Umstrittene Zerstörung

Russland verteidigt Vernichtung westlicher Lebensmittel

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Arbeiter vernichten in der Region Smolensk Tomaten.

Moskau - Der russische Verbraucherschutz hat die massenhafte Vernichtung von westlichen Lebensmitteln verteidigt. Doch selbst viele Russen schütteln darüber nur den Kopf.

Die Vernichtung der Lebensmittel entspreche weltweiter Praxis, meinte die Behördenleiterin Anna Popowa in der Zeitung "Rossijskaja Gaseta". Russland hatte am Donnerstag begonnen, Hunderte Tonnen Lebensmittel zu verbrennen, die unter ein Embargo für Essen aus der EU und den USA fallen. Am ersten Tag wurden nach Angaben der Agraraufsicht insgesamt mehr als 300 Tonnen Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Obst und Gemüse zerstört.

Popowa verwies auf den Lebensmittelkodex der Welternährungsorganisation, wonach Nahrung beim Import in ein Land mit umfassenden Informationen ausgestattet sein muss. "Sanktionierte Produkte mit Dokumenten einzuführen, die ihre Qualität und Sicherheit bestätigen, ist unmöglich“, sagte sie. Ohne Zertifikate und Papiere ins Land geschmuggeltes Essen werde vernichtet, denn es stelle eine Gesundheitsgefährdung dar, behauptete sie.

"Diese Produkte sind von höchster Qualität"

Davon sind viele Russen nicht überzeugt. Zwei Abgeordnete der oppositionellen Partei Jabloko im Stadtrat von St. Petersburg baten Kremlchef Wladimir Putin in einem Brief, den umstrittenen Erlass aufzuheben und das verbotene West-Essen an Kinder- und Altenheime zu geben. „Diese Produkte sind von höchster Qualität“, schrieben die Politiker einer Mitteilung der liberalen Partei zufolge. Einer Petition von Bürgern mit ähnlichen Forderungen schlossen sich bis zum Freitagnachmittag mehr als 310.000 Menschen an.

Scharfe Kritik kam auch aus Berlin. „Gute Lebensmittel verbrennt man nicht“, sagte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Friedrich Ostendorff den „Lübecker Nachrichten“. „Eine solche schwachsinnige Aktion auf Weisung des russischen Präsidenten kann ich nur auf das Schärfste zurückweisen.“

Die EU sagte weitere Unterstützung zu für europäische Obst- und Gemüsebauern, die vom russischen Embargo betroffen sind. Ein im vergangenen Jahr aufgelegtes Hilfsprogramm verlängerte die EU-Kommission bis Ende Juni 2016. Dies sei eine Reaktion darauf, dass Russland kürzlich sein Importverbot für Lebensmittel aus dem Westen ebenfalls verlängert habe, hieß es. Mit dem Embargo reagierte Moskau vor einem Jahr auf die westlichen Sanktionen wegen der Ukraine-Krise.

dpa

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