Fragen und Antworten zur neuen Mine in Kanada

K+S-Mine in Kanada - die Zukunft liegt in der Prärie

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Auf der grünen Wiese: Die Legacy-Mine von K+S ist in der flachen Landschaft Saskatchewans weithin sichtbar. Das Bild zeigt von links die Aufbereitungsfabrik, die Förderbänder (Mitte) und die riesige Lagerhalle. Der Turm dahinter gehört zur Verladeanlage. Der Dünger wird per Bahn abtransportiert.

Der Kasseler Düngemittelkonzern K+S hat am Dienstag sein Legacy-Werk in Kanada in Betrieb genommen. Wir beantworten Fragen rund um das drei-Milliarden-Euro-Projekt.

K+S betritt mit seinem Projekt Legacy (Vermächtnis) Neuland. Welche Vorteile hat der Solungsbergbau?

Im Unterschied zum traditionellen Bergbau kommt das sogenannte Solution Mining mit viel weniger Personal aus: Die Legacy-Anlage soll 2,8 Millionen Tonnen Kalidünger pro Jahr produzieren - mit 450 Mitarbeitern. Zum Vergleich: Das Verbundwerk Werra hat einen Ausstoß von 3,2 Mio. Tonnen bei 4400 Mitarbeitern. Obwohl für das Pumpen viel Energie benötig wird, kann die Tonne Kalidünger günstiger abgebaut werden.

Warum wird Kali im Werratal nicht so gefördert?

Dafür sind die Voraussetzungen zu verschieden. Im Werratal ist der Kaliflöz nur drei Meter dick. Die KaliSchicht Esterhazy in Saskatchewan, wo 60 Prozent der Weltreserven liegen, hat einen höheren Kaligehalt und ist so mächtig, dass jede der 63 Kavernen, in denen der Rohstoff ausgewaschen wird, die Größe der Allianz-Arena München hat. Außerdem werden riesige Mengen an Frischwasser für das Verfahren benötigt.

Gibt es Bedenken wegen der Umwelt?

Darin kristallisiert das Kaliumchlorid aus: Einer dieser Prozessbehälter stürzte im Juli aus seiner Verankerung. Die Ursache ist noch nicht endgültig geklärt.

Großen Widerstand hat es gegen Legacy nicht gegeben, sagt Rodney Audette, Bürgermeister der 450-Einwohner-Flächengemeinde Dufferin, auf deren Gebiet K+S baut. Allerdings äußerten Landwirte und Einwohner Sorgen, wie sich der hohe Wasserverbrauch bei einer längeren Dürre auf ihre Versorgung auswirkt. Denn aus dem Buffalo Pound Lake, aus dem K+S sein Frischwasser holt, beziehen auch die Städte Regina und Moose Jaw ihr Trinkwasser. Diese Fragen habe K+S aber überzeugend beantwortet, sagt Audette.

Was geschieht mit dem Abfall der Produktion?

Die festen Abfälle kommen auf die Halde. Alle flüssigen Abfälle werden in den Untergrund verpresst, denn die Einleitung in einen Fluss ist verboten. Sorgen wegen des Grundwassers gibt es aber nicht: Die Deadwood Sandsteinformation, in die das Salzwasser gepumpt wird, liegt in etwa 2000 Metern Tiefe - unter dem Kaliflöz und weit weg vom Grundwasser.

Die Marktpreise für Kali sind im Keller. Warum lohnt sich Legacy?

K+S erhöht mit der Mine seine Produktionskapazitäten für Kali- und Magnesiumprodukte von sieben auf fast zehn Millionen Tonnen im Jahr. Die Tonne Kalidünger wird dann im Schnitt deutlich günstiger produziert. Das soll laut Vorstandschef Norbert Steiner auch die deutschen Werke entlasten, deren Kalireserven in diesem Jahrhundert zur Neige gehen. Zudem ist K+S das einzige Unternehmen, das künftig auf zwei Kontinenten produziert. Die Verschiffung von Vancouver nach Asien und Südamerika wird neue Märkte erschließen.

Mitte Juli gab es einen Unfall auf der Baustelle. Was sind die Folgen?

Verletzt wurde niemand, aber der Prozessbehälter ist ein Totalschaden. Er muss demontiert und ersetzt werden. Der Start der Produktion, die für Ende des Jahres geplant war, verzögert sich bis zum zweiten Quartal 2017.

Wie schätzen Börsenanalysten Legacy ein?

Viele sind noch skeptisch und sehen die Mine wegen der Marktlage und der Produktionsverzögerung eher als Problem. Credit-Suisse-Analyst Chris Counihan empfiehlt aktuell weiter, K+S-Aktien zu verkaufen. Marc Gabriel vom Düsseldorfer Bankhaus Lampe hingegen bewertet die Inbetriebnahme von Legacy zusammen mit der Berufung von Finanzvorstand Burkhard Lohr zum neuen Vorstandschef als „Hoffnungsschimmer“, dass sich die Aktie erholt. Sie beendete gestern den Handel praktisch unverändert mit 18,10 Euro.

Ist K+S als ausländische Firma in Kanada willkommen?

Rodney E. Audette

Der Konzern hat sich offenbar gut in die Region integriert. K+S sponsort Vereine, unterhält enge Beziehungen zu den kanadischen Ureinwohnern und hat in der Planungsphase Transparenz bewiesen. „Das war ein phantastischer Start“, lobt Bürgermeister Audette. Es kann auch anders gehen: Die chinesische Firma Yancoal will weiter östlich eine ähnliche Mine bauen. Im Genehmigungsverfahren, das für K+S reibungslos verlief, gab es gegen Yancoal 800 öffentliche Einwände - laut Audette wegen der zurückhaltenden Informationspolitik.

Solungsbergbau

Bei Legacy wird das Kaliumchlorid im Solungsbergbau gewonnen: Süßwasser wird in 1500 Meter Tiefe gepumpt, wo es das Kaliumchlorid auswäscht. Über eine zweite Leitung kommt die Lösung an die Oberfläche und wird in der Fabrik verarbeitet. Bergleute müssen nicht einfahren. K+S nutzt das Verfahren schon in Salzminen im Kalibergbau ist es für den Konzern ein Novum.

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