Diskussion um Diesel und Co.

Appell für Verbrennungsmotoren: Verbot schadet dem Klima

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Schadet ein Verzicht auf Verbrennungsmotoren dem Klima?

Täglich erreichen uns Neuigkeiten rund um den Dieselskandal und Konsequenzen daraus. Nun hat sich eine Gruppe von Motorenexperten in die Debatte eingeschaltet.  

Die Diskussionen über Verbrennungsmotoren im Allgemeinen und Diesel im Speziellen gehen weiter. Es gibt viele Akteure, die sich an der Debatte über mögliche Fahrverbote und Nachrüstungen wegen zu hoher Stickoxid- und Feinstaubwerte beteiligen. Und es handelt sich um eine Diskussion, die teilweise sehr emotionsgeladen oder sogar interessengesteuert geführt wird. Diese Meinung vertreten zumindest 25 Motorentechnik-Experten, die sich nun über die Wissenschaftliche Gesellschaft für Kraftfahrzeug- und Motorentechnik (WKM) eingeschaltet haben.

Appell pro Verbrennungsmotoren: Motorentechniker mit drei Grundsatz-Thesen 

Wie die Nachrichtenagentur AFP aktuell berichtet rät jetzt sogar der ADAC, zumindest vorübergehend auf den Diesel-Kauf zu verzichten. Gegenüber der Wochenzeitung "Die Zeit" empfahl der ADAC-Vizepräsident Ulrich Klaus Becker, "mit einem Neuwagenkauf eventuell noch zu warten, bis im Herbst Modelle mit dem Standard Euro 6D auf den Markt kommen". Dem stellen die 25 Experten des WKM nun drei Grundsatzthesen entgegen. In ihrem Positionspapier namens "Die Zukunft des Verbrennungsmotors" räumen sie zunächst zwar eine "teilweise berechtigte Kritik am dieselmotorischen Antrieb" ein, kritisieren aber "eine überwiegend voreingenommene Berichterstatttung". Die Kernargumente lauten wie folgt:

1. "Der Verbrennungsmotor war und ist Motor der Mobilität". Er könne durch elektrische Antriebe nicht ersetzt, sondern höchstens ergänzt werden. Antriebssysteme müssten "technologieoffen" weiterentwickelt werden, denn nur so könne "erfolgreiche Klimapolitik" betrieben werden. Ein Verzicht oder Verbot dagegen "bewirke das Gegenteil".    

2. Emissionen und vor allem Immissionen würden in Zukunft nicht mehr gegen Diesel- oder Benzinmotoren sprechen. Heute bereits würden "Immissionsgrenzwerte ausnahmslos eingehalten".  Und intensive Forschung ermögliche zukünftig "vollständig umweltneutrale" Verbrennungsmotoren.

3. Verbrennungsmotoren hätten einen "besonderen Vorteil": "effiziente und flexible Nutzung von Kraftstoffen mit hoher Energiedichte und exzellente Lagerungs- und Verteilungsmöglichkeiten". Dies ermögliche "niedrigere CO2-Emissionen".

Manipulationen, neue Gesetzgebung und Feinstaub: Wissenschaftler zeigen klare Kante

Mit weiteren zehn Erläuterungen legen die Wissenschaftler auch ihre Ansichten über illegale Motorsteuerungen, die neue Real-Driving-Emission (RDE)-Gesetzgebung sowie Feinstaub dar. Sie stellen zunächst klar, dass sie "jegliche Form technischer Manipulationen" ablehnten. Gleichzeitig begrüßten sie die neue europäische RDE-Gesetzgebung, die ab September gelten wird. Sie schaffe "klar definierte gesetzliche Vorgaben" und könne "Vertrauen wiederherstellen".  

Bezüglich Feinstaub und Schadstoff-Emissionen vertreten sie ebenfalls eine klare Meinung. Die "Diskrepanz zwischen Zertifizierungsgrenzwert und Realemission" sei "seit 20 Jahren öffentlich bekannt und dokumentiert". Mit dem RDE-Gesetzt würden sie "verschwinden". Auch das NOX-Emissionsproblem könne nach "Hunderten von Forschungsprojekten" als "technisch gelöst betrachtet" werden.

"Verbot des Verbrennungsmotors hat nachteilige Auswirkungen auf die Bekämpfung des Klimawandels"

An der öffentlichen Berichterstattung hingegen lassen die Motorenexperten kein gutes Haar. Sie sei häufig "inhaltlich falsch" oder "unangemessen". Beispielsweise kritisieren sie, dass der Dieselmotor als "Verursacher der Feinstaubthematik" hingestellt werde. Dabei trage er "nur zu wenigen Prozent" dazu bei. Außerdem seien die Zahlen rückläufig. Das gelte im Übrigen auch für den Ottomotor.

Auch die Diskussionen um ein mögliches Verbot des Verbrennungsmotors betrachten die Forscher nach eigener Aussage mit Sorge. Dieses habe sogar "nachteilige Auswirkungen auf die Bekämpfung des Klimawandels". Sie fordern in diesem Zusammenhang stattdessen eine "ganzheitliche und ehrliche Betrachtung von CO2-Emissionen", plädieren etwa für alternative und biogene Kraftstoffe.

Im Mittelpunkt der Argumentation steht die Zukunftsfähigkeit des Verbrennungsmotors. Er behindere die Energiewende nicht, sondern würde sie sogar "unterstützen". In diesem Zusammenhang brauche es aber auch weiterhin "intensive Forschung und Weiterentwicklung". Sie schließen ihre Betrachtung mit der Prognose, dass man "verbrennungsmotorische Antriebe", insbesondere auch den Dieselmotor, noch sehr lange benötigen werde.

Ob dieser Appell die Debatte tatsächlich versachlicht, bleibt abzuwarten. Daimler zum Beispiel hat erklärt, noch Jahre lang auf den Diesel zu setzen. Andere Hersteller, wie etwa Volvo, bereiten hingegen den Abschied vom Diesel vor.   

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mop/Mit Material von AFP.

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