Ring frei für die Narren

Rio tanzt im Samba-Karneval

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In Rio steigt das Karnevals-Fieber.

In Rio de Janeiro haben die Narren das Zepter übernommen. Bei heißen Temperaturen von satt über 30 Grad lautet das Motto: Feiern bis zum Sonnenaufgang.

Samba, Sonne, Karneval: In der Stadt am Zuckerhut herrscht Ausnahmezustand. In Scharen strömen die Narren zu den „Blocos“, der brasilianischen Samba-Variante der Stadtviertelzüge. Nicht Schal, Mütze und Handschuhe sind in Rios heißem Sommer angesagt, sondern Badehose, Bikini und Sonnencreme. „Só Alegria“ (Nur Freude) heißt der Schlachtruf des Narren-Volkes, das von „König Momo“, dem Karnevals-Regenten, durch die tollen Tage geführt wird.

Der Höhepunkt des Karnevals in Rio ist das Defilee der zwölf besten Sambaschulen, die in zwei Etappen durch das 1984 nach Plänen von Oscar Niemeyer (1907-2012) erbaute Tribünenstadion Sambódromo ziehen. Jede Schule hat zwischen 65 und 82 Minuten Zeit, ihr Thema auf der rund 750 Meter langen Strecke vor etwa 80.000 Zuschauern möglichst überzeugend zu präsentieren. Monatelang proben Tänzer und Trommler für die Auftritte in beiden Nächten zum Rosenmontag und zum Karnevalsdienstag.

Jede Schule zieht im Durchschnitt mit bis zu 5000 fantasievoll kostümierten Teilnehmern, eigens komponierten Samba-Songs und riesigen Motiv-Wagen an Zuschauern und Juroren vorbei. „Unidos da Tijuca“ thematisiert in diesem Jahr unter dem Motto „Acelera, Tijuca“ (Gib' Gas Tijuca) das Leben des legendären brasilianischen Formel-1-Piloten Ayrton Senna (1960-1994). Vorjahressieger „Vila Isabel“ zeigt die Vielfalt des naturreichen Brasiliens. Das legendäre Sambódromo feiert in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag.

Doch ist das „Defilee der Großen“ eigentlich nur der offizielle Teil des närrischen Treibens. Der Straßenkarneval ist schon seit Wochen in vollem Gange und hat am vorigen Wochenende nach offiziellen Angaben fast eine Million Menschen auf die Straße gebracht. Die „Blocos“ locken mit Namen wie „Sympathia é quase Amor“ (Sympathie ist fast Liebe), „Desculpa pra beber“ (Entschuldigung fürs Trinken) oder „Aconteceu“ (Es ist passiert) durch kleine und große Viertel der Sechs-Millionen-Stadt.

Zum „Carnaval 2014“ werden wieder fast eine Million Touristen aus dem In- und Ausland in der Stadt am Zuckerhut erwartet. Die Hotellerie rechnet mit einer Auslastung von 98 Prozent. Die Zimmerpreise sind gepfeffert: Viele Hotels und Pensionen verlangen während der Karnevalstage das Zweieinhalb- bis Dreifache der normalen Preise.

In Rio steigt das Karnevals-Fieber, die Hüllen fallen

In Rio steigt das Karnevals-Fieber, die Hüllen fallen

Rio ist zweifelsfrei das karnevalistische Epizentrum Brasiliens, doch erfassen die närrischen Erschütterungen das ganze Land. Als wichtige Hochburgen gelten Salvador da Bahia und auch Recife im Nordosten des Landes. Dort lockt der traditionelle Umzug „Galo de Madrugada“ (Hahn der Morgendämmerung) jährlich rund zwei Millionen Narren und Feierwütige an, die am Karnevalssamstag ein fast zehnstündiges Musikprogramm erwartet. „Der größte Karnevalsblock der Welt“, sind sich die Veranstalter sicher.

Die heiß ersehnte fünfte Jahreszeit wollen die Brasilianer so lange wie möglich ausdehnen. Mag der Karneval andernorts am Aschermittwoch vorbei sein, in Rio wird auch nach dem Auftakt der Fastenzeit munter weiter gefeiert. Selbst am Wochenende danach dröhnen noch „Blocos“ durch die Straßen und tanzen Sambaschulen durchs Sambódromo.

dpa

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