Das Museum, das keiner kennt

Citroëns Glanz schimmert im Verborgenen

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Citroën DS Président.

In einer unscheinbaren Halle im Nordosten von Paris hat die Marke Citroën alles versammelt, was für ihre fast 100-jährige Geschichte bedeutsam erscheint. Das Automuseum hat allerdings nur Online-geöffnet.

Wo anders als am Boulevard André Citroën kann man sich so eine Kultstätte vorstellen? Unweit des Flughafens Charles de Gaulle, auf einem ehemaligen Standort der Automobil-Produktion sind nicht nur rund 400 Fahr-Zeugnisse der Firma untergebracht, sondern auch Unmengen von Modellen und Dokumenten, so dass die Halle ohne Übertreibung als „Gedächtnis“ der Marke gelten kann, die nicht nur in Deutschland häufig als „Zitröhn“ verballhornt wird. 

Die offizielle Bezeichnung „Conservatoire“ umfasst außer Serienmodellen und Prototypen, Sondereinsatz- und Rennwagen auch das komplette Archiv der Firma mit Zulassungsregister, Konstruktionsplänen, Desginskizzen, Broschüren und technischen Anleitungen.

Linda Jackson, Citroën-Markenchefin, zum Conservatoire: „Citroën blickt auf eine einzigartige Marken-Geschichte und hat mit vielen Modellen bis heute und auch in Zukunft den Automobilbau geprägt und stark beeinflusst. Dieses Erbe ist ein Schatz und eine Verpflichtung und Citroën pflegt dieses Erbe sorgfältig.“ 

Citroën Urbain II vom 1973.

Allerdings geht die Pflege noch nicht so weit, dass man die Autosammlung Besuchern präsentieren könnte. Die aufgereihten Fahrzeuge, notdürftig nach Alter, Modellzyklen und Produktionszeit sortiert, sehen unter dem unverkleideten Hallendach aus wie in einem schlecht beleuchteten Parkhaus. Nur mit dem Unterschied, dass sie vereinzelt so eingepfercht sind, dass niemand damit zur Ausfahrt gelangen könnte.

Doppelwinkel zum Markenlogo

Der 1878 geborene Ingenieur André Citroën hatte auf einer Reise in die polnische Heimat seiner Mutter ein Getriebe gesehen, das mit Doppelwinkel-Radzähnen arbeitete. Nach seiner Rückkehr ließ er sich diese Bauform patentieren und gründete 1905 eine Firma zur Herstellung von Getrieben. Der Doppelwinkel wurde zum Markenlogo und ist es bis heute geblieben. 1919 wurde mit dem Typ A das erste Automobil in Serie hergestellt, weshalb in drei Jahren ein großes Jubiläum ansteht.

Doppel-V-Getriebe von Citroën.

Wenn Linda Jackson von „prägenden“ Modellen für den Automobilbau spricht, ist das keine Selbstüberschätzung. „Traction Avant“ ist der französische Begriff für Vorderradantrieb und als Citroën 1934 seine erste Limousine mit dieser Technik heraus brachte, soll André Citroën dies so begründet haben: „Ein Pferd schiebt ja auch keinen Wagen, sondern zieht ihn.“ Das Auto ist heute freilich besser bekannt als „Gangster-Citroën“, aus dessen hinten angeschlagenen Türen man erstklassig feuern konnte und der dank des Frontantriebs zudem ein überlegenes Fluchtfahrzeug war.

Andere Fabrikate mit dem Doppelwinkel erlangten ebenfalls Kultstatus: So zum Beispiel die „Ente“, offiziell als Citroën 2CV vorgestellt und zwischen 1949 und 1990 mehr als 3,8 Millionen Mal weltweit verkauft. Als „Bimoteur“-Modell und dem Beinamen „Sahara“ waren sogar Allradversionen gebaut worden – ganz offroad-konform mit Ersatzreifen auf der Fronthaube. Nicht weniger kultig ist die „Göttin“ Déesse, die im Oktober 1955 auf dem Pariser Autosalon für Aufsehen und hunderte Spontankäufe sorgte. Bis 1975 wurden von der Stromlinien-Limousine immerhin fast 1,5 Millionen Exemplare gefertigt. Ihre hydropneumatische Federung war beispielgebend für mehrere spätere Modelle. Zahlreiche Varianten dieser Verkaufs-Millionäre sind im Conservatoire ebenso zu bestaunen wie einige missglückte Versuche, die Autowelt mit neuen Kreationen zu beglücken.

Citroën SM Président.

Für die Staatsoberhäupter der 5. Republik war es Ehrensache, sich in einem Citroën chauffieren zu lassen. Zu Zeiten Charles de Gaulles konnten sie dies auch noch ungefährdet im offenen Wagen tun. Mehrere Präsidenten-Limousinen und -Cabriolets stehen blankgewienert in einer Ecke der Halle, darunter zwei auf der Basis des legendären Citroën SM. Zwar sehen sie aus, als hätten sie einen Achsschaden oder gebrochene Federn, doch nur deshalb, weil ihre Dämpfungsanlage ohne Druck im System die Karosserie um einige Zentimeter absinken lässt. Verlängerter Radstand, schwere Ledersessel und edles Holz kennzeichnen das Ambiente, das den Nachfolgern der gekrönten Häupter Frankreichs vorbehalten war.

Renn- und Rallyeautos, Militärfahrzeuge mit Raupenketten, Feuerwehr- und Krankenwagen – all das trägt hier den Doppelwinkel. Futuristische Concept-Cars, Ton-Modelle und sogar Hubschrauber ergänzen das umfangreiche Mosiak einer Unternehmensgeschichte, das seine schriftliche Fortsetzung in mehr als anderthalb Regal-Kilometern von Dokumenten findet. „Das Conservatoire ist ein Ort für die Freunde und Fans der Marke – kein klassisches Museum, sondern eine dynamische Sammlung, denn die Fahrzeuge werden für Ausstellungen und klassische Rallyes weltweit eingesetzt oder auch für Filmproduktionen genutzt“, erklärt Linda Jackson.

Citroen DS: Die "Göttin" aus Frankreich

Citroën DS
Das Citroën DS Cabriolet hat bis heute einen umwerfenden Charme. © Citroën
Citroen DS: Die "Göttin" aus Frankreich
Stromlinienförmiges Design und Hydropneumatik: Ein Citroën DS Baujahr 1966. © Citroen
Citroen DS: Die "Göttin" aus Frankreich
Citroen DS: Die "Göttin" aus Frankreich (1961). © Citroen
Citroen DS: Die "Göttin" aus Frankreich
Citroen DS 1963: Blick aus der Windschutzscheibe. © Citroen
Citroen DS: Die "Göttin" aus Frankreich
Citroen DS Baujahr 1966. © Citroen
Citroen DS: Die "Göttin" aus Frankreich
Unverkennbar - die gelben Scheinwerfer an der Front -Citroen DS 1969. © Citroen
Citroen DS: Die "Göttin" aus Frankreich
Das Cockpit 1970. © Citroen
Citroen DS: Die "Göttin" aus Frankreich
Die "Göttin" aus Frankreich vor der Concord (1969). © Citroen
Citroen DS: Die "Göttin" aus Frankreich
Dicke Polster für mehr Komfort (1966). © Citroen
Citroen DS: Die "Göttin" aus Frankreich
Citroen DS (1973). © Citroen
Citroën DS
Citroën DS 21 Pallas aus dem Jahr 1966. © Citroën
Citroën DS 5
Der Citroën DS 5 ist das neueste Model von DS Automobiles. © Citroën
Citroen DS: Die "Göttin" aus Frankreich
1955 beginnt die Geschichte eines Kultautos: Citroen DS 19. © Citroen
Citroen DS: Die "Göttin" aus Frankreich
Zwei Wahrzeichen: Die "Göttin" aus Frankreich und der Eiffel Turm in Paris. © Citroen
Citroen DS: Die "Göttin" aus Frankreich
Citroen DS Presidentielle. © Citroen
Citroen DS: Die "Göttin" aus Frankreich
Elegant und revolutionär: Für das Design war der italienische Designer, Bildhauer und Maler Flaminio Bertoni mit seinem Team verantwortlich.  © Citroen
Citroen DS: Die "Göttin" aus Frankreich
Die "Göttin" aus Frankreich wird in Javel gebaut.  © Citroen
„60 Jahre DS“ lautet das Motto von DS Automobiles auf der Techno-Classica, die vom 15. bis 19. April 2015 in Essen stattfindet.
1955-2015: „60 Jahre DS“ lautet das Motto von DS Automobiles auf der Techno-Classica, die vom 15. bis 19. April 2015 in Essen stattfindet. © Citroën

Automuseum gibt es online 

Das Archiv wird von Sammlern als Informationsquelle genutzt und zumindest virtuell können sich Fans der Marke eine Vorstellung davon verschaffen, welche erstaunlichen Hervorbringungen die Straßen und Schotterpfade der Welt im Namen André Citroëns bevölkert haben. Unter www.citroenorigins.de ist eine Website eingerichtet worden, die wesentliche Bestandteile der Sammlung erlebbar macht. Beim Klick auf das jeweilige Modell bietet das virtuelle Museum neben zahlreichen sehenswerten Fotos von außen und vom Inneren des Fahrzeugs ein umfassendes Zahlenwerk sowie technische Daten: Angaben zu Baujahr, Außenmaßen sowie Höchstgeschwindigkeit sind ebenso abrufbar wie angebotene Motorisierungen und die Anzahl produzierter Fahrzeuge. Eine 360-Grad-Funktion ermöglicht dem Nutzer eine Rundumsicht auf und in das jeweilige Fahrzeug

2CV-Urahnen im Conservatoire Citroën.

Doch sollte der Plan gefasst werden, das Conservatoire zum öffentlichen Museum auszubauen, wären erhebliche Investitionen notwendig. Eine angemessene Präsentation der Markenhistorie ist ohne Neustrukturierung dieser Pretiosen, Maßnahmen für Feuerschutz und Lichtdesign, Logistik und Gastronomie, Parkplätze und Merchandising nicht denkbar. Ob der PSA-Konzern die nötigen Mittel dafür in die Hand nehmen will, bleibt vage, wenn Linda Jackson sagt: „Wir freuen uns auf das besondere Jubiläum 2019 und werden es angemessen feiern. Lassen Sie sich überraschen....“ 

Herzensbrecher aus Frankreich: Der Citroën 2CV 

Herzensbrecher aus Frankreich: Der Citroën 2CV.
Die Ente ist ein Mythos. Selbst Hollywood ist ihrem Charme erlegen. James Bond (Roger Moore) fährt bei einer Verfolgungsjagd in "For your Eyes only"  (In tödlicher Mission) einen Citroën 2CV (Ente). Wenige später ist eine 007 Sonderserie 007 mit "Einschusslöchern" zu haben. © Citroën
Herzensbrecher aus Frankreich: Der Citroën 2CV.
Citroën 2CV 4x4.  © Citroën
Citroën 2CV 1949 
Citroën 2CV 1949. © Citroën
Herzensbrecher aus Frankreich: Der Citroën 2CV.
Citroën 2CV 1970.  © Citroën
Herzensbrecher aus Frankreich: Der Citroën 2CV.
Die ersten 2CVs waren mit einem Zweizylinder, so genannten Boxermotoren ausgestattet.  © Citroën
Herzensbrecher aus Frankreich: Der Citroën 2CV.
Herzensbrecher aus Frankreich: Der Citroën 2CV. © Citroën
Herzensbrecher aus Frankreich: Der Citroën 2CV.
Citroën 2CV 6 Special. © Citroën
Herzensbrecher aus Frankreich: Der Citroën 2CV.
Citroën AZ 2CV 1959.  © Citroën
Herzensbrecher aus Frankreich: Der Citroën 2CV.
Herzensbrecher aus Frankreich: Der Citroën 2CV. © Citroën
Herzensbrecher aus Frankreich: Der Citroën 2CV.
Citroën 2CV Export.  © Citroën
Herzensbrecher aus Frankreich: Der Citroën 2CV Citroën 2CV 6 1975.  
Citroën 2CV 6 1975.  © Citroën
Herzensbrecher aus Frankreich: Der Citroën 2CV.
Citroën 2CV Special 1976. © Citroën
Herzensbrecher aus Frankreich: Der Citroën 2CV.
1980 kommt der Citroën 2CV 6 Charleston. Der 2CV Charleston hat sogar Chrom-Scheinwerfer. © Citroën
Herzensbrecher aus Frankreich: Der Citroën 2CV.
8000 Exemplare werden von der Charleston Ente auf den Markt gebracht. © Citroën
Herzensbrecher aus Frankreich: Der Citroën 2CV.
1982 bringt Citroën den 2CV Charleston in schwarz und gelb. © Citroën
Herzensbrecher aus Frankreich: Der Citroën 2CV.
Citroën 2CV Charleston 1982. © Citroën
Citroën 2CV Charleston 1982
Rückbank im Citroën 2CV Charleston 1982. © Citroën
Herzensbrecher aus Frankreich: Der Citroën 2CV.
Citroën 2CV 6 1974. © Citroën
Herzensbrecher aus Frankreich: Der Citroën 2CV.
Citroën 2CV 6 1974. © Citroën
Herzensbrecher aus Frankreich: Der Citroën 2CV.
Herzensbrecher aus Frankreich: Der Citroën 2CV. © Citroën
Herzensbrecher aus Frankreich: Der Citroën 2CV.
Citroën 2CV 6 1974. © Citroën
Herzensbrecher aus Frankreich: Der Citroën 2CV.
Das Citroën Poster zeigt eine 2CV 6 Club 1980.  © Citroën
Citroën 2CV Cocorico 1987.
Der Citroën 2CV Cocorico 1987 (1000 Exemplare). © Citroën
Herzensbrecher aus Frankreich: Der Citroën 2CV.
Citroën 2CV 6 Club. © Citroën
Herzensbrecher aus Frankreich: Der Citroën 2CV.
Citroën 2CV 1967.  © Citroën

ampnet/afb

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