"Nicht tolerierbar"

Eklat am Bahnhof: Schaffner verbietet ihren Lesben-Kuss

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Mirjam und ihre Freundin - mit diesem Foto wurde die Online-Petition bebildert.

Paris -  Zwei Frauen, die sich küssen?„Nicht tolerierbar" meinte offenbar ein Schaffner in Paris und verbot ihnen die Geste.

Paris ist die Stadt der Liebe – aber offenbar nicht für Homosexuelle. Das dachte wohl zumindest ein Schaffner der Zuggesellschaft Thalys am Pariser Gare du Nord. Als sich ein lesbisches Paar am Bahnsteig zum Abschied küsste, schritt er angeblich ein und soll sie grob daran gehindert haben.

„Der Vorfall war demütigend“

„Es war demütigend“, beschrieb Mirjam (35) aus Amsterdam den Zwischenfall. Sie habe gerade ein romantisches Wochenende mit ihrer Freundin in Paris verbracht. Am Bahnhof wollte sie die letzten 15 Minuten, bis ihr Zug kam, nutzen, um sich richtig zu verabschieden. Sie umarmte und küsste ihre Liebste, als auf einmal laut schimpfend ein Mitarbeiter des Zugbetreibers Thalys aufgetaucht sei.

Er sagte: Das sei „nicht tolerierbar“

Das sei „nicht tolerierbar“ soll er dem verdutzten Pärchen gesagt haben. Bei einem heterosexuellen Paar sei das etwas anderes, aber bei Homosexuellen könne er das nicht zulassen.  „Ich konnte es nicht glauben“, erzählte Mirjam dem Magazin Le Nouvel Observateur. „Ich war auch geschockt, weil er, bis mein Zug abfuhr, nicht aufgehört hat, auf uns einzureden.“

Beschwerde verlief ins Nichts

Mirjam beschwerte sich bei Thalys. Das Zugunternehmen teilte ihr nur mit, man werde den Vorfall überprüfen. Wochenlang passierte dann gar nichts. Doch Mirjam wusste sich zu helfen: Die Niederländerin ist Mitglied der Organisation All Out, die sich weltweit für die Rechte von Homosexuellen einsetzt. Die starteten auf ihrer Webseite eine Onlinepetition, die Thalys dazu bringen sollte, endlich etwas zu unternehmen. In nur 24 Stunden unterzeichneten mehr als 60.000 Menschen die Petition und es wirkte: Eine Sprecherin sagte dem britischen Guardian, dass ein nicht näher genannter Mitarbeiter suspendiert worden sei – sehr wahrscheinlich der Schaffner. Für die Ausbildung seiner Mitarbeiter werde in Zukunft außerdem der Fall von Mirjam und ihrer Freundin herangezogen als Beispiel, wie Mitarbeiter auf gar keinen Fall handeln dürfen.

Thalys ist eigentlich weltoffen

Der Vorfall in Paris wäre wohl für jedes Unternehmen peinlich, doch für das internationale Bahnunternehmen mit Sitz in Brüssel steht es auch diametral entgegengesetzt zu seinen Werbemaßnahmen, die sich offen an homosexuelle Kunden richten: Thalys unterstützt Gay-Pride-Paraden und hatte 2013 sogar eine Werbekampagne mit einem schwulen Pärchen geschaltet. Diese weltoffene Ausrichtung seines Arbeitgebers hätte wohl jemand dem Schaffner erklären sollen.

Thalys warb 2013 mit einem schwulen Pärchen

LKU

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