Polizei: Keine "Befreiung"

Verwahrloster Mann nach Jahrzehnten aus Elternhaus geholt

+
Nach einem Hinweis hatte die Polizei den Mann vom Haus der Eltern im Landkreis Bayreuth ins dortige Bezirkskrankenhaus gebracht. Foto: Patrick Seeger/Symbol

Noch ist vieles unklar, doch der Fall sorgt schon jetzt für Aufsehen. Mehrere Jahrzehnte wurde ein Mann in Bayern in seinem Elternhaus isoliert.

Bayreuth (dpa) - Ein verwahrloster 43-jähriger Mann ist in Bayern nach mehreren Jahrzehnten Isolation in seinem Elternhaus in ein Krankenhaus gebracht worden.

"Wir wissen noch nicht genau, seit wann der Mann dort ohne ständigen Kontakt zur Außenwelt war und wie konkret das aussah - ob er zum Beispiel die Möglichkeit gehabt hätte, das Anwesen zu verlassen", sagte Polizeisprecher Jürgen Stadter. Man könne aber von Isolation sprechen.

Der 43-Jährige sei verwahrlost gewesen, aber nicht unterernährt. Gegen die Eltern seien Ermittlungen wegen Körperverletzung durch Unterlassung und auch Freiheitsberaubung eingeleitet worden. Zuerst hatte der "Nordbayerische Kurier" über den Fall berichtet.

Nach einem Hinweis hatte die Polizei den Mann bereits am 21. September vom Haus der Eltern im Landkreis Bayreuth ins dortige Bezirkskrankenhaus gebracht. Von "Befreiung" wolle er aber nicht sprechen, sagte Stadter. "Vielleicht wollte der Mann das auch so." Die Polizei gehe von einer Zeit zwischen 20 und 30 Jahren aus, in denen der Mann isoliert bei seinen Eltern gelebt habe.

Zum genauen Zustand des Mannes wollte der Polizeisprecher keine Angaben machen, um die Persönlichkeitsrechte des Mannes zu wahren. Die Grundschule habe der Mann noch besucht und auch einige Zeit die Gesamtschule. "Aber irgendwann gab es dann eine Untersuchung mit dem Ergebnis, dass er nicht schulfähig sei." Damals sei der Mann etwa 13 Jahre alt gewesen, schätzte Stadter.

Gegen die Eltern seien nun Ermittlungen eingeleitet worden. Ob die Vorwürfe haltbar seien, ist aber Stadter zufolge noch nicht endgültig geklärt. Von wem der Hinweis auf die Situation des Mannes gekommen sei, könne er nicht sagen. Auch auf den Ablauf des Einsatzes in dem Haus wollte Stadter nicht näher eingehen.

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.