigt. Brauwasser muss höhere Anforderungen als Trinkwasser erfüllen.

Rezept. Das wohl älteste Bier-Rezept der Welt stammt aus dem Jahr 2370 v. Chr. Auf den im Irak gefundenen Keilschrifttafeln ist verzeichnet, was man damals für 20 Gefäße „rotbraunes Bier“ benötigte: 300 Liter Spelz (eine alte Getreideart), 300 Liter Bierbrote und 450 Liter Malz.

Schaumkrone. Bier im Fass hat keinen Schaum. Dieser bildet sich erst, wenn Luft an das Bier kommt. Das liegt daran, dass die Bierbestandteile aus Eiweißen und Hopfen feine elastische Häutchen bilden, die versuchen, die im Glas aufsteigenden Kohlensäurebläschen festzuhalten. Die Schaumschicht hält das Bier also frisch und sorgt dafür, dass es nicht so schnell schal wird.

Tag des Bieres. Mit diesem Aktionstag, der a, 23. April stattfindet, feiert der Deutsche Brauer-Bund seit 1994 jedes Jahr den Geburtstag des Reinheitsgebotes.

Unverträglichkeit. Für Menschen mit Glutenunverträglichkeit sind nahezu alle konventionell gebrauten Biere aufgrund des im Braugetreide enthaltenen Glutens nicht geeignet.

Verzehrempfehlung. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen rät Männern nicht mehr als einen halben Liter Bier am Tag zu trinken. Frauen sollten maximal die Hälfte dieser Menge zu sich nehmen.

Würze. Die Stammwürze ist eine Messgröße beim Bierbrauen. Sie bezeichnet den Anteil der aus Malz und Hopfen gelösten Stoffe vor der Gärung. Würze wird zu Bier durch die alkoholische Vergärung mit Hefe.

Xanthohumol. Der im Hopfen enthaltene Stoff soll wegen antioxidativen Eigenschaften zur Gesunderhaltung der Körperzellen beitragen und Krebszellenwachstum verhindern.

Yoga. Bieryoga ist der neuste Fitnesstrend, bei dem Körperübungen mit Trinken verbunden werden. Der Sonnengruß wird zum Biergruß. Eine der Übungen: eine Flasche Bier auf dem Kopf ausbalacieren. Innerhalb einer Yogastunde werden meist zwei Flaschen Bier getrunken.

Zapfanlage. In München gibt es seit 2012 eine Pipeline für Bier, die das Hackerzelt auf dem Oktoberfest mit Bier versorgt. 25 Zentimetern pro Sekunde schnell rauscht das Bier durch die Schläuche zum Ausschank.

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