Unglücksfähre "Sewol"

48 Mädchenleichen in einer Kabine gefunden

Sewol
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Trauer in Südkorea.

Seoul - Nach dem Untergang der südkoreanischen Fähre „Sewol“ haben Taucher einen schrecklichen Fund gemacht. Unterdessen wird vier weiteren Crewmitgliedern Fahrlässigkeit vorgeworfen.

Am Freitag stieg die Zahl der geborgenen Todesopfer der gesunkenen südkoreanischen Fähre „Sewol“ auf mehr als 180. Taucher entdeckten laut einem CNN-Bericht in einem Raum die Leichen von 48 Mädchen. Sie alle hätten Schwimmwesten getragen, zitierte der US-Nachrichtensender am Freitag südkoreanische Offizielle. In der Kabine sei eigentlich nur Platz für 30 Passagiere gewesen. Es sei daher zu vermuten, dass viele Fahrgäste in diesen Raum gerannt seien, als das Schiff kenterte. Die Bergungsarbeiten gestalteten sich schwierig, weil die Sicht schlecht sei und herumschwimmende Gegenstände den Weg versperrten.

Noch immer galten etwa 120 Insassen als vermisst. Bei den bisherigen Tauchgängen zum Wrack wurde kein Überlebender entdeckt. 174 Menschen konnten gerettet werden.

Schlechtes Wetter erschwert Bergung

Die Küstenwache geht davon aus, dass schlechtes Wetter die Bergungsarbeiten am Wochenende weiter erschwert. Ab Samstag werde mit "deutlich schlechterem" Wetter und stärkeren Strömungen gerechnet, sagte ein Sprecher. Trotz guten Wetters und nur schwacher Strömung konnten die Taucher im Schnitt bisher nur 30 Leichen pro Tag aus dem Wrack ziehen.

Der Marineoffizier Kim Jin Hwang, der den Einsatz zur Bergung der Leichen leitete, verteidigte am Freitag seine Mitarbeiter gegen Kritik von Angehörigen. Die Bergung der Leichen aus dem Wrack sei viel schwieriger, als sie zu finden, sagte Kim.

Vier weitere Besatzungsmitglieder verhaftet

Ein Gericht in der Stadt Mokpo habe auf Antrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehle gegen die vier Crewmitglieder - darunter zwei leitende technische Offiziere - erlassen, berichtete der Rundfunksender KBS am Freitag. Die vier Crewmitglieder werden beschuldigt, ihre Verantwortungspflicht zum Schutz der Fahrgäste nicht erfüllt und damit den Tod vieler Passagiere - darunter zum größten Teil Jugendliche auf einem Schulausflug - in Kauf genommen zu haben.

Todesfähre: Bilder von der Bergung der Opfer

Todesfähre: Bilder von der Bergung der Opfer

Den Berichten zufolge wurden bislang elf Angehörige der Besatzung festgenommen, unter ihnen auch der Kapitän, die dritte Offizierin und der Steuermann. Sie sollen das sinkende Schiff mit 476 Menschen an Bord im Stich gelassen haben.

Unglücksursache weiterhin unklar

Die Unglücksursache für das Kentern des 6825-Tonnen-Schiffes vor der Südwestküste ist weiter unklar. Die Ermittler gehen menschlichem Versagen wie auch möglichen technischen Fehlern nach. Ein Grund könnte sein, dass die etwa 3500 Tonnen schwere Ladung auf der Auto- und Personenfähre nicht richtig gesichert worden sei, berichtete der staatliche Sender Arirang. Die Fahrzeuge und Container könnten verrutscht sein, so dass das Schiff in Schieflage geriet.

Hunderte Taucher suchten noch nach Vermissten. Dutzende von Angehörigen beschuldigten nach Berichten des südkoreanischen Fernsehens die Einsatzleitung, nicht alle verfügbaren Kräfte für die Bergungsaktion einzusetzen. Unter anderem verlangten sie, neben Tauchern der Küstenwache und Marine auch wieder zivile Taucher an der Suche zu beteiligen. Der Chef der Küstenwache habe zugesagt, den Forderungen nachkommen zu wollen, hieß es.

Obama bietet Hilfe an

Angesichts des schweren Fährunglücks hat US-Präsident Barack Obama Südkorea sein Mitgefühl ausgesprochen und Hilfe angeboten. Die Südkoreaner hätten einen "unglaublichen Verlust" erlitten, sagte Obama am Freitag vor einem Treffen mit Präsidentin Park Geun Hye in Seoul. Der Präsident bot dem Land Unterstützung der USA bei der Bewältigung der Katastrophe an.

Schweigend gedachten beide Staatsoberhäupter der Opfer. Als Zeichen der Solidarität überreichte Obama Park die US-Flagge, die am 16. April, dem Tag der Tragödie, über dem Weißen Haus wehte. Obama befindet sich derzeit auf einer Asien-Reise.

"So wie das amerikanische Volk es geschafft hat, nach den 9/11-Terrorattacken zusammenzustehen, so wird gewiss das koreanische Volk zusammenstehen", sagte die südkoreanische Präsidentin in Anspielung auf die Terroranschläge in den USA vom 11. September 2001.

dpa/afp

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