Hinterbliebene von Urteil entsetzt

"Sewol"-Kapitän zu 36 Jahren Haft verurteilt

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Der Kapitän der "Sewol"-Fähre, Lee Joon Seok (3.v.l.) und weitere Crewmitglieder sitzen auf der Anklagebank.

Seoul - Der Kapitän der südkoreanischen Unglücksfähre „Sewol“ ist in Kwangju zu 36 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Vom Vorwurf des Mordes wurde er aber freigesprochen.

Sie gehörten zu den ersten, die das sinkende Schiff verließen und überließen damit die meisten Passagiere ihrem Schicksal: Rund sieben Monate nach dem Untergang der südkoreanischen Fähre "Sewol" und dem Verlust von mehr als 300 Menschenleben hat ein Gericht in Gwanju Kapitän Lee Jun Seok und drei weitere führende Besatzungsmitglieder am Dienstag zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Der 69-jährige Lee muss für 36 Jahre in Haft - zum Entsetzen der Hinterbliebenen wurde er aber vom Vorwurf des vorsätzlichen Totschlags freigesprochen.

Der Untergang der "Sewol" hat das Land traumatisiert. 304 Fährinsassen, darunter 250 Kinder auf einem Schulausflug, wurden laut einem Untersuchungsbericht Opfer der Profitgier des Fährbetreibers, korrupter Aufseher und der Unfähigkeit der Schiffsbesatzung. Zu diesem Schluss kamen am Ende eines fünfmonatigen Gerichtsverfahrens auch die drei Richter in Gwangju.

Das Gericht verurteilte den Kapitän wegen grober Fahrlässigkeit und Verletzung seiner Dienstpflichten. Es habe sich nicht nachweisen lassen, dass er und die anderen Angeklagten mit ihren Handlungen bewusst den Tod der Passagiere in Kauf genommen hätten, urteilte Richter Lim Joung Youb. Hätten sie sich aber zum Zeitpunkt der Katastrophe angemessen verhalten, hätten viele Leben gerettet werden können. Drei ebenfalls wegen Mordes angeklagte Besatzungsmitglieder müssen zwischen 15 und 30 Jahre in Haft, elf weitere Angeklagte erhielten Haftstrafen zwischen fünf und zehn Jahren.

Die Staatsanwaltschaft hatte für Lee die Todesstrafe und für die drei leitenden Besatzungsmitglieder lebenslänglich gefordert. Die im Gerichtssaal anwesenden Hinterbliebenen reagierten entsetzt auf den Richterspruch. "Wo bleibt die Gerechtigkeit?", schrie eine Frau. "Das ist nicht fair. Was ist mit dem Leben unserer Kinder? Die Angeklagten verdienen mehr als den Tod", schrie eine andere.

In einer vor dem Gerichtsgebäude verlesenen gemeinsamen Erklärung drängten die Hinterbliebenen der Opfer weiter auf eine Verurteilung des Kapitäns wegen Mordes. "Es ist an der Zeit für eine entschiedene Warnung an alle, die Geld vor Sicherheit stellen", hieß es in der Erklärung weiter - als die "Sewol" am 16. April mit 476 Menschen an Bord sank, war sie völlig überladen gewesen. Später stellte sich heraus, dass sich auch ohne Genehmigung umgebaut worden war.

Kapitän Lee hatte während des Prozesses schwere Fehler eingeräumt und gesagt, er habe die "Todesstrafe" verdient. Er bestritt allerdings, die Passagiere bewusst ihrem tödlichen Schicksal überlassen zu haben. "Ich war in Panik", versuchte Lee zu erklären, warum er selbst das sinkende Schiff verlassen hatte, während viele Passagiere auf Geheiß der Crew in ihren Kabinen geblieben waren.

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Im Vorfeld des Prozesses hatten Beobachter Zweifel geäußert, ob die Besatzung der "Sewol" überhaupt einen fairen Prozess bekommen würde. Die Medien hatten sie schon früh als Schuldige ausgemacht, und selbst Staatschefin Park Geun Hye sagte öffentlich, das Handeln der Angeklagten sei "gleichbedeutend mit Mord".

Die Richter in Gwangju betonten bei der Urteilsverlesung auch die Rolle des Fährbetreibers Chonghaejin Marine: "Das Unternehmen hatte systematische Schwachstellen, und die Angeklagten sollten nicht allein für das Unglück verantwortlich gemacht werden", erklärten sie. Das Gericht verwies unter anderem auf die ungenügende Ausbildung der Besatzung. In einem parallelen Prozess drohen dem Firmenchef 15 Jahre Haft.

Seoul stellt Suche nach Vermissten ein

Unterdessen gab Marineminister Lee Ju Young bekannt, dass die Suche nach den letzten neun Vermissten eingestellt worden sei. Die unsichere Lage rund um das Wrack mache weitere Sucheinsätze unmöglich. Ein Hinterbliebenvertreter dankte den Bergungstauchern unter Tränen für die vergebliche Suche, die Taucher seien "Helden".

AFP

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