Untersuchung

WHO: Mehr als 20.000 Ebola-Infizierte bis November

Ebola
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Helfer tragen in der liberianischen Hauptstadt Monrovia die Leiche eines Ebola-Toten.

Genf - Ebola sucht Teile Westafrikas heim. Die Zahl der Infizierten steigt ständig. Laut neuen WHO-Zahlen soll die Situation noch weitaus dramatischer werden.

Die Ebola-Krise in Westafrika wird sich Studien zufolge in den nächsten Wochen weiter drastisch ausweiten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO rechnet bis Anfang November mit mehr als 20 000 Ebola-Fällen. Die US-Seuchenkontrollbehörde CDC geht sogar inklusive der vermuteten Dunkelziffer von 21 000 Ebola-Fällen bereits bis Ende September aus - allein in den am schwersten betroffenen Ländern Sierra Leone und Liberia. Bis Januar wären dort sogar 1,4 Millionen Erkrankungen möglich gewesen. Diese Berechnung beziehe sich allerdings ausdrücklich auf Daten vom August, die laufende Hilfsmaßnahmen nicht einrechneten, teilte die CDC mit.

Die Vorbereitungen für die Hilfsmaßnahmen aus Deutschland laufen nach Bewertung des Verteidigungsministeriums unterdessen gut an: Schon in den ersten 24 Stunden haben sich rund 500 Interessenten für den Einsatz in Westafrika gemeldet. „Das ist ein großartiges Zeichen der Hilfsbereitschaft. Darauf kann Deutschland stolz sein“, sagte von der Leyen der „Bild“-Zeitung (Mittwoch). „Die Telefone stehen nicht still“, sagte eine Sprecherin. Nun müssten die einzelnen Bewerbungen ausgewertet werden.

Für die neue Studie der WHO haben die Wissenschaftler die Daten seit dem Ausbruch im vergangenen Dezember analysiert. Dabei gewannen sie auch Erkenntnisse darüber, wie viele Erkrankte an dem Virus sterben. „Die Analyse zeigt, dass bis zum 14. September 70,8 Prozent der Patienten mit eindeutigen Befunden gestorben sind“, sagte Christopher Dye, WHO-Strategiedirektor und Co-Autor. Diese Quote sei in Guinea, Liberia und Sierra Leone gleich. Die Untersuchung wurde am Dienstag im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht.

Niedriger habe die Rate der Todesfälle gelegen, wenn man nur die Patienten in Krankenhäusern betrachte. Dies stütze die Annahme, dass die schnelle Behandlung von Patienten einen Unterschied mache, heißt es in der Studie. Jüngsten WHO-Daten für Westafrika gehen von 5762 registrierten Ebola-Patienten und 2793 Toten durch das Virus bis 18. September aus.

Die weite Verbreitung der Krankheit liegt nach Ansicht der Forscher nicht primär an der biologischen Beschaffenheit des Virus. Stattdessen sei dafür der enge und grenzüberschreitende Austausch der Menschen in den am härtesten betroffenen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone sowie der schlechte Zustand der Gesundheitssysteme verantwortlich.

Von der Leyen hatte am Montag Soldaten und Zivilisten der Bundeswehr gebeten, sich in dem westafrikanischen Krisengebiet am Kampf gegen die Ebola-Epidemie zu beteiligen. Die Helfer sollen in einem speziellen Lehrgang für den Kriseneinsatz ausgebildet werden. Im Kampf gegen die Epidemie könnte es dabei zu einer engen Zusammenarbeit zwischen Bundesregierung mit den US-Streitkräften kommen: „Die Kooperation mit unseren deutschen Partnern ist aber noch in einer sehr frühen Planungsphase“, sagte Benjamin Benson, Sprecher des US-Kommandos für Afrika (Africom) in Stuttgart und bestätigte damit Medienberichte.

Erste Entwarnung scheint es bei der Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo zu geben. Nach Behördenangaben sei die Situation unter Kontrolle. Ministerpräsident Augustin Matata Ponyo hatte am Montag über den Kurznachrichtendienst Twitter mitgeteilt, dass die Seuche „fast vorbei“ sei und seit zehn Tagen keine Neuinfektionen mehr bekanntgeworden seien. Die Seuche in dem Land hat keine Verbindung zu der Epidemie in Westafrika. Hier hat die WHO bis 18. September 71 Fälle und davon 40 Tote registriert.

Bilder: Ebola-Patient aus Afrika kommt in Hamburg an

Bilder: Ebola-Patient aus Afrika kommt in Hamburg an

dpa

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