Nach Orkantief "Xaver"

Schleswig-Holstein: Aufatmen nach der Sturmflut

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Das umgeknickte Ortschild von Schobüll an der schleswig-holsteinischen Küste - Erleichterung im Norden des Landes.

Husum - Jetzt können die Schleswig-Holsteiner endlich zur Ruhe kommen: Der Sturm ist überstanden, die Deiche haben gehalten. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag hatte Sturm "Xaver" dort getobt.

Die Schreckensnacht mit Orkantief „Xaver“ ist überstanden. Die Deiche an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste behaupteten sich gegen die Wassermassen, die „Xaver“ seit Donnerstagvormittag mitgebracht hatte. Am Freitagmorgen flaute der Sturm langsam ab, obwohl einzelne Böen Sylt und Fehmarn noch mit Tempo 126 heimsuchten.

„Jetzt können wir aufatmen“, sagte stellvertretend für tausende Insel- und Hallig-Bewohner Matthias Piepgras nach zwölf Stunden nonstop mit Windstärken 10 bis 12. Der Bürgermeister von Hallig Hooge sah das Wasser in der Nacht bedrohlich steigen. „Es gab Warften, wo nur noch 20 Zentimeter bis zur Krone fehlten.“

"Xaver" wütet länger als "Christian"

Weiter südlich im Wattenmeer, auf Süderoog, kamen auch Nele Wree (31) und ihr Partner Holger Spreer (33) gut durch die Nacht. Schlimmes ist nicht passiert auf der Mini-Hallig. Es war zwar enorm laut, wie Spreer schildert, doch nur Wellenspitzen schwappten ans Haus. Die beiden einzigen Bewohner Süderoogs hatten akribisch vorgesorgt, Sandsäcke vors Haus gepackt und Türen mit Silikon verfugt. Dann tobte „Xaver“ - wie stark, konnte auch Spreer nicht sagen: „Bei 160 hat der Windmesser aufgehört zu messen“.

Überall wurden am Freitag Vergleiche zwischen „Xaver“ und dem Vorgängertief „Christian“ angestellt, das vor fünfeinhalb Wochen im Norden gewütet hatte. „Christian“ richtete deutlich mehr Schaden an, obwohl „Xaver“ viel länger wütete. Allerdings verloren die sandigen Küsten viel Sand an das Meer - wie viel, war am Freitag noch nicht klar.

Abriss an den Dünenkanten

„"Christian" war ein 100-Meter-Sprinter und "Xaver" eher ein Marathonläufer, sagte Helgolands Bürgermeister Jörg Singer. Böen bis zu 126 km/h hatten Deutschlands einzige Hochsee-Insel erreicht, aber keine dramatischen Schäden angerichtet. „Die Lange Anna steht noch“, sagte Singer. Er sprach aber von großen Sandverlusten. Vier Meter große Abrisse an den Dünenkanten seien zu beklagen.

Mit angeblich bis zu 200 km/h war „Xaver“ angekündigt worden - doch so schlimm kam es nicht. „Das war so ein Sturm, wie ihn die Küste kennt“, befand Singer. „Es war heftig, aber nichts Weltbewegendes“, sagte Hans-Jörg Havemann aus dem Lister Fischhaus auf Sylt.

Dennoch mussten die Deiche einiges aushalten. „Gut, dass sie nicht in dem Zustand unserer Straßen und Brücken sind“, kommentierte Schleswig-Holsteins Küstenschutzminister Robert Habeck (Grüne) etwas sarkastisch. Die Deiche müssten auch in Zukunft in einem so guten Zustand gehalten werden, um sie für künftig drohende extreme Wetterlagen zu wappnen.

Mit blauem Auge davongekommen

„Das war die schwerste Sturmflut, die wir von der Dauer und vom Wasserstand her seit Jahrzehnten hatten“, sagte die Sylter Bürgermeisterin Petra Reiber. Die Promenade von Westerland wurde in der Nacht überflutet, Wellen schlugen über die Kante. In List stand der Fähranleger komplett unter Wasser. Auch in Keitum und Munkmarsch war viel Wasser aufgelaufen. „In Keitum am Grünen Kliff bauen wir so etwas wie einen provisorischen Deich“, schilderte Reiber. Das Wasser sollte nicht in die dahinter liegende Siedlung laufen.

Für eine endgültige Bewertung wollte Reiber noch das nächste Hochwasser abwarten, das aber nicht mehr mit so hoch ausfallen sollte wie das vorige in der Nacht. „Vielleicht sind wir ja mit einem blauen Auge davongekommen.“

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dpa

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