Brennende Autos und Gefängnis-Meuterei

Wegen Streit um Beerdigung: Kleinstadt verwüstet

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Feuerwehrleute betrachten die Spuren der Randale nach einem Streit um eine Beerdigung. 

Grenoble - Gewaltausbruch nahe Grenoble: Dutzende Menschen randalieren, zünden Autos an, ein massives Polizei-Aufgebot muss anrücken. Auslöser war wohl ein Streit mit der Justiz - es ging um eine Beerdigung.

Nach den Ausschreitungen nahe Grenoble aus Wut über eine Justizentscheidung will Frankreich die Täter schnell zur Verantwortung ziehen. Sie würden „erbarmungslos gesucht und belangt“, sagte Premierminister Manuel Valls am Mittwoch in der Nationalversammlung. Dutzende Menschen hatten am Vortag in Moirans im Südosten des Landes randaliert. Sie zündeten Autos an und blockierten eine Durchgangsstraße sowie Bahngleise.

Die Randalierer wollten, dass ein Häftling für die Beerdigung seines jüngeren Bruders das Gefängnis verlassen darf. Ein Strafvollzugsrichter hatte die Ausgangserlaubnis am Dienstag verweigert, daraufhin kochte die Stimmung über. Präfekt Jean-Paul Bonnetain sprach von etwa 50 Beteiligten, verletzt wurde niemand. Etwa zur gleichen Zeit kam es im Gefängnis, in dem der Bruder eine fünfjährige Haftstrafe wegen Gewaltdelikten absitzt, zu einer Meuterei.

Justizministerin sieht dadurch die republikanische Ordnung gefährdet

Justizministerin Christiane Taubira erklärte, die Vorfälle seien unerträglich, weil sie die republikanische Ordnung gefährdeten. „Es war nicht das Ziel, dass es so weit kommt. Aber das war die einzige Möglichkeit, dass man mich anhört“, sagte dagegen die Mutter der Brüder. Sie betonte, es habe keine Gewalt gegeben, und dass die angezündeten Autos von einem Schrottplatz stammten. Sie habe darum gebeten, dass ihr Sohn mit einer Eskorte das Gefängnis verlassen könne, „wenn nötig selbst mit Kugeln am Bein“.

Die Justiz bestätigte allerdings die Entscheidung am Mittwoch und gab auch einem neuen Antrag nicht statt. „Wie kann man nicht ein Minimum an Menschlichkeit zeigen?“, kritisierte Anwalt Ronald Gallo. Die Trauerfeierlichkeiten am Nachmittag verliefen nach Berichten französische Medien ohne Zwischenfälle. Die Mutter hatte zuvor zur Ruhe aufgerufen. Die Behörden waren mit mehr als 200 Gendarmen vor Ort, um neue Zwischenfälle zu verhindern.

Die Vorfälle gingen von einer Gruppe aus, die zu den sogenannten Fahrenden („Gens du voyage“) gehört. Unter diesen Begriff fallen im französischen Recht Menschen, die dauerhaft in Wohnwagen leben.

Straßenbarrikaden und angezündete Autos - Szenen wie im Guerilla-Krieg

Nach Darstellung der Behörden hatten die Beteiligten eine Straßenbarrikade gebaut und Schrottautos sowie Paletten angezündet. Zudem seien zwei Fahrzeuge auf den Gleisen am Bahnhof in Brand gesetzt worden, erklärte Innenminister Bernard Cazeneuve. „Das ist eine Guerilla-Szene“, beschrieb ein Zeuge die Ereignisse in dem 7800-Einwohner-Ort gegenüber dem Sender France Bleu. Erst nach mehreren Stunden brachte ein massives Polizeiaufgebot die Situation unter Kontrolle.

Auch im Gefängnis im nahe gelegenen Aiton hatte sich die Lage kurz darauf wieder beruhigt. „Sie haben alles zerschlagen“, sagte ein Aufseher der Zeitung „Le Dauphiné Libéré“. „Sie haben Mülleimer in Brand gesteckt, Schlösser verstopft.“ Auch ein Cousin des Toten, der zurzeit in Untersuchungshaft sitzt, hatte keine Erlaubnis zum Besuch des Begräbnis bekommen.

Festgenommen wurde zunächst niemand. „Alle Beteiligten, deren Identität von der Untersuchung geklärt werden muss, werden sich für ihre Taten in kürzester Frist vor der Justiz verantworten müssen“, teilte Innenminister Cazeneuve mit. Die konservative Opposition nahm die Vorfälle zum Anlass, der Regierung Untätigkeit in der Sicherheitspolitik vorzuwerfen.

Brennende Autos und Gefängnis-Meuterei nach Streit um Beerdigung: Bilder

Brennende Autos und Gefängnis-Meuterei nach Streit um Beerdigung: Bilder

dpa

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