New Yorker Fotoschau feiert sie

Sind rothaarige Männer schön?

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Model Eduardo Alabarse vor seinem Foto bei der Ausstellungseröffnung von "Red Hot" in der Bosi-Galerie in New York am 04.09.2014.

New York - Schön oder nicht? Rothaarige Männer haben es auf jeden Fall oft nicht leicht, Anerkennung zu finden, sagen Wissenschaftler. Eine Schau in New York zeigt die Rotschöpfe nun von einer höchst attraktiven Seite.

Als Kind wurde Kenneth Bek wegen seiner roten Haare verspottet. „Erdbeerhelm“ nannten ihn die Klassenkameraden, ein beliebtes Schimpfwort in Dänemark. An diesen Moment muss er denken, als er in New York vor einem überlebensgroßen Foto steht, das ihn lachend mit herausgestreckter Zunge zeigt. Dazu ein nackter Oberkörper, Waschbrettbauch und Sommersprossen um die Nase.

Bek ist ein Gesicht der Ausstellung „Red Hot“ über rothaarige Männer, die derzeit in der New York Bosi-Galerie zu sehen ist. Sein Konterfei strahlt von Plakaten und ist auf dem gleichnamigen Buchtitel zu sehen. „Ich hatte niemals das Gefühl, hübsch zu sein“, sagt der 21-Jährige. „Bis zu dieser Fotoaktion.“

Hinter der Kampagne steckt der Brite Thomas Knights. Der Modefotograf, selbst ein Rotschopf, wollte seinen Leidensgenossen ein neues Image verpassen. „In der Gesellschaft gelten Rothaarige noch immer als hässlich“, sagt Knights auf der Vernissage der Schau, die noch bis zum 14. September im New Yorker Szene-Viertel Lower East Side zu sehen ist. „Dieses Klischee möchte ich durchbrechen.“ „Red Hot“ solle „eine Feier der Männer mit roten Haaren“ sein.

2010 begann der Fotograf, nach passenden Models zu suchen. „Ich habe alle wichtigen Agenturen in Großbritannien angeschrieben und fast immer die Rückmeldung erhalten, dass sie keine rothaarigen Männer vertreten.“ Also macht sich der 31-Jährige selbst auf die Suche. Er fragt Freunde an oder geht auf Unbekannte mit roten Haaren zu. So fand er auch Kenneth Bek.

Der Däne jobbte als Verkäufer in einem Londoner Saftladen und wurde von Knights gefragt, ob er nicht für ihn vor der Kamera stehen wolle. Das Bild mit dem halbnackten Bek wurde ein Hit in sozialen Netzwerken. Genau das gleiche war Knights bereits mit einem Video gelungen, das rothaarige Männer zeigte.

Plötzlich meldeten sich über das Internet weitere Betroffene. So auch Brendon Connelly, rothaariges Model aus Seattle. „Mir war wichtig, die Aktion zu unterstützen“, sagt der US-Amerikaner. „Bis zu meinem 19. Lebensjahr fühlte ich mich wegen meiner Haarfarbe sehr unwohl. Deshalb wollte ich zeigen, dass man auch als Rotschopf gut aussehen kann.“

Neben Connellys Foto hängt ein Zitat. „Meine Andersartigkeit zu akzeptieren hat mir geholfen, ein mutigerer Mensch zu werden“, steht auf dem Schild. Jedes der 120 Bilder ist mit einen Spruch des Porträtierten versehen. Die meisten reden über ihre Kindheit.

„Rothaarige Jungen haben es besonders schwer“, sagt auch die Soziologin Druann Heckert, die seit den 1990er Jahren zu dem Thema forscht. „Sie werden als Clowns wahrgenommen wie die McDonald's-Figur Ronald. Sie gelten als aggressiv und wenig begehrenswert.“ Erst im Erwachsenenalter würden sie ihre Andersartigkeit akzeptieren.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass rund zwei Prozent der Bevölkerung rothaarig ist, umgerechnet 140 Millionen Menschen. In den angelsächsischen Ländern hat sich ein Wort etabliert für die Diskriminierung dieser Gruppe: „gingerism“. Einer der bekanntesten Vorfälle ereignete sich 2009. Eine Supermarktkette bot damals eine Weihnachtskarte an, auf der ein Kind mit fuchsroten Haaren auf dem Schoß des Weihnachtsmannes sitzt. Die Überschrift lautete: „Santa Claus liebt alle Kinder. Auch Rothaarige.“ Nach Protesten musste die Firma die Karte aus dem Sortiment nehmen.

„Solche Sprüche finde ich zwar verletzend, aber sie sind nicht das Schlimmste“, sagt Eduardo Alabarse aus Brasilien. „Weit schwieriger war es, dass ich als Kind keine gleich aussehenden Vorbilder hatte.“ Für Mädchen gebe es Pippi Langstrumpf, Arielle oder die Disney-Prinzessin Merida. Bei den Jungen bleibe nur Ron Weasley, der in den „Harry Potter“-Büchern allerdings auch ständig wegen seiner Haarfarbe aufgezogen werde. „Genau deshalb mache ich hier mit“, sagt der Schriftsteller Alabarse. „Ich möchte jemand sein, zu dem rothaarige Jungen aufblicken können.“

Das Image des „ginger man“ ist im Wandel, das hat auch Fotograf Knights bemerkt. Vor einiger Zeit hat er wieder bei Agenturen angefragt. „Diesmal konnte jedes Unternehmen mindestens einen Rothaarigen vorweisen.“

dpa

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