Staatsanwaltschaft ermittelt

17-Jähriger in USA erschossen: Trauer bei Verein

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Ein Transparent mit der Aufschrift "Diren R.I.P. Wir lieben dich!" wurde beim A-Jugendfußballspiel zwischen dem SC Teutonia 1910 und dem Duvenstedter SV aufgehängt.

Hamburg - Nach den tödlichen Schüssen auf einen Hamburger Gastschüler ist die Trauer groß. Bei einem Benefizspiel seines Fußballvereins fließen Tränen. Unterdessen erhält der Schütze in den USA Morddrohungen.

Von dem in den USA erschossenen Austauschschüler Diren haben am Mittwoch Freunde und sein Hamburger Fußballverein Abschied bei einem emotionalen Benefizspiel genommen. Rund 1000 Zuschauer kamen im Stadtteil Altona zusammen, um des 17-Jährigen zu gedenken, darunter seine Mutter und seine beiden Schwestern.

Der Hamburger Schüler war in der Nacht zum Sonntag im amerikanischen Missoula (Montana) getötet worden. Ein 29-Jähriger hatte ihn auf dessen Grundstück erschossen. Der Mann beruft sich auf Notwehr, die Staatsanwaltschaft wirft ihm vorsätzliche Tötung vor.

Bei dem Benefizspiel für die Familie des Opfers flossen Tränen.

Dirensehemalige Mitspieler hatten zu dem Benefizspiel aufgerufen, um die Familie zu unterstützen. Mehrere hundert Euro Spenden wurden gesammelt. Viele Gäste trugen T-Shirts mit einem Foto von Diren, zahlreiche Plakate und Bilder erinnerten an den Hobbyfußballer. Am Spielfeldrand hing ein Banner mit der Aufschrift „Unser Bruder stirbt und Amerika schaut zu“. Einige Besucher legten weinend Rosen nieder.

Auch der Leiter des Gymnasiums, auf das Diren ging, übermittelte der Familie seine Anteilnahme. Als „tollen Kerl“ habe er Diren in Erinnerung, sagte Ulf Nebe, „voller Hoffnung und besonnen“ sei er gewesen. „Dass so viele gekommen sind, zeigt, wie beliebt Diren an seiner Schule war.“

Diren soll in der Türkei beerdigt werden. Die Beisetzung des türkischstämmigen Jugendlichen sei in Bodrum im Südwesten des Landes geplant, bestätigte sein Fußballtrainer Garip Ercin entsprechende Medienberichte. „Die Stadt hat er immer so gerne gemocht.“ Vor der Beisetzung soll es nach Ercins Angaben noch eine Abschiedsfeier in Hamburg geben.

Mit einer Schweigeminute will Direns Gymnasium an Diren erinnern. Nach dem Ende der Ferien an diesem Montag sollen sich zudem mindestens vier Mitarbeiter der Beratungsstelle Gewaltprävention um die Mitschüler des 17-Jährigen kümmern. Das sagte Thomas Bressau von der Schulbehörde der Nachrichtenagentur dpa.

Todesschütze erhält Morddrohungen

Unterdessen erhält der amerikanische Todesschütze, der auf den Austauschschüler gefeuert hat, nach Angaben seines Anwalts Morddrohungen. Der 29-Jährige und seine Partnerin hätten hasserfüllte anonyme Anrufe und Facebook-Nachrichten bekommen, sagte der Strafverteidiger Paul Ryan der Nachrichtenagentur dpa. „Es ist eine sehr problematische Situation für sie. Sie verlassen ihr Haus nicht mehr. Sie machen sich Sorgen um ihr kleines Kind.“ Die Staatsanwaltschaft wirft dem Feuerwehrmann die vorsätzliche Tötung des 17-Jährigen vor.

Der Jugendliche, der im August für ein Jahr in die USA gekommen war und im Ort Missoula eine High School besuchte, soll nachts in die Garage der Familie gegangen sein. Der Hausbesitzer fühlte sich seinem Anwalt zufolge bedroht und schoss auf den Teenager. Dieser wurde am Kopf und am Arm getroffen und starb im Krankenhaus. Ein Begleiter des Jungen sei geflüchtet.

Der Tod des Schülers sei „ohne Frage tragisch“, erklärte Anwalt Ryan. Sein Mandant und dessen Partnerin, die ein zehn Monate altes Kind haben, seien erschüttert. Sie glaubten aber, dass die Schüsse gerechtfertigt gewesen seien. „Sie fühlten sich bedroht. Sie wussten nicht, was er in ihrer Garage wollte, wie er sich verhalten würde, ob er zum Beispiel Drogen genommen hatte oder ob da mehr als zwei Männer waren.“

Zwar räumt der Staat Montana für die Verteidigung des eigenen Hauses das bewaffnete Recht auf Notwehr ein. Laut Anklageschrift stellte der Mann aber potenziellen Dieben eine Falle. Die Partnerin des Schützen habe als eine Art Köder eine Handtasche mit persönlichen Gegenständen in die Garage gelegt. Trotz der Einbrüche der vergangenen Wochen ließen die beiden das Garagentor offen stehen. Einer Zeugin zufolge soll der Mann seit Nächten darauf gewartet haben, jemanden zu fassen und zu erschießen. Das Gericht setzte ihn gegen Zahlung einer Kaution von 30.000 Dollar (21.000 Euro) vorerst auf freien Fuß.

Auch die Hamburger Staatsanwaltschaft will nach den tödlichen Schüssen auf Diren ein Ermittlungsverfahren einleiten. „Wir prüfen den Sachverhalt und haben bereits die erforderlichen Unterlagen von den zuständigen amerikanischen Behörden angefordert“, sagte Sprecherin Nana Frombach der dpa. Hintergrund ist Paragraf 7 des Strafgesetzbuchs. Darin heißt es, dass das deutsche Strafrecht für Taten gilt, die im Ausland gegen einen Deutschen begangen werden.

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) bezeichnete Direns gewaltsamen Tod in den USA als „großes Unglück“. „Hamburg trauert um einen jungen Mann, der unter tragischen Umständen ums Leben kam“, erklärte Scholz. „Sein Tod macht uns traurig. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und seinen Freunden.“

dpa

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