Crashtest: Auf den Menschen kommt‘s an

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Optimaler Verlauf: Nach dem Crash bleiben im Superb hinten die beiden Kinder- Dummies mit drei und sechs Jahren unversehrt.

Moderne Autos werden immer sicherer. Gleichzeitig wird deutlich: Bestmögliche Sicherheit erreicht man nur dann, wenn sich auch die Insassen richtig verhalten. Korrektes Gurtanlegen oder...

...richtige Handhabung von Kindersitzen etwa können die Unfallfolgen erheblich reduzieren. Das ist eine der wichtigsten Erkenntnisse aus dem spektakulären Offset- Crash-Versuch im tschechischen Úhelnice, bei dem ein SUV Skoda Yeti mit 90 km/h auf eine Mittelklasse- Limousine Skoda Superb aufprallte.

Obwohl die Crash-Geschwindigkeit deutlich höher lag als die üblichen 64 km/h, blieb in beiden Autos der Überlebensraum für Erwachsene vorn und Kinder hinten voll und ganz erhalten. Und: Eine Analyse nach den Kriterien des Euro- NCAP-Tests hat auch in diesem besonderen Crash die Fünf-Sterne-Wertungen für beide Modelle bestätigt. Sicherheitsforschung und ihr Einfluss auf die Entwicklung von Automobilen wird immer wichtiger. Die Ausstattung mit Airbags etwa steigt kontinuierlich, ebenso die serienmäßige Ausrüstung mit ABS oder dem Schleuderschutz ESP, dazu kommen immer neue Assistenzsysteme wie selbstständige Bremsassistenten oder die automatische Überwachung des toten Winkels.

Sicherheit auch bei einem schweren Crash: Skoda-Offset-Versuch bei 90 Sachen zwischen einem Yeti und einem Superb

In der Unfallforschung gehen viele Hersteller neue Wege, analysieren auch Realunfälle, in die eigene Automodelle verwickelt sind. So können Ergebnisse besonders effizient in die Weiterentwicklung aktueller und neuer Modellreihen einfließen. VW-Tochter Skoda zum Beispiel betreibt dies seit mittlerweile zwei Jahren. In Kooperation mit Polizei und Feuerwehr haben Sicherheitsexperten die Möglichkeit, rechtzeitig zu realen Unfallorten zu gelangen und diese per Scanner zu erfassen, die Beteiligten zu befragen und den Hergang zu rekonstruieren. Karel Mulac, Gründer des seit 2008 bestehenden Forschungsteams zur Verkehrssicherheit bei Skoda: „Wir können den Unfallverlauf in detaillierter Simulation nachahmen. Die Erkenntnisse daraus und aus den realen Unfallfolgen fließen direkt in unsere Fahrzeugentwicklung ein.“ Zusätzlich unterstützt Verkehrserziehung etwa von Eltern und Kindern übers Internet die richtige Verhaltensweise der Insassen. Mulac nennt ein Beispiel: „Ein spitzer Gegenstand in der Hosentasche kann zu erheblichen Verletzungen führen, wenn der Beckengurt genau drüber führt und es zu einem heftigen Aufprall kommt. Solche Gefahren kann man ebenso einfach vermeiden, wie etwa das ungesicherte Befördern von Kindern bei langsamen Stadtfahrten.“

Der 90 km/h-Crashtest von Úlnice hat gezeigt: Wenn alle Sicherheitsvorrichtungen korrekt angelegt sind, bleiben Erwachsene vorn wie auch Kinder hinten unverletzt. Im Yeti waren auf den Rücksitzen Kinder im Alter von eineinhalb und drei Jahren an Bord, im Superb von drei und sechs Jahren. Von 100 möglichen Punkten nach Euro-NCAP erhielt der Yeti für die Crashergebnisse vorne 99,94 und hinten 93,19 Prozent, beim Superb lagen die Werte bei 98,25 vorne und sogar vollen 100 Prozent hinten. Sämtliche Airbags an Bord hatten spätestens 45 Tausendstel Sekunden nach dem Aufprall voll ausgelöst. Bestmögliche Sicherheit also, wenn auch der Mensch vorher alles richtig gemacht hat.

Ralf Schütze

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