Standort Baunatal macht sich mit Innovationen im Leichtbau fit für die Zukunft

VW-Werk will CO2 sparen

VW-Werk setzt auf Leichtbau: Eine neue Magnesiumlegierung präsentierte Ligia Nascimento Silva Ferri dem VV-Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn, der die Mitarbeiter des Kasseler Werks für ihre Innovationen lobte, Foto: Volkswagen

Baunatal. Erst Doppelkupplungsgetriebe, dann Formhärten im Karosseriebau und nun Leichtbau – das VW-Werk Kassel in Baunatal treibt seit Jahren Innovationen im Autobau voran.

Entsprechend positiv fiel am Freitag das Fazit des VW-Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn aus: „Die Kompetenz des Werkes ist hervorragend.“

Winterkorn war mit etlichen Vorständen von Wolfsburg nach Baunatal zum Symposium gekommen, wo Standort-Mitarbeiter auf einem Projektmarkt die Innovationen des Werkes vorstellten. Leichtbau und CO2-Einsparungen standen dabei im Mittelpunkt. Bis 2020 soll der CO2-Flottenwert bei 95 Gramm pro Kilometer liegen. 2011 waren es 137 Gramm. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt der Konzern auch auf e-Antriebe und Hybridgetriebe aus Kassel.

Dafür steckt der Autobauer in den kommenden fünf Jahren 1,8 Milliarden Euro in das Werk – in Innovationen und Erweiterungen der Kapazitäten. Im vergangenen Jahr fertigte der Standort gut vier Millionen Getriebe. In den kommenden 24 Monaten werden davon 480 Millionen Euro je zu Hälfe in die Erweiterung der Getriebefertigung und die Modernisierung einer Halle gesteckt, die zum Antriebsforum umgebaut wird. Neben der e-Traktion für den Kleinwagen e-up, die ab Mitte des Jahres vom Band laufen soll, wird dort auch das Hybridgetriebe DQ 400e (für Passat, Audi A3) gefertigt.

Beispiele für Innovationen: Die Werkstoffwissenschaftlerin Ligia Nascimento Silva Ferri stellte eine neuartige Magnesiumlegierung vor. Dafür werden Magnesiumblech und ein Rahmen aus Magnesiumguss zu einer wirtschaftlichen Leichtbaustruktur kombiniert. Eingesetzt werden derartige Bauteile bei den Rückwänden von Rücksitzen. Bislang hieß es stets, das leichte Magnesium sei zu teuer. Mit der Kombination sinken die Kosten aber erheblich. Damit sind diese Bauteile nicht nur für die Fahrzeuge der Oberklasse interessant, sondern zunehmend auch für Mittelklassewagen. Der Autofahrer profitiert von einem geringeren Kraftstoffverbrauch. Zur Höhe der Ersparnis schweigt der Konzern jedoch.

Um in der Produktion Geld zu sparen, entwickelte Mathias Gerhold aus der Getriebeentwicklung eine Nachverstromungsanlage: Dabei wird die in der Fertigung anfallende Abwärme zur Stromerzeugung genutzt. Auf diese Weise spart das Werk jährlich mehrere Hunderttausend Euro sowie über 1000 Tonnen CO2 ein.

„Mit den Innovationen blickt der Standort zuversichtlich in die Zukunft“, lobte Winterkorn. Am Standort Baunatal arbeiten derzeit 16 000 Menschen, 2000 von ihnen als Leiharbeiter.

Von Martina Wewetzer