Rabattschlacht auf dem deutschen Automarkt

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30 Prozent auf den Neupreis: Wer günstig Autos kaufen möchte, hat so gute Chancen, wie lange nicht.

Stuttgart - Billig wie nie: Händler und Hersteller gewähren derzeit besonders hohe Rabatte. Was die Kunden freut, ist für viele Autobauer ein schlechtes Geschäft:

Nachlässe im zweistelligen Bereich, geschenkte Extras, kostenlose Wartung - so hart wie derzeit war die Rabattschlacht auf dem deutschen Automarkt lange nicht. Weil in Europa der Absatz schwächelt, buhlen Hersteller und Händler mit allen Mitteln um ihre Kunden. Experten sprechen von Rabatten in Rekordhöhe - aber auch davon, dass schwächere Autobauer vom Markt gedrängt werden könnten. Händlern drücken die Preisnachlässe kräftig auf die Margen.

„Wer heute ein Auto mit zehn Prozent Rabatt kauft, macht ein schlechtes Geschäft“, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen. „So hart wie derzeit war der Rabatt- und Verdrängungswettbewerb in Deutschland noch nie.“ Auch Hersteller, die bisher eher zurückhaltend gewesen seien, gewährten momentan verstärkt Nachlässe.

„Für die Händler bedeuten hohe Rabatte allerdings Kürzungen ihrer Marge“, sagt Stefan Bratzel vom Zentrum für Automotive Management in Bergisch Gladbach. Um das Geschäft langfristig zu sichern, sollten sie seiner Ansicht nach stärker auf andere Lockangebote setzen - wie beispielsweise kostenlose oder günstigere Wartungen.

Unverschämt: Die heißesten Luxus-Cabrios 2012

Lamborghini Aventador J: Zweisitzer mit 700 PS und radikalen Design ohne Fronscheibe und ohne Dach. Das verlangt von den Piloten des Aventador J nicht nur die passende Ausrüstung, sie sollten bei einem Spitzentempo von mehr als 300 km/h auch gut trainiert sein. © Lamborghini
Mercedes Benz SL 63 AMG: Der AMG 5,5-Liter-V8-Biturbomotor leistet 537 PS. Von null auf Tempo 100 spurtet der Roadster in 4,3 Sekunden. Spitze fährt der Traumwagen 250 km/h. Doch Schönheit hat seinen Preis: die Basisversion ist ab 157.675 Euro zu haben. Für das AMG Performance Package (564 PS/ 300 km/h) müssen Liebhaber nochmal 4.280 Euro drauflegen. © Hersteller
Posche Boxter 265 PS (ab 48.291 Euro): 265 PS beschleunigen den Boxster aus dem Stand heraus in 5,8 Sekunden auf 100 km/h. © Hersteller
Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse: mit 1.200 PS der stärksten Roadster der Welt. 2,6 Sekunden braucht der Supersportler für den Sprint von null auf 100 km/h. Höchstgeschwindigkeit: 410 km/h © Bugatti
Jaguar XKR-S Cabrio mit 550 PS. Spitze: 300 km/h. Von null auf 100 in 4,4 Sekunden; Preis: 138.100 Euro © Jaguar
Mercedes SL 65 AMG: Der Luxus-Roadster besitzt einen 6,0-Liter-V12-Biturbomotor mit einer Leistung von 630 PS. Der Supersportler beschleunigt von null auf Tempo 100 in 4 Sekunden. Tempo 200 ist nach 11,8 Sekunden erreicht. Spitze fährt das Top-Modell elektronisch abgeriegelt 250 km/h. Das Prachtstück ist für 236.334 Euro zu haben. © Mercedes
Mercedes SL 500: 435 PS von null auf 100 in 4,6 Sekunden. Der SL ist ein Luxusgeschöpf und kostet als solches in der Basisvariante 117.096 Euro. © Mercedes
New Continental GT V8 mit 507 PS. Höchtgeschwindigkeit: 303 km/h. Der Bentley GT V8 kostet in Europa netto 136 000 Euro. © Hersteller
Range Rover Evoque Cabrio: Die Basis der mit einem Stoffverdeck versehenen Cabrio-Studie bildet das Range Rover Evoque Coupé.  © Hersteller
Bentley New Continental GTC mit neuem V8 hat 507 PS. Höchstgeschwindigkeit: 301 km/h. Der GTC ist in Europa ab 149.600 Euro zu haben. © Hersteller
VW Golf Cabrio GTI: VW adelt sein neues Golf Cabrio mit 220 PS und mit einem schärferen Fahrwerk. Aus dem Stand spurtet das Cabrio in 7,3 Sekunden auf 100 km/h. Spitze fährt der Viersitzer - leider nur geschlossen - Tempo 237. © Hersteller

Aus reiner Nächstenliebe gewährt den Nachlass ohnehin niemand: Zuletzt entwickelte sich der Autoabsatz in Deutschland wegen der Finanzkrise in Europa so schlecht wie sonst nur im Jahr nach der Abwrackprämie.

Ulrich Köster, Sprecher des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), sagt: „Tatsache ist, dass sich durch den Rückgang der Neuzulassungen die Lage nicht entspannt, sondern der Wettbewerb angeheizt wird.“ Händler meldeten immer mehr Fahrzeuge kurzfristig an, um sie dann als Tageszulassung mit hohen Preisabschlägen in den Markt zu bringen. Nach der CAR-Studie stieg die Zahl der taktischen Zulassungen selbst bei Luxusfahrzeugen wie dem Audi A8 und dem Porsche Panamera.

Experte Bratzel warnt jedoch vor zu hohen Nachlässen: „Je stärker ich Rabatte reinbringe, desto mehr schade ich der Marke.“ Ein Auto werde damit zum „Ramsch-Produkt“ degradiert. Für bereits angeschlagene Autobauer wie Peugeot, Fiat oder Opel sei das ein Teufelskreis. „Die haben es im Moment enorm schwer, weil die Marke nicht zieht und sie massive Absatzprobleme haben“, erklärt Bratzel.

Erfolgreiche Hersteller wie Volkswagen und BMW profitierten unterdessen von ihrem guten Image - und könnten durch Preisabschläge weitere Marktanteile gewinnen. Experte Dudenhöffer sieht das ähnlich: „In Europa wird es so sein, dass die Großen und Starken die Schwachen zurückdrängen werden.“

Weil angeschlagene Autobauer deswegen um ihre Existenz fürchten, ist bereits ein heftiger Streit zwischen Europas größtem Autobauer Volkswagen und dem italienischen Hersteller Fiat entbrannt. Fiat-Chef Sergio Marchionne kritisiert, Volkswagen richte mit einer rücksichtslosen Preispolitik ein „Blutbad“ an und nutze die Krise, um mit aggressiven Rabatten Marktanteile zu gewinnen.

Die Preispolitik der Wolfsburger spielt Bratzel zufolge tatsächlich „einer gewissen Marktverdrängung in die Hände“. Einen Vorwurf könne man ihnen deswegen aber nicht machen, meint der Experte. „Sie wollen ihren Marktanteil halten oder ausbauen - das sind legitime Ziele.“

Von Antonia Lange, dpa

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