Erstes Hybrid-Modell von Alpina

Alpina lässt es dieseln: Der D3 S schafft Tempo 273 auf der Autobahn

+
Den nachgeschärften Diesel-Dreier gibt es von Alpina sowohl als Limousine als auch als Kombi.

Alpina bringt das erste Hybrid-Auto in seiner Firmengeschichte. Wie es sich für die dezente Sportwagen-Schmiede gehört, ist der D3 S ein Wolf im Schafspelz.

  • Alpina hat mit dem D3 S das erste Mild-Hybrid-Modell herausgebracht.
  • Der E-Motor kitzelt noch mehr Power aus dem BMW-Brudermodell heraus.
  • Alpina-Chef Andreas Bovensiepen spricht über die Vor- und Nachteile von Hybrid-Autos.

Der neue D3 S ist wie alle Alpina-Modelle von einem handelsüblichen BMW abgeleitet. Als Basis dient der bereits hybridisierte M 340d, ein Dreiliter-Doppelturbo-Diesel mit 340 PS, der vor allem durch Software-Optimierungen nun 15 Pferdestärken mehr leistet als im weiß-blauen Brudermodell. Unterstützt wird er dabei von einem kleinen E-Motor. Nun könnte man glatt glauben, dass die zusätzlichen 11 Elektro-PS angesichts der 355 PS aus dem Verbrenner nicht mehr groß ins Gewicht fallen. Entscheidend ist jedoch der Zeitpunkt, wann diese Power eingesetzt wird. "Der 48-Volt-Startergenerator schiebt schon beim Anfahren mit an", sagt Firmenchef Andreas Bovensiepen. "Dadurch wird das Ansprechverhalten deutlich besser. Und beim Fahren denkt man sich: Der hängt aber gut am Gas." Denn ab 1.750 Umdrehungen setzt schon das mächtige Dieseldrehmoment von 730 Newtonmetern (plus 30 Nm mehr als im M 340d) ein. Und auch die Spurt-Werte von 4,6 Sekunden respektive 4,8 Sekunden (Kombi) von 0 auf Tempo 100 sprechen für sich. Sie sind im übrigen identisch mit denen des BMW M 340d.

15 PS und 30 Newtonmeter (Nm) Drehmoment mehr holt Alpina aus dem Dreiliter-Dieseltriebwerk von BMW heraus.

Alpina D3 S: Die Unterschiede zum BMW-Brudermodell

Beim Fahrwerk unterscheidet sich der Alpina* deutlich vom Original aus München. Der D3 S hat das gleiche Dämpfer- und Feder-System bekommen wie der schärfere und über 300 Stundenkilometer schnelle B3. Damit verfügt auch das neue Alpina-Familienmitglied über besser austarierte Fahrmodi als die im herkömmlichen Dreier-BMW. Bei Comfort plus zum Beispiel fährt es sich immer noch bequem wie in einer Sänfte, trotzdem reagieren Motor und Achtgang-Automatik blitzschnell, wenn man die 355 Pferde loslassen möchte. Angetrieben wird der D3 S auf allen vier Rädern. Um den sportlichen Charakter zu betonen, schiebt der Allrad-Antrieb von BMW allerdings mehr auf der Hinterachse an als beim M 340d. Betrachtet man die Preise, so kostet der Alpina mit 70.500 Euro nur etwa 6.000 Euro mehr als das konventionellere Modell.

Auch interessant: Großer Kombi-Vergleich: Wer ist besser – A4 Avant, BMW Touring oder Passat Variant?

Aplina D3 S: Hybrid-Motor in zweierlei Hinsicht von Vorteil

Aber zurück zum Mild-Hybrid-System. Abgesehen vom flotteren Ansprechverhalten, hat es noch zwei entscheidende Vorteile. Sowohl CO2-Ausstoß als auch Kraftstoffverbrauch sinken, weil der E-Motor sowohl beim Anfahren als auch bei konstanter Geschwindigkeit (Segeln genannt) mithilft. Sparen ist gerade bei Alpina nicht unwichtig. Denn neben dem rein sportlichen Firmencredo, dass die Höchstgeschwindigkeit nie abgeregelt wird (der D3 S schafft als Limousine 273 Stundenkilometer), spielt auch der Verbrauch eine wichtige Rolle in der Firmenphilosophie. Schließlich befindet sich der Firmensitz in Buchloe, und das liegt wiederum im Schwäbischen.

Verchromte Auspuffrohre und klassische Speichenfelgen machen aus dem 3er Touring einen echten Alpina.

Erst ein Mild-Hybrid, dann kann ein aufladbares Voll-Hybrid-Modell nicht mehr weit sein. Zumal so ein Fahrzeug dann tatsächlich auch über weite Strecken rein elektrisch unterwegs sein kann! "Nicht vor zwei bis drei Jahren", winkt Andreas Bovensiepen ab, "die meisten Hybrid-Konzepte werden jetzt in Karosserien verwirklicht, die eigentlich für Verbrenner gedacht waren." Ein zusätzlicher E-Motor, die Akkus und die Leistungselektronik brauchen zusätzlichen Platz. Bovensiepen: "Also spart man bei Kofferraum und Tank, der dann statt 70 Liter nur noch 46 Liter fasst. Wenn man dann in den Urlaub fahren will, heißt das: Weniger Stauraum und spätestens alle 450 Kilometer tanken. Das akzeptieren viele unserer Kunden nicht." Interessant wird diese Technologie für den Alpina-Chef erst bei neu entwickelten Hybrid-Fahrzeugen, bei denen die Batterien platzsparend in der Bodengruppe integriert werden.

Dezent, aber edel werden Cockpit und Innenraum bei Alpina in Buchloe veredelt. Auf Wunsch auch individuell.

Hybride für Vielfahrer eher ungeeignet

Auch die geringe elektrische Reichweite, die im Augenblick – und oft auch nur auf dem Papier – bei kaum mehr als über 50 Kilometern liegt, sieht er als Nachteil. Vielfahrern bringe das nichts. Die Batterie sei relativ schnell leer, und das dann nutzlose Zusatzgewicht der Hybridtechnologie sorge auf dem Rest der Strecke dann für entsprechenden Mehrverbrauch beim Verbrennungsmotor. Zu wenig Reichweite und zu viel Kilos, die Leistung und Performance kosten, sind für Bovensiepen auch die Gründe, warum ein reines Elektromodell beim Sportwagen-Spezialisten Alpina wohl auch noch länger auf sich warten lässt. "Wir haben halt einen großen Anteil von Vielfahrern unter unseren Kunden, die wollen nicht alle 300 Kilometer aufladen", meint er und weist auf ein echtes Paradoxon hin. "Ob das außerdem so viel Sinn macht, wenn man mit einem schweren Elektro-Auto, bei dem allein die Batterie mehrere 100 Kilo wiegt, schnell und sportlich fährt? Darüber darf man schon mal nachdenken."

Große Niere, kleiner Schriftzug. Die Sportwagen-Spezialisten von Alpina lieben den dezenten Auftritt.

Auch wenn Bovensiepen das Thema Hybrid-Technologie mit einer gewissen Skepsis sieht, so ganz unbeleckt ist man technisch nicht in Buchloe. Denn schon beim i8, dem Hybrid-Vorzeige-Sportler von BMW, mischte Alpina mit. Sogar einen Prototyp bauten die Schwaben. Damals entfernten die Entwickler den eher schmalbrüstigen Original-Dreizylinder mit 230 PS und ersetzten ihn durch einen Vierzylinder mit 330 PS. Damit wäre aus dem i8 ein echter Sportwagen geworden, allerdings passte das nicht zur damaligen "born Electric"-Philosophie von BMW und so wurde aus dem Projekt leider nichts.

Wie kommt Alpina als kleiner bayerischer Autobauer durch die Corona-Krise*? Andreas Bovensiepen hofft, dass es so ähnlich abläuft wie nach der Finanzkrise. Da hat ein starkes Jahr 2009 die Verluste von 2008 mindern können. Voraussetzung dafür seien jedoch neue, frische Modelle. Weshalb die Buchloer Edel-Schmiede auch nicht am falschen Ende und damit nicht an der Entwicklung spart. Finanziell sei man dafür gut aufgestellt meint Bovensiepen optimistisch: "Und mit einem guten Jahr 2021 werden wir auch wieder aufholen", sagt der Alpina-Chef. Zuzutrauen wäre es ihnen – denn beim Aufholen und vor allem Überholen sind die Schwaben zumindest auf der Straße echte Experten.

Den nachgeschärften Diesel-Dreier gibt es von Alpina sowohl als Limousine als auch als Kombi.

Lesen Sie auch: Tankstellen-Auswertung: Um diese Uhrzeit sind Benzinpreise am günstigsten.

Datenblatt Alpina D3 S

Hubraum:

2.993 ccm

Leistung:

261 kW/ 355 PS bei 4.000 bis 4.2000 U/min

Drehmoment:

730 Nm bei 1.750 bis 2.750 U/min

Motor:

Sechszylinder-Diesel

Getriebe:

8-Gang-Automatik

Antrieb:

Allradantrieb

Länge/Breite/Höhe:

4,71/1,82/1,44 m (Limousine und Touring)

0 auf 100:

4,6 Sekunden (Limousine), 4,8 Sekunden (Touring)

Höchstgeschwindigkeit:

273 km/h (Limousine, 270 km/h (Touring)

Normverbrauch (WLTP :

7,6 l

Co2:

199 g/km

Schadstoffklasse:

Euro 6d-ISC-FCM

Preis:

ab 70.500 Euro

Auch interessant: Geheimtipp Fiat 124 Spider: Schickes Cabrio für schmales Geld.

Rudolf Bögel

Autos mit Hybridsystemen im Überblick

Elektrische Hilfe: Bei Mildhybriden wie Fiat Panda und 500 (rechts) unterstützt der zusätzliche E-Motor an Bord in erster Linie den Verbrenner. Foto: FCA Group/dpa-tmn
Elektrische Hilfe: Bei Mildhybriden wie Fiat Panda und 500 (rechts) unterstützt der zusätzliche E-Motor an Bord in erster Linie den Verbrenner. Foto: FCA Group/dpa-tmn © FCA Group
Auf rein elektrischen Wegen: Vollhybride wie etwa der Toyota Prius können kurze Strecken allein elektrisch zurücklegen. Foto: Toyota/dpa-tmn
Auf rein elektrischen Wegen: Vollhybride wie etwa der Toyota Prius können kurze Strecken allein elektrisch zurücklegen. Foto: Toyota/dpa-tmn © Toyota
Mischbetrieb: In Autos wie dem Hyundai Ioniq kann der Verbrennermotor auch die Batterie aufladen. Foto: Uli Sonntag/Hyundai/dpa-tmn
Mischbetrieb: In Autos wie dem Hyundai Ioniq kann der Verbrennermotor auch die Batterie aufladen. Foto: Uli Sonntag/Hyundai/dpa-tmn © Uli Sonntag
Erweiterter Aktionsradius: Ein Range Extender, wie er etwa lange beim BMW i3 zu bekommen war, hat einen kleinen Verbrenner zur Stromerzeugung an Bord. Foto: Wilfried Wulff/BMW/dpa-tmn
Erweiterter Aktionsradius: Ein Range Extender, wie er etwa lange beim BMW i3 zu bekommen war, hat einen kleinen Verbrenner zur Stromerzeugung an Bord. Foto: Wilfried Wulff/BMW/dpa-tmn © Wilfried Wulff
Kraft der zwei Herzen: Kernstück eines jeden Hybridsystems ist ein zusätzlicher E-Motor, der ergänzend zum Verbrenner an Bord ist. Foto: Hyundai/dpa-tmn
Kraft der zwei Herzen: Kernstück eines jeden Hybridsystems ist ein zusätzlicher E-Motor, der ergänzend zum Verbrenner an Bord ist. Foto: Hyundai/dpa-tmn © Hyundai

*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.