Fußballfans sagen Hüpfpause zu – Warnung vor Panik

Bitte nicht hüpfen: Springen der Fußballfans ramponiert Magdeburgs Stadion

Auf und nieder, immer wider: Magdeburger FC-Fans hüpfen gern und lang. Rechts: die MDCC-Arena. Archivfotos: dpa

Magdeburg. „Liebe Fußballfans, bitte nicht auf den Rängen hüpfen!“: Mit diesem bitterernst gemeinten Appell hat die Stadt bis zuletzt versucht, dem FC Magdeburg heute eine Fußballpartie ganz ohne Publikum zu ersparen.

Heimspiel mit Hüpf-Verbot? Diese Verfügung aus dem Rathaus sei nicht durchzusetzen, meinten FC-Verantwortliche zunächst: Die Ränge der MDCC-Arena sollten beim Drittliga-Regionalderby gegen Halle also besser leer bleiben.

Ein Krisengipfel mit Oberbürgermeister Lutz Trümper brachte gestern Nachmittag doch noch die Wende: Das Derby läuft vor Zuschauern. Man habe „Signale aus der Magdeburger Fanszene, bis zum Abschluss einer nötigen Sanierung des Stadions auf das rhythmische Hüpfen zu verzichten“, so OB Trümper. Es gebe ja wohl „auch keinen einzigen Fußballfan, der sich freiwillig in Lebensgefahr begibt“. Über zusätzliche Sicherheitsabsprachen wurde Stillschweigen vereinbart.

Da ist nun Selbstdisziplin gefragt: Magdeburgs Fußballfreunde schreien, singen – und sie hüpfen zu Tausenden in langen Reihen gern und ausdauernd auf ihren Sitzen hoch und runter. „Das Hüpfen ist seit jeher Teil der Fankultur aller blau-weißen Anhänger“, heißt es im Club.

Einer gefährlichen Fankultur, wie sich jetzt herausstellte: Ungezügelte Kräfte, die das rhythmische Massenhüpfen auslöst, können die Tribünen beschädigen. Das hat sich die Stadt mit Messungen bestätigen lassen. Wenn dann erst mal Sitzschalen fliegen, seien Panikausbrüche zu befürchten, warnt Magdeburgs Rathaus.

Schon im Sommer hatten Verwaltungsmitarbeiter sorgenvoll die Stirn gerunzelt: Das Hüpfen im Großverband lasse die Tribünen bis zu drei Zentimetern schwingen, zitierte die Volksstimme Rathaus-Fachleute.Erst 2006 war das 31 Millionen Euro teure Stadion eingeweiht worden. Es sei zwar für eine Haltbarkeit von mindestens 50 Jahren konzipiert. Rein rechnerisch bleibe aber nur eine Standzeit von siebeneinhalb Jahren, wenn die FC-Fans weiter so extrem hüpften wie bisher, hieß es. Eine nachträgliche zusätzliche Sicherung des Bauwerks sei möglich, aber teuer. Sie müsste die gesamte Arena umfassen und brächte auch eine längere Sperrung das Stadions mit sich, so die Stadt damals.

Nürnberg hat’s vorgemacht: Dort schlug die Baubehörde mehrfach Alarm, weil Fans nach und nach das Stadion kaputtzuhüpfen drohten. 2008 schafften es die Nürnberger Ultras, den Oberrang mit ihrer Hüpferei zum Schwingen zu bringen. Die Nordkurve wurde umgebaut. Später war die Südkurve dran.

Im Hintergrund geht es immer auch um Geld: „Ein Geisterspiel gegen Halle sorgt beim FC Magdeburg vor allen Dingen für finanzielle Probleme. Laut MDR nimmt der FC bei einem Heimspiel zwischen 200.000 Euro und 250.000 Euro ein“, warnte das Portal Stadionwelt gestern kurz vor der Einigung. Die aktuelle Lage sei existenzbedrohend für den Club.

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