Um Betroffenen eine Perspektive zu geben

Waschstraße als Lebenssinn: Familienbetrieb stellt 35 Autisten ein

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Betreiben eine Waschstraße mit 35 behinderten Angestellten: Vater John, seine Söhne Andrew und Thomas (von links) und Mutter Donna D'Eri.

Parkland. Eine besondere Autowaschstraße wärmt in Amerika die Herzen: "Rising Tide Carwash" beschäftigt fast ausschließlich Menschen, die an Autismus leiden.

Eine Autowäsche ist für viele ein gewöhnlicher Termin im Kalender. Einkaufen, Haare schneiden, Auto waschen. Für 35 Angestellte einer Waschstraße in Amerika aber ist die Wäsche der Lebenssinn, für die Betreiberfamilie eine Mission.

„Rising Tide Carwash“ in der US-Stadt Parkland (Florida) hat 42 Mitarbeiter. 35 davon leiden an Autismus – eine Entwicklungsstörung, die bereits in den ersten Lebensjahren einsetzt. Das Geschäft brummt, pro Tag werden hier 350 Autos auf Hochglanz gebracht. Vormals oft sozial isoliert, bietet die Arbeit in der Waschstraße den Angestellten einen Lebenssinn, den sie konzentriert, detailversessen und begeistert verfolgen. Ein echter Wettbewerbsvorteil, sagen die Inhaber.

Das Unternehmen gehört John D’Eri und seinem Sohn Thomas und ist am 1. April 2013 gegründet worden, um ihrem Sohn und Bruder Andrew eine Perspektive zu bieten. Andrew stand damals kurz vor seinem 22. Geburtstag, einem Alter, in dem in den USA die finanzielle Unterstützung für Autisten eingestellt wird und viele in einen sozialen Abgrund fallen. 90 Prozent finden keine Anstellung.

„Dieses Schicksal wollten wir meinem Bruder ersparen“, sagt Thomas D’Eri. Der 26-Jährige mit College-Abschluss stammt aus New York und hat gemeinsam mit seinem 56-jährigen Vater eine heruntergekommene Waschstraße in Florida übernommen, um sie auf eigenes finanzielles Risiko neu aufzubauen. Staatliche Hilfe habe es nicht gegeben.

Jetzt, knapp zwei Jahre später, will die Familie expandieren und eine Zweigstelle einrichten. „Außerdem bieten wir Interessierten Schulungen, um nach unserem Konzept ähnliche Betriebe zu gründen“, sagt D’Eri. Die Gründung einer Stiftung steht ebenfalls auf dem Plan. „Wir haben harte Zeiten erlebt und wollen es anderen Familien leichter machen.“

Die Netzgemeinde sei dabei eine wertvolle Hilfe. Ein Video von Ende Januar, dass die Familie und ihre Waschstraße auf der Plattform Youtube vorstellt, ist über 500 000 mal angesehen und geteilt worden. „Das hilft uns, unsere Auffassung zu verbreiten, dass Angestellte mit Autismus ein Wettbewerbsvorteil sein können und keinesfalls ein Nachteil sein müssen“, erklärt Thomas D’Eri der HNA.

Besonders fasziniert sind die Internetnutzer von der Freude am Arbeiten, die das Video zeigt. Als Thomas D’Eri die Frage eines Angestellten, wieviele Autos der Betrieb am Wochenende wohl reinigen werde, mit „1000“ beantwortet, bricht der Mitarbeiter in Jubel aus. Möglich ist das auch deshalb, weil viele Autofahrer, die von dem Projekt begeistert sind, lange Strecken für einen Besuch bei Rising Tide Carwash zurücklegen.

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