Mysteriöser Maya-Kalender

Weltuntergang: Was wirklich dahinter steckt

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Nachfahren der Maya zelebrieren am 21.12.2011 an der Pyramide in Chichén Itzá das neue Jahr nach dem Mayakalender.

Berlin - Tausende Menschen bereiten sich auf die angebliche Apokalypse am 21. Dezember vor. Doch wie kam es dazu, dass die Welt an ihr eigenes Ende glaubt? Und warum ausgerechnet an diesem Tag? 

Am 21. Dezember endet die Zeitrechnung der Maya. Nach einer wissenschaftlich nicht haltbaren Interpretation des Maya-Kalenders hört an diesem Tag die Welt auf zu existieren. Zu Ende geht aber nur ein wichtiger Zeitzyklus in diesem Kalendarium. Eine Inschrift in der Maya-Stadt Tortuguero deutet noch auf ein Ereignis hin, der Gott Bolon Yokte' K'uh soll kommen. Für einschlägige Kreise heißt das alles zusammen: Weltuntergang.

Viele Menschen horten deshalb Lebensmittel oder wollen kurz vor Heiligabend in Bunker steigen. So auch der ukrainische Student Andrej Iltschenko. „Für die Apokalypse kaufen wir Lebensmittel und Schnaps. Dann steigen wir in unseren Bunker hinunter und schließen feierlich die Luke“, berichtet der junge Mann. Mit einem „letzten Abendmahl“ in dem ehemaligen Sowjetbunker unter der Erde wollen mehrere Menschen am 21. Dezember auf das Ende der Welt anstoßen.

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Vor allem bei den traditionell stark abergläubigen Ukrainern und Russen lösen die sich häufenden Medienmeldungen über den angeblichen Weltuntergang große Angst aus - etwa in der russischen Kleinstadt Omutninsk. Dort kauften die Einwohner nach einem Bericht in der Lokalzeitung zu „konjez sweta“, wie der Weltuntergang auf Russisch heißt, in Panik die Geschäfte leer. Die Redakteure hatten vergessen, den Artikel als Scherz zu kennzeichnen.

Unterdessen machen findige Geschäftsleute mit der aufkommenden Weltuntergangsangst längst Profite. In der sibirischen Großstadt Tomsk bietet ein Unternehmen „Notfallsets“ an. Für umgerechnet 22 Euro gibt es haltbare Lebensmittel, Kerzen, Streichhölzer und Seife, aber auch Spielanweisungen. In Russland erfreuen sich Plätze in unterirdischen Bunkern ebenfalls großer Beliebtheit.

Dabei war bei den Maya von einem Weltuntergang nie die Rede. Nach der Vorstellung des Maya-Volkes geht die Zeit einfach weiter - auch wenn der Kalender aufhört. Denn am 21. Dezember endet lediglich eine Periode des Maya- Kalenders. Die Maya hatten eine zyklische Vorstellung von Zeit.

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Ihr Kalender ist dementsprechend ein umfassendes System, das sich aus eng miteinander verbundenen Zyklen zusammensetzt. Sehr wichtig ist die „Larga Cuenta“ (Langzeitrechnung). „Sie ist wie eine Zeitautobahn, deren Verlauf sich aus Zyklen zusammensetzt und die nie endet“, schrieb einmal der mexikanische Wissenschaftler Guillermo Bernal. Dieses System berechnet die Zeiten von einem Punkt null. Die Maya glaubten aufgrund der Beobachtungen der Geschehnisse am Himmel, dass eine kosmische Zeit zu Ende ging und eine neue begann.

In ihrer „Langen Zählung“ endet 2012 ein Zyklus von 13 Einheiten mit je 400 Jahren. Die gegenwärtige Zeitrechnung begann 3113 v. Chr., andere Forscher gehen von 3114 aus. Im Dezember 2012 enden nach 5200 Maya-Jahren diese Zyklen und man kehrt zum Ausgangsdatum 13.0.0.0.0 zurück.

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Rechtzeitig vor dem Beginn des neuen Zeitalters nach dem Maya- Kalender haben die Wissenschaftler deshalb damit begonnen, das Relief „Die vier kosmischen Zeitalter“ in der mexikanischen Pyramidenstadt Toniná, einer der bedeutensten Hinterlassenschaften der Maya, zu restaurieren. Auf einem 16 Meter langen und vier Meter hohen Stuckrelief auf haben die Maya die vier Zeitrechnungen abgebildet. Die dritte von ihnen endet demnach am 21. Dezember 2012.

„Die beiden ersten Zeitalter waren der Sonne und der zweiköpfigen Schlange, die Venus symbolisiert, gewidmet“, sagt der Archäologe Juan Yadeun, der seit 20 Jahren die Ausgrabungen in Toniná leitet. „Heute befinden wir uns in der dritten Ära. Und am 21. Dezember beginnt die vierte. In keiner Weise suggerierten die Maya das Ende der Welt, sondern das Ende der einen Periode und den Übergang zur nächsten.“

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Trotzdem haben Weltuntergang-Sekten Hochkonjunktur. Erst im Oktober dieses Jahres lieferten sich beispielsweise Mitglieder der Weltuntergangssekte „Akademie für zukünftige Gesundheit“ in der Dominikanischen Repubulik ein Feuergefecht mit Polizisten. Die Beamten des Karibik-Staates waren zu einer Razzia im Sektencamp angerückt. Der deutsche Sektenchef Peter Brunck und zwei seiner Anhänger landeten in U-Haft.

Im März 2000 verbrannten sich in Uganda bis zu 1000 Menschen im religiösen Wahn. Es war der möglicherweise größte Massenselbstmord der Geschichte. Die Anhänger der „Bewegung für die Wiedereinsetzung der Zehn Gebote Gottes“ hatten sich im Ort Kanungu nach stundenlangem Singen in einer Kirche mit Benzin übergossen und angezündet. Ihr Anführer Joseph Kibwetere hatte den Weltuntergang für den 31. Dezember 1999 vorhergesagt, den Termin später aber verschoben.

dpa

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