Arsenal bei mutmaßlichem Lieferant des Amokschützen von München gefunden

Waffengeschäfte mit 17-Jährigem aus Nordhessen über Instrumentenkoffer

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Beschlagnahmt: Die Schusswaffen wurden am Montag sichergestellt.

Marburg. Bei dem in Marburg gefassten Mann, der dem Amokschützen von München die Tatwaffe geliefert haben soll, sind noch weitere Waffen gefunden worden.

Der 31-Jährige habe die Ermittler in einer ersten Vernehmung auf eine in Köln an einer Verkehrsinsel vergrabene Kiste hingewiesen. Das teilte die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft am Mittwoch mit. In der Kiste seien eine Maschinenpistole, vier halbautomatische Pistolen und Munition gefunden worden.

Aktualisiert um 13.39 Uhr

Ausgangspunkt für das Ergreifen des mutmaßlichen Waffenlieferanten waren Ermittlungen gegen einen 62-jährigen Buchhalter aus Nordrhein-Westfalen und einen 17-jährigen Schüler aus Nordhessen, die beide in Verdacht stehen, bei dem Marburger Schusswaffen und Munition erworben zu haben.

Das Geschäft zwischen dem mutmaßlichen Waffenhändler und dem 17-Jährigen aus Nordhessen ist über Gitarrenkoffer abgewickelt worden. Dies sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Alexander Badle. Die Freundin des mutmaßlichen Waffenhändlers habe den Gitarrenkoffer mit den Waffen abgestellt - im Tausch gegen einen leeren Gitarrenkoffer. Es gebe keine Erkenntnisse, dass der Jugendliche die Waffen habe einsetzen wollen. Er habe in einem normalen sozialen Umfeld gelebt. Nähere Angaben zur Herkunft des Nordhessen machten die Ermittlungsbehörden auf Nachfrage der HNA nicht.

Die Pistole, die der mutmaßliche Waffenhändler bei seiner Festnahme in Marburg bei sich führte, war illegal. Wie der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt sagte, habe der arbeitslose Verkäufer keine waffenrechtliche Erlaubnis gehabt, die Pistole mit sich zu führen. Er habe nach ersten Erkenntnissen seinen Lebensunterhalt mit den illegalen Waffengeschäften unterhalten.

Die festgenommene Frau ist inzwischen wieder auf freiem Fuß. Es habe keine konkreten Anhaltspunkte gegeben, dass die 31 Jahre alte Lebensgefährtin des mutmaßlichen Waffenhändlers in das Waffengeschäft eingebunden war, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, Alexander Badle.

Der Amokläufer von München hat den Angaben zufolge für die Schusswaffe und Munition insgesamt 4350 Euro gezahlt. Dies sei aus den Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Waffenhändler hervorgegangen, der am Dienstag in Marburg gefasst worden war. Mit der Waffe hatte der 18-Jährige im Juli neun Menschen erschossen und sich selbst getötet.

Der Amokschütze hätte nach den tödlichen Schüssen an einem Einkaufszentrum weitere Menschen umbringen können. "Aber offensichtlich wollte er niemanden mehr töten", sagte ein Sprecher des bayerischen Landeskriminalamts (LKA) am Mittwoch.

Der Marburger sollte noch am Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt werden. Zu einem möglichen Strafmaß wollte sich die Staatsanwaltschaft mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht äußern.

Nach Einschätzung der Ermittler verlagert sich der illegale Handel mit scharfen Waffen zunehmend ins Internet. Die Täter glaubten, dort im Darknet (englisch für "dunkles Netz") anonym tätig sein zu können, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, Günter Wittig. "Der Erfolg am heutigen Tag zeigt jedoch, dass es nicht so ist", sagte er mit Blick auf die Festnahme in Marburg.

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