Spektakulärer Fund: Eine Robbe aus dem Urmeer

+
Der Hobbyarchäologe Uwe Havekost zeigt einen der von ihm gefundenen 11 Millionen Jahre alten Knochen und die Illustration, wie die Robbe ausgesehen haben könnte. Foto: Markus Scholz

Die Kiesgrube von Groß Pampau nördlich von Hamburg ist für Fossiliensammler im wahrsten Sinne des Wortes eine Fundgrube. Jüngster Fund ist ein etwa elf Millionen Jahre altes Robben-Skelett. Ermöglicht werden die Funde durch eine geologische Besonderheit.

Groß Pampau (dpa) - Eine Gruppe von Hobby-Paläontologen hat ein schätzungsweise elf Millionen Jahre altes Robben-Skelett in einer Kiesgrube nördlich von Hamburg ausgegraben. Der Fund in Groß Pampau sei eine kleine Sensation, sagte Grabungsleiter Gerhard Höpfner bei der Vorstellung des Fundes.

Weltweit gebe es bisher kaum vergleichbare Funde aus dieser Zeit. Seit 1984 haben die engagierten Freizeit-Forscher in der Grube bereits zehn Skelette von Walen und Haien gefunden. Die Tiere schwammen nach ihren Erkenntnisse vor rund elf Millionen Jahren in der Ur-Nordsee, die damals weite Teile Norddeutschlands bedeckte.

Stolz präsentierte das Grabungsteam um Höpfner eine nahezu komplette Hinterflosse, Wirbel, Rippen, Schädelteile, dazu Zähne und einen Oberarmknochen der Robbe, die im mittleren Miozän in der Ur-Nordsee gelebt hat. "Das Tier war etwa 1,70 Meter lang und dürfte zu einer Art gehört haben, die den heute lebenden Robben ähnelt, so aber nicht mehr vorkommt", sagte Uwe Havekost. Er hatte die ersten Knochen im Januar in der Kiesgrube entdeckt.

"Ich war wie elektrisiert, als mich da aus dem Glimmerton plötzlich ein Knochen anguckte. Beim zweiten Knochen wusste ich, dass der nicht von einem Wal stammen konnte und als ich schließlich einen Zahn fand, wusste ich, dass ich auf eine Robbe gestoßen war", schilderte Havekost den Moment der Entdeckung. Der Industriemeister für Metallbearbeitung aus Langwedel in Niedersachsen ist seit Jahren Mitglied im ehrenamtlichen Grabungsteam um Höpfner. "Ein Robbenskelett aus dem Miozän ist hundertmal seltener als ein Walskelett", sagte der pensionierte Berufsschullehrer Höpfner. 

Es ist eine geologische Besonderheit, die die Grube von Groß Pampau zur Fundgrube für Paläontologen macht. Statt in 150 Metern Tiefe liegt der ehemalige Meeresboden samt der darin eingeschlossenen Fossilien hier nur etwa 30 bis 40 Meter unter der Oberfläche. Woran das liegt, erläutert Oliver Hampe vom Berliner Museum für Naturkunde, der die Pampauer Funde wissenschaftlich betreut. "Unter der Tonschicht, in die die Tiere nach ihrem Tod eingesunken sind, liegt ein Salzstock. Der drückt die darüber liegenden Bodenschichten ganz langsam nach oben", sagte Hampe. Durch den Kiesabbau werden die über dem Ton liegenden Bodenschichten abgetragen und die Skelette werden sichtbar.

Auch Hampe bestätigt die Bedeutung der Pampauer Kiesgrube. "Groß Pampau ist eine sehr ergiebige und wissenschaftlich bedeutende Lagerstätte, die in Mitteleuropa ziemlich einmalig ist", sagte er. Wie die Funde zuvor soll auch das Robbenskelett im Lübecker Museum für Natur und Umwelt ausgestellt werden. Die Gemeinnützige Sparkassenstiftung zu Lübeck hat finanzielle Unterstützung zugesagt.

Museum für Natur und Umwelt Lübeck zu Groß Pampau

Schlagworte zu diesem Artikel

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.