Fahndung nach Unglück

Suche nach "Sewol"-Eigner: Razzia bei Sekte

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Die "Sewol" riss hunderte Menschen in den Tod.

Seoul - Vor fast zwei Monaten ist die Fähre „Sewol“ vor der Küste Südkoreas gekentert. Fast 300 Menschen starben. Mitglieder der Eignerfamilie sind verschwunden. Nach ihnen wird noch immer gefahndet.

Yoo Byung Eun ist Unternehmer, Künstler und Oberhaupt der Familie, die die untergegangene südkoreanische Fähre „Sewol“ besitzt. In den südkoreanischen Medien wird er zudem als spiritueller Anführer einer christlichen Sekte mit Tausenden von Anhängern dargestellt und wegen seiner seltenen öffentlichen Auftritte als „Millionär ohne Gesicht“ beschrieben. Andere schreiben sogar, dass der schillernde wie rätselhafte Yoo und seine Familie über ein Milliardenvermögen verfügten. Seit Wochen steht er im Zusammenhang mit der Schiffskatastrophe auf der Liste der meistgesuchten Personen Südkoreas.

Vor fast zwei Monaten war die „Sewol“ vor der Südwestküste Südkoreas mit 476 Menschen an Bord gekentert. Etwa 300 Menschen kamen ums Leben. Die meisten Insassen waren Schüler auf einem Ausflug.

Kurz nach der Katastrophe ging es bei den Ermittlungen nicht nur um das Verhalten der Besatzungsmitglieder, sondern auch um Yoo (73) und Chonghaejin Marine. Nach Angaben der Beamten war das Schiff auf der Strecke zwischen Inchon und und der Insel Cheju im Süden regelmäßig überladen - auch an dem verhängnisvollen 16. April. Untersucht wird, ob die Firma die Geschäftsinteressen über die Sicherheit gestellt hat. Zudem werden der Familie und dem Management Steuerhinterziehung, Korruption und Untreue vorgeworfen.

Von Yoo und seinen Söhnen fehlt seit Wochen jede Spur. Zur Ergreifung Yoos wurde eine Belohnung von umgerechnet etwa 363 000 Euro ausgesetzt - genauso viel wie für nordkoreanische Spione.

Von Yoos Anwalt hieß es, dass sein Mandant mit dem Management der Reederei nichts zu tun habe. Dagegen wollen die Ermittler beweisen, dass sich Yoo über seine Söhne sehr wohl auch in das Management einmischte und von den Sicherheitsrisiken nach dem Umbau der 20 Jahre alten „Sewol“ gewusst habe.

Die beiden Söhne Yoos sollen die Reederei über ein Geflecht verschiedener Firmen kontrollieren. Nach Berichten der Zeitung „The Korea Times“ entdeckten die Staatsanwälte zudem mehr als 100 Scheinfirmen. Neben den Unternehmen gerät bei den Ermittlungen auch eine Sekte in den Blickpunkt, die Verbindungen zur „Sewol“-Eigentümerfamilie haben soll.

Die Polizei nahm bereits mehrere Mitglieder fest, sie sollen Yoo dabei geholfen haben zu verschwinden. Am Mittwoch rückten erneut Tausende von Bereitschaftspolizisten an, um das riesige Grundstück der Evangelikalen Baptisten-Kirche südlich von Seoul zu durchkämmen. Es gab fünf Festnahmen. Südkoreanische Medien spekulieren, Yoo könne sich vielleicht schon ins Ausland abgesetzt haben.

Die Kirche ging aus einer Sekte hervor, die in 60er Jahren von Yoos Schwiegervater gegründet wurde. Heute hat die Baptisten-Kirche, die auch unter dem Namen „Erlösungssekte“ bekannt ist, nach Berichten südkoreanischer Medien etwa 20.000 Anhänger.

Todesfähre "Sewol": Bilder von der Bergung der Opfer

Todesfähre: Bilder von der Bergung der Opfer

Yoos Figur bleibt mysteriös. Unter anderem benutzt er den Künstlernamen Ahae (koreanisch für kleines Kind). Auf einer Website stellt sich Ahae als Naturfotograf mit vielen Talenten dar. Er sei 1941 im japanischen Kyoto geboren, habe früh das Malen und Zeichnen für sich entdeckt, erfolgreich die Kampfsportarten Taekwondo und Judo betrieben und mit 35 Jahren sein erstes Unternehmen gegründet. Außerdem betätige er sich als Erfinder und Landwirt. Sein Gesicht bleibt auf der Website verborgen.

dpa

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