Möglicher Serienmörder aus Wiesbaden für bis zu 10 Taten verantwortlich

Sadismus und Nekrophilie: Das sagen Fachleute über Lustmörder

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Der mutmaßliche Serientäter aus dem Taunus hat möglicherweise mindestens sechs Menschen ermordet.

Wiesbaden. Wie kann ein Serienmörder jahrzehntelang unerkannt ein Doppelleben als unbescholtener Familienvater führen? Und warum tötet er? Fachleute suchen Erklärungen.

Der mutmaßliche Serienkiller aus dem Frankfurter Umland war nach Einschätzung von Kriminalisten womöglich ein sadistischer Lustmörder. Sowohl sein Doppelleben als unauffälliger, freundlicher Familienvater in einer Kleinstadt, als auch das brutale Töten bei den angenommenen zehn Fällen seien für einen Serientäter seiner Kategorie durchaus typisch, sagte Kriminalpsychologin Lydia Benecke der Deutschen Presse-Agentur. Neben Sadismus spielen nach Einschätzung der Fachleute, die an den Ermittlungen nicht selbst beteiligt waren, auch Nekrophilie und möglicherweise Kannibalismus bei den Motiven eine Rolle.

Unerkannt ein Doppelleben zu führen, sei bei "Tätern, die einerseits krasse Tötungsfantasien haben und andererseits im Stande sind, ein geordnetes Leben zu führen, eher typisch", berichtete Schriftstellerin Benecke ("Die Psychologie des Bösen"/"Sadisten - Tödliche Liebe") aus der internationalen Forschung. "Die, die planvoll vorgehen, sind häufiger in Beziehungen und haben gegebenenfalls sogar Familien."

Kriminalist und Autor Axel Petermann betont aber: "Dass jemand über drei Jahrzehnte solche Taten begeht, ohne dass das bemerkt wird und dabei die ganze Zeit noch ein Doppelleben führt, ist schon sehr selten." Ungewöhnlich sei auch, dass Manfred S. die Körperteile einer der getöteten Prostituierten mehr als zehn Jahre in der Garage aufbewahrt haben soll. "Das scheint ihm ja viel bedeutet zu haben." So sei ihm vermutlich "immer präsent gewesen, dass er derjenige war, der getötet hat, dass er die Macht hat". Der 2014 gestorbene Manfred S. könnte den Ermittlern zufolge zwischen 1971 und etwa 2004 bis zu zehn Menschen ermordet haben.

"Es passt alles in das Bild eines Lustmörders", sagt Profiler Petermann, der in Bremen bis zu seiner Pensionierung vor eineinhalb Jahren die Dienststelle "Operative Fallanalyse" leitete. Der Täter scheine beim Verstümmeln der Getöteten sadistische, nekrophile und möglicherweise auch kannibalistische sexuelle Fantasien ausgelebt zu haben.

Ob die Opfer Frauen oder Jungen, alt oder jung sind, spiele für solche Täter keine wesentliche Rolle. "Es kommt ihm nicht auf die einzelne Person an, da er sie anonymisieren dürfte", sagt der Buchautor ("Der Profiler"), der die Macher des "Tatort" aus Bremen berät. Ihm sei es vermutlich vielmehr darum gegangen, "wie die Menschen auf die Folter und Qualen reagieren, die ihnen angetan werden".

Kriminalpsychologin Benecke erklärt: "Sadismus heißt, dass man sexuell besonders erregt wird durch Leid, Schmerz und Erniedrigung des Gegenübers." Der Verdächtige sei den bisherigen Erkenntnissen zufolge sehr brutal vorgegangen und habe seine Opfer auf eine bestimmte Art hinterlassen. "Diese Drehbücher, von der Art wie der Mensch stirbt, und was man danach mit ihm macht, die findet man - gerade wenn dann die Tötung auch noch so brutal ist - eher bei sexuell sadistischen Typen."

Für das Nekrophile und Kannibalistische sprächen die Trophäen des toten Fleisches als Lustgewinn - abgetrennte Körperteile der Opfer. Sie hätten eine Art Wiedererlebenswert - wie bei normalen Menschen Urlaubs-Erinnerungen. Der Kriminalpsychologe und ehemalige Leiter der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden, Rudolf Egg, stimmte mit Blick auf die zehn Jahre in Fässern gelagerten Leichenteile zu: "Er wollte das bei sich haben, um eben diese Glücksgefühle zu verlängern."

Für das Doppelleben gibt es Benecke zufolge durchaus Analogien in der Normalpsychologie: "Es gibt ja auch normale Menschen, die eine glücklich Ehe führen und trotzdem ihre Frau betrügen." Oder: "Wenn mein Kaninchen stirbt, bin ich total traurig, aber das Kaninchen auf meinem Teller esse ich." Denn: "Wenn wir eine emotionale Bindung haben, an jemanden oder etwas, verhalten wir uns anders, als wenn wir keine Bindung haben." Aus diesen Alltagsphänomenen lasse sich ableiten, "dass diese Prinzipien bei Serientätern auch wirken, aber sehr viel krasser: Er kann seine Familie im Rahmen seiner Möglichkeiten lieb haben und trotzdem sind ihm die Opfer völlig egal." (dpa)

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