Bald Helmpflicht für Elektro-Fahrräder?

Berlin - Elektro-Räder sind oft schneller als übliche Drahtesel - ungewohnt für viele Verkehrsteilnehmer. Die Regierung will deswegen jetzt auch eine Helmpflicht prüfen.

Die Bundesregierung prüft angesichts von immer mehr Elektrofahrrädern auf deutschen Straßen Sicherheitsregeln wie eine Helm- oder Führerscheinpflicht. Die derzeit geltenden Vorschriften würden insgesamt angeschaut, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums am Montag in Berlin. Dabei solle auch geprüft werden, bei welchen technisch möglichen Geschwindigkeiten das Tragen eines Helms oder ein Führerschein Pflicht werden sollten. E-Räder, von denen es nach Branchenangaben inzwischen mehrere Hunderttausend gibt, können bis zu 45 Kilometer pro Stunde schnell unterwegs sein.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) wies darauf hin, dass bei mehr als 90 Prozent der verkauften Räder der ergänzende Elektro- Motor auf Tempo 25 beschränkt sei. Sie seien so fahrradähnlich, dass wie bei Fahrrädern weiter keine Helme vorgeschrieben werden sollten, sagte ADFC-Rechtsreferent Roland Huhn der Nachrichtenagentur dpa in Bremen. Technisch hätten diese E-Antriebe eine Leistung von 250 Watt, und der Motor springe nur an, wenn gleichzeitig mitgetreten wird. Daneben gibt es bei teureren Modellen Elektro-Antriebe mit 500 Watt und Maximaltempo 45. Sie gelten jedoch nicht mehr als Fahrräder, sondern als Kraftfahrzeuge - erforderlich ist ein Mofaführerschein.

Das Bundesverkehrsministerium will den Markt für Elektro-Räder generell fördern und dies auch bei der Überprüfung der Vorschriften berücksichtigen. E-Räder seien etwa für die Mobilität älterer Menschen “eine große Hilfe“, sagte der Sprecher. Zugleich müsse aber die allgemeine Sicherheit gesehen werden. Andere Verkehrsteilnehmer könnten es meist nicht recht einschätzen, wenn sie mit einem Fahrrad rechneten, und dann “kommt ihnen ein Gefährt mit 45 km/h entgegen“. Über die Prüfpläne hat die “Bild“-Zeitung (Montag) zuerst berichtet.

Klären will das Ministerium etwa, wie Räder “mit Tretunterstützung bis 30 km/h“ eingestuft werden sollen. Ein allgemeines Tempolimit von 30 für alle Elektrofahrräder sei aber “zurzeit nicht umsetzbar“, heißt es in der Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage der SPD- Bundestagsfraktion.

Die FDP lehnt eine generelle Helmpflicht für Radfahrer ab. Es müsse aber geprüft werden, ob für schnelle E-Räder bis 45 km/h “nicht auch eine Ausbildung und Helmpflicht notwendig“ seien, sagte der Verkehrssicherheitsexperte der Bundestagsfraktion, Oliver Luksic. Der ADFC erläuterte, dass im Falle einer Helmpflicht wohl Motorradhelme nötig wären. Die üblichen Fahrradhelme seien nur für unter 20 km/h getestet, sagte Rechtsreferent Huhn.

dpa

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