Im Karlsruher Zoo

Eltern-Stress? Robbe flüchtet in Schwanenteich

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Die Robbe mit den süßen Knopfaugen hat es faustdick hinter den Ohren

Karlsruhe - Die ausgebüxte Seehündin Zola hält seit Wochen die Tierpfleger des Karlsruher Zoos zum Narren. Die Robbe will lieber im Schwanenteich bleiben und ist damit die große Attraktion.

Erst Alligatorschildkröte Lotti in Bayern - jetzt gibt es auch in Baden-Württemberg Wirbel um ein Tier: Seehündin Zola im Karlsruher Zoo. Vor drei Wochen ist sie aus ihrem modernen Becken in den benachbarten Schwanenweiher ausgebüxt und lässt sich nicht mehr einfangen. Mit süßer Stupsnase und entzückenden Knopfaugen hat sie durchaus Chancen, in die Riege des Eisbären Knut aufzusteigen.

Dass eine Robbe ausgebüxt ist, hat sich inzwischen rumgesprochen. Auch deshalb bilden sich vor der Kasse am Donnerstag lange Schlangen. Aber nicht jeder hat Glück. Wer etwa die Hoffnung hegt, auf einem der Schiffchen, die an einem Seil durch den See gezogen werden, dem Tier näher zu kommen, wird enttäuscht. „Wir haben alles Mögliche gesehen: Schildkröten, dicke Karpfen, aber keinen Seehund“, sagt eine Zoobesucherin nach der Fahrt.

Zola hält sich lieber in der Ecke des Sees auf, wo sie etwa 15 Meter Wiese vom Weg trennen und die Boote in sicherer Entfernung vorbeifahren. Abends allerdings, wenn die Besucher gegangen sind, schwimmt sie schon mal durch den ganzen See, wie Pflegerin Irene Schicker-Ney sagt. Gärtner haben auch beobachtet, dass sie in einem der Boote übernachtet hat.

Vom Becken bis zum See ist es nur ein Seehundsprung. Das Wasser steht im Becken fast bis zum Rand, und vom Rand ist es ein knapper Meter bis zum Boden. Von dort muss nur der Weg gekreuzt und die Böschung hinuntergerobbt werden. Das ist selbst für einen Seehund machbar, der an Land eher unbeholfen wirkt.

Warum die Robbe den Weg gewählt hat? Da gehen die Meinungen auseinander. „Wir führen ihren Ausflug ausschließlich auf Neugierde zurück“, sagt der stellvertretende Zoo-Direktor, Clemens Becker. Pflegerin Schicker-Ney deutet an, es könnte eine Pubertätsgeschichte sein: Ärger mit den Eltern. Deshalb zieht es Zola offensichtlich auch nicht zurück, wie es bei ausgebüxten Tieren sonst üblich ist.

Viele Zootiere gewöhnen sich offenbar an ihre Gehege. Abgrenzungen zu den Besuchern sind oft nur symbolisch wie schmale Wassergraben bei Dromedaren, wie der Verband Deutscher Zoodirektoren erklärt. Immer häufiger gibt es gar keine Grenzen - Raubtiere natürlich ausgenommen. Im brandenburgischen Eberswalde etwa laufen Weißbüscheläffchen frei herum und in München die Totenkopfaffen. Aktionen von Tierbefreiern sind bereits ins Leere gelaufen, wie ein Beispiel aus Bern aus dem Jahr 1985 zeigt. Dort kamen Füchse und Dachse zur Fütterungszeit freiwillig zurück.

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Auch Zola wird jeden Tag gefüttert - mit salzigen Fischen. Diese Salzzufuhr braucht sie, um die ungewohnte Umgebung im Süßwasser auszugleichen. An der Karpfenzucht im See scheint sie sich nicht zu vergreifen - zumindest nicht merklich -, und auch die Schildkröten, Enten und Schwäne lässt sie in Ruhe. Also kein Grund zur Panik. Und solange Zola frei herumschwimmt, macht sie jede Menge Werbung.

Einziges Risiko ist, dass die Seehündin ihre Scheu ablegt und zutraulicher wird. Dann könnte ein Besucher auf die Idee kommen, sie zu streicheln. „Das würde ich keinem raten“, warnt Schicker-Ney. „Durch den Verzehr von rohem Fisch hat ein Seehund viele Bakterien im Maul. Wenn er beim Zuschnappen eine Wunde hinterlässt, ist eine Blutvergiftung sehr wahrscheinlich.“

Aber noch hält sich Zola zurück. Die Pfleger lassen sich deshalb Zeit mit dem Einfangen, setzen auf Fisch statt Fischernetz. Jeden Tag locken sie das Tier ein Stück weiter an Land, um es zur Rückkehr ins Becken zu bewegen. Aber niemand kann voraussagen, ob sie dort nicht sofort wieder ausreißen würde. Wieso? Die Antwort steht auf der Infotafel am Beckenrand: „Seehunde sind Einzelgänger.“

dpa

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