In Vergessenheit geratener Zimmermanns-Brauch lebte bei Feier in Einbeck auf

Freispruch mit Klatsch

Schwungvoll: Der alte Handwerksbrauch des Zimmermannsklatsch, aufgeführt von den frisch gebackenen Gesellen der Baubereiche und von ihren Ausbildern.
+
Schwungvoll: Der alte Handwerksbrauch des Zimmermannsklatsch, aufgeführt von den frisch gebackenen Gesellen der Baubereiche und von ihren Ausbildern.

Die Zimmermanns-, Dachdecker- und Maurergesellen ließen zusammen mit ihren Ausbildern bei der Sommerfreisprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft Northeim-Einbeck am Mittwochabend in den Berufsbildenden Schulen in Einbeck einen fast schon in Vergessenheit geratenen Handwerksbrauch wieder aufleben.

Sie führten gemeinsam einen so genannten Zimmermannsklatsch auf.

Bei dieser alten Tradition stehen sich die Gesellen in einer Reihe gegenüber und schlagen im Takt zum Gesang in genau vorgegebener Reihenfolge auf Oberschenkel, Hüften und klatschen gegeneinander in die Hände. Die Zuhörer in der bis auf den letzten Platz gefüllten Mensa waren von der schwungvollen und fröhlichen Vorführung so begeistert, dass sie sofort eine Zugabe einforderten und auch bekamen. Und Kreishandwerksmeister Hermann-Josef Hupe ließ es sich nicht nehmen, danach mit den stolzen Handwerkern mit einem Glas Bier anzustoßen. Der leere Bier-Stiefel stand schließlich nicht umsonst zwischen den Gesellen.

Dass ohne Fließ kein Preis zu gewinnen ist, zeigte das diesjährige Prüfungsergebnis. Von den 108 Lehrlingen aus elf Innungen erreichten 91 Prüflinge ihr Ziel: den begehrten Gesellenbrief. Das ist eine Quote von 85 Prozent.

Sieben Gesellen dürfen sich darüber freuen, dass sie als Innungs- beziehungsweise Prüfungsbeste abgeschnitten haben.

Innungsbeste sind Maurer Michael Pasch (Northeim, Ausbildungsbetrieb Schönhütte, Northeim), Dachdecker Daniel Rimrodt (Einbeck, Dachdeckermeister Markus Stahlmann Einbeck), Elektroniker Pierre Merkel (Kalefeld, Elektroinstallateurmeister Wolfgang Johanns, Einbeck), Maler und Lackierer Jendrik Lucht (Einbeck, Maler- und Lackierermeister Frank Nehrkorn, Bad Gandersheim) und Zimmerer Karsten Ambrosy (Einbeck, Holzbau Langheim, Kreiensen). Prüfungsbeste sind Dachdecker Kevin Eisler (Kalefeld, Dachdeckermeister Main Müller, Seesen) und Kraftfahrzeugmechatroniker der Fachrichtung Personenkraftwagentechnik Robert Pfützenreuter (Niederorschel, Pema Herzberg). Die beiden Prüfungsbesten haben die Möglichkeit, an den praktischen Leistungswettbewerben der Handwerksjugend bis zur internationalen Ebene teilzunehmen.

Die Einbecker Bürgermeisterin, Dr. Sabine Michalek, forderte in ihrem Festvortrag die Politik auf, die Rahmenbedingungen für die „alternativlose“ soziale Marktwirtschaft zu wahren: Leistung müsse sich auszahlen, Leistungsverweigerung dürfe sich nicht auszahlen und der zur Leistung Unvermögende müsse geschützt werden. (zhp)