Foto mit abgetrennten Köpfen

Mann wegen Kriegsverbrechen in Syrien vor Gericht 

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Mit einem weißen T-Shirt bekleidet sitzt der Angeklagte Aria L. in einem Hochsicherheitssaal des Oberlandesgerichts in Frankfurt am Main neben seinem Anwalt Andreas Bensch. Die Bundesanwaltschaft wirft dem 21-jährigen Deutschen mit iranischen Wurzeln Kriegsverbrechen gegen Menschen vor.

Frankfurt am Main - Im ersten deutschen Prozess wegen des Vorwurfs der Begehung eines Kriegsverbrechens in Syrien hat ein mutmaßlicher Islamist eingeräumt, auf Fotos mit abgetrennten Köpfen posiert zu haben.

Aria L. sagte aber zu Beginn des Verfahrens am Dienstag vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main aus, dazu gedrängt worden zu sein. "Ich wollte nicht da drauf", gab er in seiner mehrstündigen Aussage an.

Dem 21-Jährigen wird vorgeworfen, im Frühjahr 2014 für Fotos mit zwei abgetrennten Köpfen von getöteten Zivilisten oder Regierungssoldaten posiert zu haben. Diese Aufnahmen sollen danach unter anderem über das soziale Netzwerk Facebook verbreitet worden sein.

Nach der Schilderung des Angeklagten befand er sich beim Essen bei einem Bekannten in Syrien, als dessen Sohn hereinkam und von den abgetrennten Köpfen berichtete. Er habe es nicht glauben können, als er diese gesehen habe, und sich dann unter dem Druck der anderen Anwesenden für ein Foto daneben gestellt.

Angeklagter gibt an, dass er Menschen in Syrien helfen wollte

Er habe nicht vorgehabt, "jemanden zu erniedrigen", sagte der 21-Jährige. Er habe auch zunächst gesagt, dass er das nicht mache. Niemals habe er zudem gedacht, dass alles ein solches Ausmaß annehmen werde.

Der unter anderem wegen Einbrüchen vorbestrafte L. begründete seine Reise nach Syrien damit, dass er den Menschen dort habe helfen wollen. Vor seiner Abreise hatte er sich nach eigenen Angaben stärker dem Islam zugewandt und schließlich über Facebook Kontakt zu Bekannten in Syrien aufgenommen. Dort nahm er demnach später auch an Schießübungen teil.

Richter fühlt sich auf den Arm genommen

Der Vorsitzende Richter Thomas Sagebiel äußerte erhebliche Zweifel an der Darstellung des Angeklagten. "Ich fühle mich gerade ein bisschen auf den Arm genommen", sagte er zu dessen Aussage, nach Syrien gereist zu sein, um den Menschen dort zu helfen.

L. befindet sich seit Oktober 2015 in Untersuchungshaft. Der Prozess vor dem Oberlandesgericht ist zunächst bis Mitte Juni terminiert.

AFP

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