Tebartz-van Elst kämpft um sein Amt

Protz-Bischof: Baukosten sogar bei 40 Millionen Euro?

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Franz-Peter Tebartz-van Elst

Berlin - Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst verliert immer mehr Rückhalt aus der Katholischen Kirche. Einem Bericht zufolge könnten die Baukosten für die Residenz auf 40 Millionen Euro steigen.

"Die Entscheidung über meinen bischöflichen Dienst liegt in den Händen des Heiligen Vaters", sagte Tebartz-van Elst nach Angaben des Sprechers des Bistums Limburg, Martin Wind, am Samstag. Der Bischof sei betroffen von der Eskalation und sehe auch, dass viele Gläubige im Bistum von der Art der Diskussion betroffen seien.

Der Bischof will demnach noch "im Laufe der Woche" nach Rom reisen, um an der Kurie Gespräche zu führen. Der Sprecher machte keine Angaben dazu, wann genau der Bischof die Reise antreten wird. Mit der Reise nach Rom wolle er dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, zuvorkommen, berichtet die „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Dieser reist an diesem Montag nach Rom, wo er im Vatikan zunächst Gespräche mit der Kurie führen will. Im Laufe der Woche - voraussichtlich am Donnerstag - möchte er dann mit Papst Franziskus über die Situation im Bistum Limburg sprechen.

Zollitsch hält die Lage dort für untragbar, nachdem die Baukosten für die Residenz des Bischofs auf 31 Millionen Euro in die Höhe geschnellt sind und die Staatsanwaltschaft Hamburg einen Strafbefehl wegen falscher eidesstattlicher Versicherungen gegen Tebartz-van Elst beantragt hat.  Der Vorsitzende der Bischofskonferenz hatte sich am Donnerstag öffentlich vom Gebaren des Limburger Bischofs distanziert.

Laut der "Welt am Sonntag" werden die Kosten sogar noch auf 40 Millionen Euro ansteigen. Wie das Blatt berichtet, rechnet die Limburger Stadtverwaltung zusätzlich zu den bisher veranschlagten 31 Millionen Euro für den Bischofssitz mit Folgekosten in Millionenhöhe. Der Grund: Schäden in der direkten Umgebung der Residenz, die durch die Baumaßnahmen entstanden sind. Konkret handele es sich um erhebliche Straßenschäden und Beschädigungen an Häuserfassaden. Bistumssprecher Martin Wind bestätigte der Zeitung, dass solche Kosten auf den Bischöflichen Stuhl zukommen. „Diese Rechnungen werden dann selbstverständlich beglichen.“

Ein Bischof der römisch-katholischen Kirche kann nicht selbst zurücktreten, laut Kirchenrecht kann er dem Papst aber seinen Amtsverzicht anbieten. Wenn das Gesuch vom Papst angenommen wird, behält der Betreffende den Titel eines Bischofs, denn die Bischofsweihe als Sakrament gilt als unumkehrbar.

Verschleierte der Bischof die Kostenexplosion?

Franz-Peter Tebartz-van Elst könnte einem Bericht zufolge schon seit mehreren Jahren von der Kostenexplosion beim Bau seiner neuen Residenz gewusst haben. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagsausgabe) soll bereits Ende 2010 festgestanden haben, dass der Bau des Diözesanen Zentrums St. Martin neben dem Limburger Dom deutlich mehr als 20 Millionen Euro kosten würde.

Der Bischof steht in der Kritik, weil die Kosten für den Bau seines Bischofssitzes von ursprünglich veranschlagten 5,5 Millionen Euro auf mindestens 31 Millionen Euro angestiegen sind, wobei laut "SZ" auch diese Summe nicht reichen könnte. Die Staatsanwaltschaft Limburg prüft deshalb Vorwürfe der Untreue. Am Donnerstag beantragte zudem die Staatsanwaltschaft Hamburg einen Strafbefehl wegen eidesstattlicher Falschaussage. Dabei geht es um Angaben des Bischofs im September 2012 zu einem Flug nach Indien.

Bei den Bauarbeiten soll es dem Zeitungsbericht zufolge kaum Überraschungen gegeben haben, was auf eine Täuschung der Öffentlichkeit hindeuten würde. Unklar sei jedoch, ob der Bischof selbst von Anfang an von hohen Ausgaben wusste oder dies über Jahre hinweg nur seinen engsten Beratern bekannt war.

Weiter hieß es, dass weder der mit dem Bau beauftragte Architekt Michael Frielinghaus noch der Diözesanbaumeister Tilmann Staudt zu den SZ-Informationen Stellung nehmen wollten, wonach die Kosten des Baus schon lange bekannt sein sollen. Bistumssprecher Martin Wind sagte der Zeitung, solche Fragen zu klären sei Aufgabe der Prüfungskommission, die der Bischofskonferenz vorsitzende, Erzbischof Robert Zollitsch, eingerichtet habe. "Über Rücktritt hat der Bischof mit mir nicht gesprochen", erklärte Wind.

Rückhalt schwindet

Für den Kölner Kardinal Joachim Meisner sei nach dem von der Staatsanwaltschaft Hamburg beantragten Strafbefehl und nach der Bekanntgabe exorbitant gestiegener Baukosten für den Bischofssitz eine "neue Lage" eingetreten, berichtete die "FAS" unter Berufung auf Meisners Umfeld. Meisner sehe nicht nur das Bischofsamt, sondern die gesamte Kirche durch den Fall beschädigt. Der Kardinal hatte Tebartz-van Elst noch Mitte September öffentlich verteidigt. Es gelte nun, die Ergebnisse der geplanten Rom-Reise von Tebartz-van Elst abzuwarten, sagte Meisner Sprecher am Samstag der Nachrichtenagentur dpa in Köln.

"Wenn der Bischof auch nur einen Funken Ehrgefühl in sich hat, bietet er dem Papst sofort seinen Rücktritt an", sagte der ehemalige Weihbischof aus Limburg, Gerhard Pieschl, der Frankfurter Neuen Presse (Samstagsausgabe). Einen Bischof, der öffentlich als Lügner, Betrüger oder Kranker bezeichnet werde, könne der Papst nicht im Amt belassen. Vertrauen und Glaubwürdigkeit seien nicht mehr wiederherzustellen.

Zu den Personen, bei denen der Bischof noch auf Rückhalt hoffen darf, gehört der Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller. Dieser hatte Mitte September von einer „Kampagne“ gegen Tebartz-van Elst gesprochen und gesagt, dieser bleibe im Amt.

"Viele in der Kirche, auch viele seiner bischöflichen Amtsbrüder, erwarten einen Rückzug", sagte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, der "Welt". Viele befürchteten auch, dass der Bischof selbst nicht zu dieser Einsicht komme. "Am Ende wird wohl Rom die Entscheidung treffen."

fallen.

Viele Gläubige wenden sich inzwischen ab: Das Limburger Amtsgericht registrierte vergangene Woche einen sprunghaften Anstieg der Kirchenaustritte im Bistum. An diesem Sonntag wollen sich enttäuschte Katholiken auf dem Limburger Domplatz versammeln, um über einen Neuanfang im Bistum zu sprechen. „Es muss einfach mal ein Forum gegeben werden für die Gläubigen“, sagte Pastoralreferent Joachim Schaefer von der katholischen Domkirchengemeinde Wetzlar.

Umbau im Bistum Rottenburg noch teurer als in Limburg

Nicht nur der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat mit hohen Baukosten zu kämpfen: Die Sanierung des Bischöflichen Ordinariats im Bistum Rottenburg-Stuttgart ist mit 39 Millionen Euro noch teurer ausgefallen als die Bauarbeiten in der Limburger Residenz. Die Rottenburger Diözese habe die Kosten jedoch von Anfang an transparent gehalten, betonte Bistumssprecher Uwe Renz.

Die Sanierung war den Angaben zufolge wegen massiver Baumängel notwendig geworden. Zudem musste der Brand- und Gebäudeschutz verbessert werden. Ursprünglich waren 36,5 Millionen Euro veranschlagt, am Ende beliefen sich die Gesamtkosten dann auf 39 Millionen Euro.

dpa/AFP

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