Helfer befürchten Rückschläge

Zahl der Ebola-Toten steigt, Entwarnung in Paris

+
Der Ebola-Impfstoff mit der Fachbezeichnung „cAd3-EBO-Z“ wird jetzt auch an Freiwilligen in Mali getestet.

Genf/Leipzig/Madrid - Der Zustand der Ebola-Patienten in Leipzig und Madrid ist unverändert. Die Zahl der Toten in Westafrika steigt und steigt. Einige Flughäfen führen Kontrollen ein.  

Der Gesundheitszustand des aus Liberia eingeflogenen Ebola-Patienten im Leipziger Klinikum St. Georg war am Freitag unverändert. Es gelte der Stand vom Vortag, hieß es am Freitagmorgen. Die Ärzte hatten den Zustand des 56 Jahre alten UN-Mitarbeiters bei dessen Eintreffen als „hochgradig kritisch, wenngleich stabil“ bezeichnet. Der Mann war am Donnerstagmorgen in Leipzig eingetroffen und wird seitdem auf einer Sonderisolierstation behandelt.

In Spanien wurde bei der Behandlung einer an Ebola erkrankten Pflegehelferin erstmals das Medikament „ZMapp“ eingesetzt. Eine Lieferung des experimentellen Mittels, dessen Vorräte als weitgehend erschöpft galten, sei aus Belgien gekommen, berichtete der staatliche Fernsehsender RTVE unter Berufung auf Krankenhaussprecher. Der Zustand der 44-jährigen Patientin sei am Freitag nach der gravierenden Verschlechterung vom Vortag stabil, hieß es. Sie hatte sich bei der Behandlung eines aus Westafrika ausgeflogenen Ebola-Kranken mit dem gefährlichen Virus infiziert. Dies war die erste Ebola-Infektion von Mensch zu Mensch in Europa.

Zahl der Opfer in Westafrika steigt

Die Zahl der registrierten Ebola-Opfer in Westafrika ist auf mehr als 4000 gestiegen. Die drei am stärksten betroffenen Länder Guinea, Liberia und Sierra Leone meldeten bisher insgesamt 4024 Tote und 8376 Erkrankte, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Freitag in Genf mitteilte. Besonders dramatisch ist die Situation weiter in Liberia. Mehr als die Hälfte aller Opfer wurden dort verzeichnet. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.

In Guinea gibt es beim Kampf gegen die Seuche nach Auskunft der Organisation Ärzte ohne Grenzen Rückschläge. Vor einigen Wochen habe es zunächst Anzeichen für einen langsamen Rückgang der Neuinfektionen gegeben, der Hoffnungen auf ein absehbares Ende der Epidemie weckte. Doch derzeit erlebe die Hauptstadt Conakry wieder einen starken Anstieg von Ebola-Fällen, erklärte die Organisation. In dem Land begann im Dezember der bislang folgenschwerste Ebola-Ausbruch.

EU richtet Luftbrücke in Ebola-gebiete ein

Die Europäische Union hat eine Luftbrücke in die von der Ebola-Epidemie betroffenen Staaten in Westafrika eingerichtet. Wie ein Kommissionssprecher in Brüssel bestätigte, begann die neue Hilfsaktion am Freitag. Sie sieht Flüge nach Sierra Leone, Liberia und Guinea vor. Die erste Boeing 747 sollte rund 100 Tonnen Hilfsgüter von Amsterdam in die sierra-leonische Hauptstadt Freetown bringen. Seit Ausbruch der Ebola-Epidemie in Westafrika hat die EU-Kommission nach eigenen Angaben bereits rund 180 Millionen Euro zur Unterstützung der betroffenen Staaten bereitgestellt.

Keine speziellen Kontrollen an deutschen Flughäfen

Ebola-Kontrollen wie sie die Londoner Flughäfen Heathrow und Gatwick oder mancherorts die USA vorsehen, sind in Deutschland vorerst nicht geplant. Das Screening in London betrifft nur Reisende, die aus von Ebola betroffenen Ländern kommen. Die Passagiere sollen nach ihren Reisedaten und Kontakten sowie nach weiteren Reiseplänen befragt werden. Es gibt jedoch keine Direktflüge aus den Ebola-Regionen nach London.

Selbst am größten deutschen Flughafen in Frankfurt müssen sich Passagiere nicht auf erhöhte Sicherheitsmaßnahmen einstellen. Nach den WHO-Empfehlungen gebe es keinen Handlungsbedarf, sagte Udo Götsch vom Frankfurter Gesundheitsamt.

Auch in Frankfurt kämen keine Direktflüge aus den stark betroffenen Ländern Guinea, Liberia oder Sierra Leone an. Spezielle Vorschriften wegen Ebola oder veränderte Abläufe gebe es weder für das Flughafenpersonal noch für die Reinigungskräfte, sagte ein Flughafen-Sprecher. Am New Yorker Flughafen LaGuardia hatten Putzleute aus Angst vor Ebola die Arbeit niedergelegt und sich geweigert, Maschinen sauberzumachen, obwohl auch dort keine Direktflüge aus Afrika eintreffen. Diese Probleme gebe es in Frankfurt nicht, sagte der Sprecher.

Auch die Flughäfen in München, Hamburg und Düsseldorf haben keine Direktflüge aus den drei am schwersten betroffenen Ländern. Daher gibt es bei ihnen auch keine besonderen Kontrollen. Die Flughäfen haben jedoch generell spezielle Vorgaben für gefährliche Infektionsfälle.

Tests mit Ebola-Impfstoff jetzt auch in Afrika

Neben der klinischen Erprobung eines Ebola-Impfstoffs in den USA und Großbritannien begannen auch in Afrika entsprechende Tests. Drei Mitarbeiter des Gesundheitswesens von Mali waren die ersten Afrikaner, denen das in Amerika entwickelten Serum verabreicht wurde. Vorläufige Erkenntnisse zur Wirkung und Sicherheit des Mittels mit der Fachbezeichnung „cAd3-EBO-Z“ könnten Ende November vorliegen, sagte Samba Sow, der Leiter des Zentrums für Impfstoffe in Bamako, der Hauptstadt von Mali, der Nachrichtenagentur dpa. Insgesamt hätten sich in Mali 40 Freiwillige zur Verfügung gestellt. Auch in dem westafrikanischen Kleinstaat Gambia seien Testreihen geplant. In diesen beiden Ländern gab es bislang keine Ebola-Fälle.

Ebola-Verdacht in Paris nicht bestätigt

Der Ebola-Verdacht bei einer Frau in Paris ist ausgeräumt: Gesundheitsministerin Marisol Touraine gab am Freitag in der französischen Hauptstadt bekannt, dass sich der Verdacht nicht bestätigt habe. Es gebe in Frankreich derzeit "keinen Ebola-Fall", hob die Ministerin hervor.

Eine Frau war in die Klinik Bichat in Paris wegen Ebola-Verdachts gebracht worden. Der Sender Europe 1 hatte gemeldet, dass sie "mit dem Virus in Afrika infiziert" worden sein könnte. Es wurden sofort Tests in die Wege geleitet.

Frankreichs Premierminister Manuel Valls warnte am Freitag vor "Panik" wegen Ebola in Frankreich. Er wandte sich mit seiner Aussage direkt an Behörden und an die Medien. Diese sollten "vorsichtig" sein, sagte er im südfranzösischen Toulouse.

Im Großraum Paris hatten drei Familien vor wenigen Tagen ihre Kinder aus der Schule genommen, weil dort Kinder aus dem westafrikanischen Guinea waren. Zudem war das Gebäude einer Gesundheitsbehörde am Donnerstag wegen eines Ebola-Alarms abgeriegelt worden, der sich schnell als falsch herausstellte.

Auch Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy rief zur Ruhe auf. Nach einem Gespräch mit den Ärzten der in Madrid erkrankten Pflegehelferin beteuerte Rajoy unter Berufung auf die WHO, das Risiko einer Ausbreitung des Virus sei „sehr niedrig“. Medien hatten vor einer rapide wachsenden Angst und Unsicherheit bei der Bevölkerung in Spanien berichtet.

dpa

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.