Fahrbericht

Der „Big Boxer“: So lässig fährt es sich mit der BMW R18 – der Test im Alpenvorland

Unterwegs mit der BMW R 18
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Unterwegs mit der BMW R 18 im Alpenvorland

Auf einer Tour durchs Voralpenland zeigt sich, was in der BMW R18 wirklich steckt – das können die drei Fahrmodi und so liegt die Maschine in den Kurven.

Eine Überraschung war die Präsentation der BMW R 18 nicht mehr. Lange schon hatten die Münchner Informationen und Bilder des neuen Riesen-Boxers preisgegeben, nur fahren konnte man ihn halt noch nicht. Das hat sich geändert: Wir waren nun mit dem Big Boxer zu einer ausführlichen Tour im Voralpenland *.

BMW R 18 – Beeindruckende Dimensionen

Trotz beeindruckender Dimensionen flößt einem der Bayern-Koloss keine Angst ein. 345 Kilogramm wiegt die R 18, 96,4 Zentimeter ist der Big Boxer mit 1802 Kubikzentimetern Hubraum breit und 1,73 Meter beträgt der Radstand. Die Sitzhöhe von 69 Zentimetern ermöglicht im Stand sicheren Bodenkontakt der Beine und an unserem Exemplar war zudem eine Rückfahrhilfe an Bord (kostet 945 Euro Aufpreis).

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Die Fahrt mit der BMW durchs Alpenvorland geht los

Moderne Technik im Retro-Design-Bike: Die BMW hat ein Keyless-System, der Schlüssel bleibt also in der Hosentasche. Die Zündung wird per Knopfdruck aktiviert, dann wird gestartet. Dazu muss übrigens – auch bei eingelegtem Leerlauf – der Kupplungshebel gezogen sein. Ganz entspannt schlängeln wir uns dann erst einmal durch den Münchner Berufsverkehr, ein paar Kilometer fahren wir auf der Autobahn, und dann geht es rechts ab Richtung Berge. Schon nach dieser kurzen Strecke hat man ein gutes Gefühl für das dicke Ding. Die sechs Gänge schalten sich leicht rauf und runter, der Motor hat bereits bei 2000 U/min ein Drehmoment von 150 Nm (das Maximum von 158 Nm bei 3000 U/min) und die 91 PS werden mit Bike und Fahrer spielend fertig. Schade, dass man unterwegs nicht die offen laufende Kardanwelle bewundern kann. Der glanzvernickelte Sekundärantrieb ist eine Reminiszenz an die weiß-blauen Boxer-Modelle bis zum Baujahr 1955.

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Das sind die drei Fahrmodi der BMW R 18

Natürlich probieren wir auch gleich die drei Fahrmodi aus. „Rain“ brauchen wir zum Glück nicht. Dabei ist die Gasannahme besonders sanft, die serienmäßige automatische Stabilitätskontrolle (ASC) reagiert sehr sensibel. „Roll“ ist der Normalmodus und „Rock“ ist dann quasi die Kirsche auf der Sahnetorte. Stellt man diesen Modus ein, geht was ab. Die Gasannahme ist spontaner, das Bike schüttelt sich im Stand im Leerlauf deutlich mehr, der Sound aus den zwei endlos langen Auspuffrohren ist hörbar kerniger.

BMW R 18 – so fährt sie durch Kurven

Auf den nun folgenden kurvenreichen Kilometern überrascht die R 18 durchaus positiv. Sie kann nämlich nicht nur souverän geradeaus fahren, sondern kann auch einen – für ein Motorrad dieser Dimension – gepflegten Kurventanz hinlegen. Geht’s rum ums Eck, erledigt dies die BMW sauber und souverän, weicht nicht von der vorgegebenen Linie ab und setzt auch Korrekturen brav um. Die Rasten der R 18 kratzen in flott gefahrenen Kurven den Asphalt, das ist bei so einem Cruiser aber normal und bereitete auf unserer Fahrt nie Probleme. Bis zu 30 Grad beträgt laut Hersteller die Schräglagenfreiheit. Die Bremsen erfordern zwar festes Zupacken, diese Charakteristik passt aber zu dem Bike, mit dem man sowieso tendenziell defensiv unterwegs ist.

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Das zentrale Rundinstrument

Immer wieder fällt unterwegs der Blick aufs zentrale Rundinstrument, das analog die Geschwindigkeit anzeigt. Dazu gibt’s wahlweise Informationen unter anderem über den eingelegten Gang, die aktuelle Motordrehzahl, die gefahrenen Kilometer und den Verbrauch. Per Knopfdruck am linken Lenker klickt man sich durchs Menü, ohne vom Geschehen auf der Straße abgelenkt zu sein. Außerdem verweist am unteren Rand des Instruments der Schriftzug „Berlin built“ darauf, wo die R 18 herkommt.

Der Verbrauch der BMW-Maschine

Am Ende unserer fast 300 Kilometer langen Tour zeigte der Bordcomputer einen Verbrauch von 5,2 Litern auf 100 Kilometern an. Damit hätten wir dank 16-Liter-Tank theoretisch also überhaupt keinen Tankstopp einlegen müssen. Aber so konnten wir das schwarze Spritfass mit der weißen Doppellinie, das an die R 5 aus dem Jahr 1935 erinnern soll, gebührend bestaunen. Wer 48,74 Euro investiert, bekommt einen abschließbaren Tankdeckel, für den man den Schlüsselbart ausklappen muss.

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Das kostet die BMW R 18

Die von uns gefahrene First Edition steht für 22.225 Euro beim Händler. Theoretisch. Denn obwohl täglich im Werk Berlin-Spandau 80 Exemplare der R 18 vom Band laufen, ist sie hierzulande bis Frühsommer 2021 bereits ausverkauft. Bei BMW geht man davon aus, dass jeder Kunde sein Motorrad individualisiert. Dafür wurden bereits vorab die technischen Voraussetzungen geschaffen, sodass die BMW-Werkstatt auch nachträglich das Motorrad verändern kann. Aktuell umfasst die Zubehör-Liste 73 Positionen – vom Apehanger-Lenker über die Airbox-Abdeckung bis hin zum Slip-on-Schalldämpfer. Wer da im Konfigurator fleißig seine Kreuzchen macht, addiert schnell einen fünfstelligen Betrag zum Grundpreis.

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Die Position am Markt

Dass der wichtigste Markt für die R 18 Nordamerika ist, verwundert nicht. „Wir wollen die Nummer eins im Luxussegment werden“, sagte BMW-Motorradchef Henning Putzke bei der Präsentation. Im Visier: Harley-Davidson. Und ebenso wenig wird es keine Überraschung sein, dass die von uns gefahrene Big Boxer das erste Exemplar einer neuen Modellfamilie sein wird. Da werden also noch einige dicke Dinger kommen. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Volker Pfau

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