Nach Krawallen der letzten Woche

Trotz Demonstrationen: Ferguson atmet auf

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Nach nächtelangen Krawallen blieb es in den vergangenen Stunden in Ferguson ruhig.

Ferguson - Eineinhalb Wochen nach den tödlichen Schüssen auf Michael Brown kühlt die Stimmung in Ferguson endlich etwas ab. Die Polizei lobt das Verhalten - und hofft, dass es anhält.

Nach Tagen gewalttätiger Unruhen in der US-Kleinstadt Ferguson rückt nun die juristische Aufarbeitung der tödlichen Polizisten-Schüsse auf den schwarzen Jugendlichen Michael Brown in den Vordergrund. US-Justizminister Eric Holder traf am Mittwoch die Familie des getöteten 18-Jährigen und versprach eine "faire und unabhängige Untersuchung". Die Demonstrationen in Ferguson verliefen am Mittwoch weitgehend friedlich.

Bei einem Treffen mit Studenten und Einwohnern des Vorortes von St. Louis sagte Holder, er habe die "erfahrensten Ermittler und Staatsanwälte" damit beauftragt, Brows Tod zu untersuchen. "Unsere Untersuchung ist anders", entgegnete Holder auf den Vorwurf vieler Bürger, dass die Polizei den Täter aus den eigenen Reihen in Schutz nehmen werde. "Die Augen der Nation und der Welt" ruhten auf dem Ort, der mit seinen Problemen stellvertretend für viele andere US-Städte stehe.

Anklage gegen Polizisten wird geprüft

Eine sogenannte Grand Jury nahm am Mittwoch hinter verschlossenen Türen ihre Arbeit auf. Die Geschworenen sollen prüfen, ob Anklage gegen den Todesschützen erhoben wird. Diese Entscheidung könnte sich bis Mitte Oktober hinziehen, sagte Staatsanwalt Robert P. McCulloch.

Der unbewaffnete schwarze Teenager Michael Brown war am 9. August in Ferguson von einem weißen Polizisten getötet worden. Seitdem wird die Stadt von schweren Ausschreitungen erschüttert, die von der Polizei gewaltsam niedergeschlagen wurden. Das Vorgehen der Einsatzkräfte wurde heftig kritisiert, auch US-Präsident Barack Obama mahnte die Polizei zur Zurückhaltung.

Kritik kam am Donnerstag auch vom Europarat, der einen übermäßigen Gewalteinsatz der Beamten und die Festnahme mehrerer Journalisten in Ferguson rügte. Dadurch werde die Versammlungs- und Meinungsfreiheit eingeschränkt, sagte Europarat-Generalsekretär Thorbjörn Jagland.

Ferguson: Nacht ohne Gewalt

Am Mittwoch wurden in Ferguson sechs Demonstranten festgenommen. Zu gewaltsamen Ausschreitungen kam es nach Polizeiangaben nicht. In der Nacht zuvor waren noch 47 Demonstranten festgenommen worden, weil sie mit Wasser und Urin gefüllte Flaschen auf Einsatzkräfte schleuderten. Im Tagesverlauf schwächten sich die Proteste dann ab.

Nach Augenzeugenberichten kam es kurzzeitig zu Spannungen, als zwei Weiße Schilder mit Unterstüzter-Botschaften für den Polizisten hochhielten, der Brown erschossen hatte. Polizisten führten die Männer unter Pfiffen und Buhrufen weg. Am Mittwochabend führten mehrere Pastoren, ein Rabbi und ein Imam einen Protestzug von rund 100 Menschen zum Büro der Staatsanwaltschaft von St. Louis County in Clayton an.

Pastorin Heather Arcovitch verlangte, dass der Tod von Michael Brown vor Gericht aufgeklärt wird. Der Fall habe Bedeutung über die Grenzen der Kleinstadt hinaus: "Dies ist kein Problem von Ferguson. Dies ist ein amerikanisches Problem, und alle Amerikaner müssen zu dessen Lösung beitragen."

AFP/dpa

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