So viel Charme

Oldtimer mit Kult-Faktor: Citroën 2CV

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Der französische Dichter Boris Vian nannte den Wagen später eine „fahrbare Geistesverwirrung“, doch der Citroën 2CV verkaufte sich millionenfach.

Ein hässliches Entlein wird zur Königin der Straße: Das rustikale Design des Citroën 2CV begeisterte Millionen und wurde zum Kultobjekt. Dabei hatte der Autobauer ursprünglich vor allem eine Bauernkutsche im Sinn.

Es sprach auf den ersten Blick nicht viel dafür, dass aus dieser eigenwillig geformten Wackelkiste aus Blech eine Auto-Legende werden würde. Das Modell wirkte schon bei seiner Vorstellung auf dem Pariser Automobilsalon 1948 aus der Zeit gefallen: Ein amerikanischer Journalist soll gespottet haben, ob der Hersteller denn auch einen Büchsenöffner mitliefern werde. Der französische Dichter Boris Vian nannte den Wagen später eine „fahrbare Geistesverwirrung“. Und doch wurde der Citroën 2CV zum millionenfach verkauften Renner - und für Generationen zum Ausdruck eines Lebensgefühls.

Vor 25 Jahren lief die letzte Ente in Portugal vom Band, doch bei Liebhabern ist ihr Charme ungebrochen. Sie schwärmen von der jaulenden Melodie des Boxermotors, der einmaligen Kurvenlage, dem gefühlten Cabrio-Luxus des aufrollbaren Vinylverdecks. Dass Samuel Beckett, der Autor von „Warten auf Godot“, 2CV fuhr, überrascht nicht: Kein anderes Auto verkörpert derart den Existenzialismus.

Dabei war das spartanische Design ursprünglich vor allem aus praktischen Gesichtspunkten gewählt worden. Citroën wollte in den 1930er Jahren ein Auto für den kleinen Mann vom Land, robust und billig. Der merkwürdige Auftrag von Firmenchef Pierre-Jules Boulanger an seine Leute: ein „günstiger fahrbarer Untersatz, der vier Personen und 50 Kilo Kartoffeln oder ein kleines Fass mit maximal Tempo 60 transportieren soll“. Die Federung sollte es möglich machen, einen Korb Eier bruchfrei über ein beackertes Feld zu fahren.

Wie beim Volkswagen in Deutschland kam auch Citroëns Projekt TPV - für „Toute Petite Voiture“, ganz kleines Auto - der Krieg dazwischen. Bei der deutschen Invasion ließ Boulanger die Prototypen zerlegen und verstecken, der Feind sollte sich das Konzept des Miniwagens nicht unter den Nagel reißen.

Der Siegeszug des „Deux Chevaux“ - der „Zwei Pferdestärken“, die jedoch nicht für die Motorkraft stehen, sondern die (sehr günstige) Steuerklasse bezeichnen - begann in den 1950er Jahren. Die praktischen Vorteile und der Preis überzeugten, zum Teil gab es Wartezeiten von fünf bis sechs Jahren.

Rotwein, Gauloises und der 2CV

Im Ausland und ganz besonders in der Bundesrepublik verkörperte der 2CV aber auch ein Stück Frankreich, wie Rotwein und Gauloises. Promis fuhren den Wagen ebenso wie Studenten der Anti-AKW-Bewegung, Hippies gingen mit dem als politisch korrekt empfundenen Wagen auf große Fahrt in Ferne Länder - und sogar Roger Moore als James Bond setzte sich im Film „In Tödlicher Mission“ in eine knallgelbe Ente.

Über die Jahre liefen mehr als fünf Millionen 2CV und seine Lieferwagenversion vom Band, dazu kamen noch Varianten. Das ist weit von den 21,5 Millionen verkauften Exemplaren des VW Käfer entfernt - im übrigen gibt es oft eine gewisse neckische Rivalität zwischen Enten- und Käferliebhabern. Die Ente war „das richtige Auto für Menschen, die eigentlich kein Auto wollten oder keins bezahlen konnten“, wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ einmal schrieb.

Der 2CV war über die Jahre immer wieder an neue Farbtrends angepasst worden, aus den anfänglich 9PS wurden am Ende sogar bis zu 30 - was Geschwindigkeiten von über 110 Stundenkilometern möglich machte. Die Form blieb jedoch immer gleich. Den Garaus machten der Ente schließlich vor allem strengere Abgas- und Sicherheitsvorschriften. Die Einstellung der Produktion in Frankreich läutete 1988 das Ende ein, zwei Jahre später rollte am 27. Juli 1990 im portugiesischen Mangualde der letzte 2CV aus der Fabrik.

Wo er noch fährt, da ist er weiterhin ein Blickfang, der „Regenschirm auf vier Rädern“ - einer der charmanten Kosennamen der Franzosen für das Auto. Alle zwei Jahre treffen sich zum Beispiel Hunderte Fans des Kultautos bei einem Deutschlandtreffen, zuletzt im Juli des vergangenen Jahres im Taunus. Eine Organisatorin sagte es damals so: „Die Ente ist kein Auto, sondern eine Kunst zu leben.“

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Nach großem Schwund in der Vergangenheit hat sich der Trabant im vergangenen Jahr einigermaßen gehalten. 32.311 der kleinen DDR-Autos waren am 1. Januar 2014 noch zugelassen. Das waren nur knapp 1150 weniger als vor einem Jahr.
Nach großem Schwund in der Vergangenheit hat sich der Trabant im vergangenen Jahr einigermaßen gehalten. 32.311 der kleinen DDR-Autos waren am 1. Januar 2014 noch zugelassen. Das waren nur knapp 1150 weniger als vor einem Jahr. © dpa
Rund oder eckig: An den Scheinwerfern der ersten Generation der Mercedes-Benz Baureihe 123 (1975 bis 1985) konnte man Spitzenmodelle und die weniger stark motorisierten Versionen unterscheiden. Später hatten alle Typen die Rechteckscheinwerfer.
Rund oder eckig: An den Scheinwerfern der ersten Generation der Mercedes-Benz Baureihe 123 (1975 bis 1985) konnte man Spitzenmodelle und die weniger stark motorisierten Versionen unterscheiden. Später hatten alle Typen die Rechteckscheinwerfer. © Mercedes
Das Modell wurde von 1975 bis 1986 gebaut, auch als T-Modell.
Der Mercedes Kombi wurde von 1975 bis 1986 gebaut und wird auch als T-Modell bezeichnet.  © Mercedes
Der schnellste Aufsteiger in den Top Ten der H-Kennzeichen-Oldtimer ist der Mercedes-Benz der Baureihe W 123.  2012 waren 8.869 Fahrzeuge mit H-Kennzeichen unterwegs.
Der schnellste Aufsteiger in den Top Ten der H-Kennzeichen-Oldtimer ist der Mercedes-Benz der Baureihe W 123. Mittlerweile sind 2012 8.869 Fahrzeuge mit H-Kennzeichen unterwegs. © Mercedes
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Kultstatus hat auch die Pagode 113 SL von Mercedes Benz.
Kultstatus hat auch die Pagode 113 SL von Mercedes Benz. © Mercedes Benz
Unter den Sportwagen ist der Porsche 911/912  der Favorit.
Unter den Sportwagen ist der Porsche 911/912  der Favorit. © Porsche
Der Mercedes "SL" der Baureihe 107 (2012: 8.048 Fahrzeuge) .
Der Mercedes "SL" der Baureihe 107 (2012: 8.048 Fahrzeuge). © Mercedes
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4987 Fahrzeuge der Baureihe 110/111. Das Modell mit der "Heckflosse". © Mercedes
Mercedes-Benz mit der Modellreihe 114/115 in Oldtimerkreisen liebevoll "Strich-Acht" genannt (7154 Einheiten 2012).
Mercedes-Benz mit der Modellreihe 114/115 in Oldtimerkreisen liebevoll "Strich-Acht" genannt (7154 Einheiten 2012). © Mercedes
Oldtimer werden in Deutschland immer beliebter: absoluter Liebling unter den alten Autos ist der VW Käfer. 27.380 der knuffigen Fahrzeuge fahren 2012 mit einem H-Kennzeichen rum.
Oldtimer werden in Deutschland immer beliebter: absoluter Liebling unter den alten Autos ist der VW Käfer. 2012 waren 27.380 der knuffigen Fahrzeuge mit einem H-Kennzeichen unterwegs. 2013 sind es laut KBA etwa 50.000 Stück. © dpa
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"Der Tag, an dem der Manta kommt." Im September 1970 stellt Opel das neue Sport-Coupé vor. 3.787 Exemplare waren laut KBA 2013 in Deutschland gemeldet. © Opel
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Von Sebastian Kunigkeit, dpa

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