Keine Umstellung mehr

Russland schafft Sommerzeit ab

Russland Sommerzeit
+
Russland schafft die Sommerzeit ab.

Moskau - Mehr als drei Jahre haben die Russen dauerhaft mit der Sommerzeit gelebt. Die Initiative galt von Anfang an als unausgegoren. Von nun an soll ewige Winterzeit herrschen.

Die Russen haben die Zeitspiele des Kreml - des Machtzentrums in Moskau - schon lange satt. Als Russland vor drei Jahren die Zeitumstellung abschaffte und sich ewige Sommerzeit verordnete, fragten sich viele Bürger, ob ihr Land nicht andere Probleme habe. Experten hielten die Initiative des damaligen Kremlchefs Dmitri Medwedew, der etwa Kühen das ständige Umgewöhnen an Melkzeiten ersparen wollte, für überstürzt. An diesem Sonntag (26. Oktober) soll der Fehler korrigiert werden. Das größte Land der Erde lebt künftig dauerhaft nach der sogenannten Winterzeit.

Erstmals seit dem Frühjahr 2011 erlebt das flächenmäßig größte Land der Erde also wieder eine Zeitumstellung - und es soll, wie der Kreml versichert, das letzte Drehen am Uhrzeiger sein. Diesmal wirklich. Nach langem Hin und Her hatten die Staatsduma und Präsident Wladimir Putin im Sommer das von Anfang an umstrittene Gesetz von Medwedew, der jetzt Regierungschef ist, gekippt. Putin hatte auch im Gespräch mit Profisportlern eingeräumt, dass er wie sie im Winter zu lange brauche, um am Morgen in die Gänge zu kommen.

Experten: Sommerzeit ist Murks

Wie in Mitteleuropa werden die Uhren in Russland in der Nacht zum Sonntag um eine Stunde zurückgestellt. Die damit abgeschaffte Sommerzeit gilt als eines der wenigen konkreten Ergebnisse von Medwedews Amtszeit, stellte sich aus Sicht von Experten aber rasch als Murks heraus. Mit dieser Zeit hinkte das Land etwa zwei Stunden seiner natürlichen astronomischen Zeit hinterher, wie Forscher anmerkten.

Der Abgeordnete Sergej Kalaschnikow berief sich in der Staatsduma - dem russischen Parlament - auf Beschwerden von Bürgern, die eine Rückkehr zur Winterzeit forderten. Er zitierte auch Analysen von Ärzten, die bei vielen Russen festgestellt hätten, dass sich ihr Gesundheitszustand im Vergleich zu früheren Zeiten verschlechtert habe. Betroffen von einem gestörten Biorhythmus waren demnach vor allem Menschen in Regionen, deren Zonen stark von der astronomischen Zeit abwichen.

Für die von Medwedew beschworenen „Vorteile für Mensch und Tier“ durch eine dauerhafte Sommerzeit fehlten hingegen die Beweise. Der Politiker sah sich Vorwürfen ausgesetzt, ein ganzes Land zum Experimentierfeld gemacht zu haben. Die liberale Oppositionspartei Jabloko warf dem Juristen öffentlich „Dummheit“ vor.

Zudem ließ Medwedew in dem auf seine Größe so stolzen Riesenreich auch die Zeitzonen von elf auf neun reduzieren. Als Vorbilder für eine Zusammenlegung von Zeitzonen nannte er andere große Staaten wie China und die USA. Medwedew wollte am Ende noch mehr Zeitzonen abschaffen, um so das Zusammenwachsen der Regionen zu fördern. Doch ist auch das nun Geschichte.

Wieder elf Zeitzonen in Russland

Mit der Zeitumstellung am Sonntag erhält Russland wieder seine elf Zeitzonen zurück. Schon zu Sowjetzeiten galten die Zeitzonen als Ausdruck der Größe des Riesenreiches zwischen Ostsee und Pazifik.

Viele Russen beklagen aber auch, dass sie nun die Rechnungen für die Launen ihrer Politiker bezahlen müssen. So werden allein die Kosten für die neue Eichung von Strommessgeräten pro Haushalt mit 700 Rubel (rund 13 Euro) angegeben. Experten bezifferten die Gesamtkosten für das Land auf eine Milliarde Rubel (rund 19 Millionen Euro).

Befürworter der Winterzeit schwören aber vor allem auf ein neues Wohlgefühl. „Der negative Einfluss des kurzen Tageslichttages im Winter verringert sich“, meinte der Chef der Teilrepublik Altai, Alexander Berdnikow. Günstig für die bei Touristen beliebte Bergregion sei auch, dass sie nun zumindest zeitlich wieder näher an die Länder der Europäischen Union heranrücke.

In einer Umfrage des staatlichen Meinungsforschungsinstituts Wziom zeigte sich mehr als ein Drittel der Russen froh über die dauerhafte Winterzeit. Andere 35 Prozent der Befragten hätten sich allerdings für eine Rückkehr zu dem lange auch in Russland üblichen Wechsel zwischen Winter- und Sommerzeit ausgesprochen, hieß es.

dpa

Schlagworte zu diesem Artikel

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.