A 40: Revier-Autobahn drei Monate gesperrt

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Ab dem Samstag, den 7. Juli müssen sich täglich 80.000 Autofahrer einen Schleichweg suchen: Die A40 soll für drei Monate komplett gesperrt werden.

Essen - Es ist kein Witz: Einer der meist befahrenen Autobahnen in Deutschland soll am 7. Juli für drei Monate gesperrt werden. Die Revierschlagader A40 ist marode.

Ab dem Samstag, den 7. Juli müssen sich täglich 80.000 Autofahrer einen Schleichweg suchen - notfalls quer durch die Essener Innenstadt oder auf einer der großräumig ausgeschilderten Umleitungsstrecken. Den Sommer über ist die Ruhrgebiets-Autobahn A40 zwischen der Ausfahrt Essen-Zentrum und dem Autobahndreieck Essen-Ost komplett für Bauarbeiten gesperrt.

Die Straßenbauverwaltung des Landes NRW erprobt damit ein neues Konzept: Drei Monate Vollsperrung statt einer sich über Jahre hinziehenden Dauerbaustelle.

Das Wichtigste zum Thema Stau

Meist sind es nur Sekunden, die plötzlich einen Mega-Stau verursachen. "Oft genug bremsen Autofahrer vor Autobahnwegweisern, weil sie sich unsicher sind oder doch nochmal hecktisch auf die Karte schauen", weiß Verkehrsforscher Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen. Deswegen rät der Experte: Trotz Navigationssystem - vor Reisebeginn einen Blick auf die gute alte Straßenkarte zu werfen. © dpa
Nachtfahrten bieten Vorteile: "Es sind weniger Lkws auf den Straßen und viele Fahrer trauen sich in der Dunkelheit auch nicht zu fahren", weiß Schreckenberg. Wer mit den Kindern in den Urlaub fährt, könne sich nachts zudem über mehr Ruhe im Auto freuen. "Und die große Hitze bleibt einem auch erspart." Eine Nachtfahrt sei jedoch nur etwas für ausgeruhte Fahrer. © dpa
Vorausschauendes Fahren ist Trumpf: "Genügend Abstand zum Vordermann sorgt dafür, dass plötzliches Bremsen selten von Nöten ist", so der Stauforscher. Dadurch wird nicht nur Stillstand auf der Autobahn vermieden, das Auto verbraucht auch weniger Sprit. © dpa
Beim Thema "Reißverschlussverfahren" sind viele deutsche Autofahrer offenbar überfordert: "Als vor 40 Jahren das System eingeführt wurde, funktionierte es ganz gut. Aber mittlerweile haben es die Leute scheinbar wieder verlernt", bedauert der Verkehrsexperte. Wichtig sei es, bei Spurverengungen erst ganz zum Schluss die Fahrbahn zu wechseln, alles andere wirkt sich Schreckenbach zufolge kontraproduktiv aus. © dpa
Spurwechsel zwecklos: Laut Schreckenberg bringt es nichts, bei zähflüssigem Verkehr die Fahrbahn zu wechseln: "Es ist sogar absolut hinderlich für den Verkehrsfluss. Die Menschen haben immer das subjektive Gefühl, der restliche Verkehr sei stets schneller. Wir haben das ausführlich getestet: Als Kolonnenspringer hat man am Ende kaum eine Minute gewonnen und stattdessen erhöhten Stress." © dpa
Umfahrungen lohnen sich meist nicht: "Nur bei Vollsperrung sollte man von der Autobahn abzufahren. Stau hat immer noch eine bestimmte Geschwindigkeit, mit der man weiter voran kommt", so Schreckenberg. Navigationssysteme würden gerne übereifrig Ausweichrouten empfehlen, die dann genauso überlastet seien. "Folgen der Empfehlung ihres Navis nur 10 Prozent der Fahrer, kommt auch dort der Verkehr zum Erliegen." © dpa
Wer sich einem Stauende nähert, sollte umgehend den nachfolgenden Verkehr durch Einschalten der Warnblinkanlage aufmerksam machen. Nach einem Urteil des Landgerichts Memmingen kann dem Fahrer bis zu 25 Prozent Haftung auferlegt werden, sollte es im Stau zu einem Auffahrunfall wegen nicht eingeschaltetem Warnblinker kommen. © dpa
Kommt der Verkehr zum Erliegen, sollte rechtzeitig der Motor abgestellt werden. Der Umwelt zuliebe, und auch dem eigenen Auto: So vermeiden Sie, dass Ihr Wagen mit einem leeren Sprittank oder überhitzten Kühler selbst zum Verkehrshindernis und Stauverursacher wird. © dpa
"Autofahrer machen viel zu selten eine Pause. Im Urlaubsverkehr kommt es aber in der Regel nicht auf eine Stunde an", meint der Experte. Es gehe ja nicht darum, als Erster anzukommen, sondern entspannt an sein Reiseziel zu gelangen. Deswegen einfach mal Rasten. "Mit Stress auf der Straße versaut man sich nur gleich den Urlaubsstart." © dpa
Wenn nichts mehr vorwärts geht, müssen die Autofahrer eine Rettungsgasse bilden. Jede Hilfe sollte den Unfallort schnell erreichen können. Die Rettungsgasse ist immer zwischen der äußersten linken und der zweiten Spur von links zu bilden, ganz gleich wie viele Fahrstreifen vorhanden sind. In der Mitte liegt sie nur bei einer zweispurigen Fahrbahn. Der Standstreifen dient übrigens nur dazu, liegen gebliebene Fahrzeuge aufzunehmen. © dpa
An die sicherste Methode, um Stau und Stress mit dem Urlaubsauto zu umgehen, denken nur wenige Reisende: Mit dem Autoreisezug können viele hundert Kilometer zurückgelegt werden, ohne auch nur einen einzigen Stau zu erleben. Bucht man zu bestimmten Zeiten, ist die Kombination aus Straße und Gleis unter Umständen sogar günstiger. © dpa

„Das ist wohl das erste Mal, dass eine Autobahn über so einen langen Zeitraum gesperrt wird“, meint die 54-jährige Bauingenieurin und Projektleiterin Annegret Schaber. Seit zwei Jahren wurde die Autobahn-Sperrung im Detail geplant. Jetzt soll in Rekordzeit die Fahrbahndecke, eine Autobahnbrücke und ein Tunnel erneuert werden. Die A40 ist ein Nadelöhr und gilt als „Lebensader des Ruhrgebiets“. „Niemand weiß genau, was dann passieren wird“, so weit ist sich Schaber sicher.

Der Ruhrschnellweg: Schlagader zwischen Duisburg und Dortmund

Als „Ruhrschnellweg“ führt die A 40 mitten durchs Ruhrgebiet: von Duisburg über Mülheim, Essen und Bochum bis nach Dortmund. Auf insgesamt 94 Kilometern gibt es 45 Anschlussstellen.

Den Sommer über ist die Ruhrgebiets-Autobahn A40 zwischen der Ausfahrt Essen-Zentrum und dem Autobahndreieck Essen-Ost komplett für Bauarbeiten gesperrt.

Bis zu 120.000 Autos quälen sich an den am meisten befahrenen Stellen über die Autobahn, für die es den Spottnamen „Ruhrschleichweg“ gibt. Mit dem Bau der Schlagader wurde bereits 1928 begonnen. In den 50er Jahren begann der Umbau zur Bundesstraße 1, die bis 1970 als vierspurige Kraftfahrstraße komplett war. 1977 wurde sie zur Autobahn. Erst hieß sie A 430. 1992 wurde sie mit einem Abschnitt zwischen Straelen an der Grenze zu den Niederlanden und dem Kreuz Duisburg-Kaiserberg zusammengelegt: Seitdem heißt sie A 40.

dpa

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