Kurz vorm Abheben

Bentley GT Speed Coupé

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Kurz vorm Abheben: Probefahren auf der Startbahn im Bentley GT Speed Coupé.

Er drängelt schon die ganze Zeit, er will mehr, er kann mehr – und jetzt darf er es endlich auch zeigen. Wir stehen auf der Startbahn des Flughafens in Cochstedt/Sachsen Anhalt.

Zweieinhalb Stunden lang war der Weg von Berlin hierher, über Autobahn, Landstraßen, durch verschlafene Dörfer. Jetzt ist der Weg für den neuen Bentley GT Speed frei: Drei Kilometer geht es geradeaus, keine Hindernisse in Sicht, wir können voll beschleunigen. 625 PS hat das britische Hochleistungsauto unter der Haube, 330 km/h bringt er in der Spitze. Nie war ein Bent­ley schneller, hier kann er es beweisen. Und er tut es: Wir schießen los, Vollgas – sind innerhalb von 4,2 Sekunden bei 100 km/h. Dank des 6 Liter W12-Motors mit Doppelturbolader und 48 Ventilen: Er erreicht einen Drehmoment von 800 Newtonmetern und drückt den Oberkörper kompromisslos in den Sitz. Ein Gefühl wie beim Start eines Flugzeugs. Und tatsächlich: Eine Boeing 737 hebt mit 260 km/h ab – im Bentley sind wir schneller. 285 km/h erreichen wir nach gefühlten 20 Sekunden im Acht-Gang-Automatikgetriebe. Rund 4000 Liter Luft pro Sekunde schluckt der Grill bei dieser Geschwindigkeit. Danach müssen wir abbremsen, weil die Startbahn endet – und dürfen durchatmen. Pause für den Puls.

Paradox, aber bei diesem Manöver zeigt sich die Klasse des GT Speed: Die standardmäßigen 405mm Gusseisen-Bremsscheiben mit Achtkolben-Bremssätteln greifen selbst bei hoher Geschwindigkeit hart durch, wir stehen im Nu. Aber ohne Zucken. Von fast 300 auf 0 km/h – kaum Verschleiß, volle Kontrolle. Bremsen im Bentley ist ein Highlight.

Ebenso wie das Design: Die vorderen Kotflügel sind aus einer Aluminiumlegierung, die sonst in der Raumfahrt verwendet wird. Das neue 10-Speichensystem, der dunkel getönte Kühlergrill und die Stoßfänger zollen dem 1920er-Siegerauto von Le Mans Tribut. Von außen sportlich-aggressiv geformt, ist der Innenraum handgearbeitet und die Materialien wertig. Gesteppt-perforiertes Leder, Edelholzfurnier, glänzende Metallverzierungen, getöntes Aluminium und Carbonfaser bieten Luxus fürs Auge.

625 PS: Bentley Continental GT Speed Coupé

Komfort, Kultiviertheit, Handwerkskunst und Qualität: Völlig ohne Kompromisse ist der neuen Continental GT Speed Coupé 329 km/h schnell.  Und damit der schnellste Bentley aller Zeiten © Bentley
Bentley Continental GT Speed Coupé
Der schnellste Bentley aller Zeiten leistet dank 6-Liter W12 Twinturbomotor mit 48 Ventilen und vier Nockenwellen 625 PS.  © Bentley
Der Sprint von 0 auf 100 km/h erfolgt in lediglich 4,2 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 329 km/h. © Bentley
Luxus und Leistung: Der neuen Continental GT Speed Coupé ist 329 km/h schnell.  © Bentley
Bentley Continental GT Speed Coupé © Bentley
Bentley Continental GT Speed Coupé © Bentley
Bentley Continental GT Speed Coupé © Bentley

Zugegeben, mit einem Anschaffungspreis von rund 200.000 Euro zählen eher Promis oder Geschäftsleute zur Zielgruppe. Und die werden ihren Spaß haben – besonders im Cabrio, dem aktuell schnellsten der Welt. Gewicht und Verbrauch sind mit rund 2500 kg und 15 Litern minimal höher als beim Coupé, so aber auch Fahrspaß und Handling. Das Cabrio (Weltpremiere war im Januar 2013) ist quirliger, glänzt durch seine 21-Zoll-Leichtmetallräder und sprintet gefühlt nochmal einen Zug schneller als das Coupé, offiziell schon ab 2000 Umdrehungen pro Minute.

Fazit

Edel, edel, dieser Bentley, luxuriös, antriebsstark und komfortabel im Handling. Klar, kein Auto für Jedermann. Aber auch kein reiner Luxusschlitten. Luxu­riös ist eher das Fahrgefühl, vor allem auf der Autobahn. 200 km/h fühlen sich an wie weniger. Kontrollierte Geschwindigkeit wird selbstverständlich – und spürbar angenehmer. Vorbei die Zeiten, wo es vom Nebensitz hieß:

„Schatz, fahr bitte nicht so schell.“

Andreas Thieme

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