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Die Ära der Vielzylinder geht zu Ende

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Zwölfzylinder von Lamborghini
Dieser Zwölfzylinder von Lamborghini gäbe auch einen super Kunstdruck an der Wand ab - zumindest in Wohnungen von PS-Fans. © Eros Maggi/Lamborghini/dpa-tmn

Noch dauert es wohl ein paar Jahre, bis der Verbrenner wirklich am Ende ist. Doch zumindest die Tage von 8-, 12- oder gar 16-Zylinder scheinen nun so langsam gezählt. Oder doch nicht ganz?

Wolfsburg/Molsheim - Es hat etwas bittersüßes, wenn Männer wie Adrian Hallmark, Mate Rimac oder Stephan Winkelmann in diesen Tagen über das Motorenportfolio ihrer Marken sprechen. Die Chefs von Bentley, Bugatti oder Lamborghini können dann zwar auf der einen Seite neue Leistungsrekorde vermelden.

Auf der anderen Seite müssen sie ihre Kunden aber auf den Abschied einstimmen. Alle diese Marken stehen nicht nur für Protz, Prunk und vor allem viel PS. Sondern sie stehen auch für ein Motorenkonzept, das es so bald nicht mehr geben wird.

Sie bauen auf großvolumige Motoren mit bis zu 12 oder 16 Zylindern - und wissen angesichts der bevorstehenden Elektrifizierung ihrer Palette alle um die Endlichkeit dieser Exoten.

Weniger ist mehr - auch bei den Zylindern

„Downsizing ist seit Jahren ein großer Trend der Motorenentwickler, um den Verbrauch und die Emissionen herunterzubekommen“, sagt Thomas Schuster von der Sachverständigenvereinigung KÜS.

Denn je kleiner ein Motor ist, desto weniger verbraucht er im Prinzip, erläutert der Experte: Weniger Zylinder bringen weniger Reibungsverluste, und in weniger Hubraum müsse weniger Sprit verbrannt werden. Außerdem sei ein kleinerer Motor natürlich auch leichter, so dass weniger Masse bewegt werden müsse.

Bugatti Mistral
PS-Wahn oder meisterhafte Ingenieurskunst? Vielleicht beides, zumindest bringen es die 16 Zylinder im Bugatti Mistral auf 1600 PS. © Bugatti/dpa-tmn

Was dabei an Leistung verloren gehe, lasse sich zumindest teilweise mit Turbo oder Kompressor oder mit einem zugeschalteten Elektromotor kompensieren. Und je enger der CO2-Korridor der Hersteller werde, desto schwerer sei es, an den großen Motoren festzuhalten.

Kleinwagen und Kompakte begnügen sich heute deshalb meist mit drei Zylindern. Selbst bei vielen Marken in der Oberklasse ist der Sechszylinder das Höchste der Gefühle, und sogar Werktuner wie AMG mustern mittlerweile langsam den V8 aus.

16 Zylinder und 1600 PS auf Abschiedstour

„Das ist das letzte Mal, dass wir den einzigartigen W16-Motor in einem neuen Modell einbauen“, sagt Bugatti-Chef Mate Rimac. Er meint damit das in der Autogeschichte bei einem modernen Serienfahrzeug unerreichte 8,0-Liter-Triebwerk. Mit bis zu 1176 kW/1600 PS gibt es im Roadster Mistral seinen Ausstand.

16-Zylinder von Bugatti
Meisterhafter Maschinenbau: Der 16-Zylinder von Bugatti. © Bugatti/dpa-tmn

Auch bei Bentley werde es nach dem 544 kW/740 PS starken Batur kein neues Modell mehr geben, in das die Briten ihren sechs Liter großen Zwölfzylinder einbauen, sagte Firmenchef Hallmark. Als dritter gesellt sich Lamborghini-Chef Winkelmann dazu. Er nimmt mit dem Aventador LP 780-4 Abschied vom hochdrehenden V12-Sauger - passenderweise trägt der Supersportler den Zusatz „Ultimae“.

Es gibt sie noch, die Marken mit Zwölfzylinder-Motoren

Zwar sind diese drei Marken besonders exponiert. Aber sie sind nicht allein. Aktuell gibt es auch bei Ferrari und bei Aston Martin noch einen V12, genau wie bei Rolls Royce und bei Maybach. Und wer Pagani als vollwertigen Hersteller zählt, darf die italienische Manufaktur nicht vergessen - selbst wenn die nur abgelegte AMG-Motoren aufträgt.

Doch BMW hat den Zwölfzylinder bereits ausgemustert. Und bei Mercedes arbeitet er nur noch in einer Maybach-Version der S-Klasse. Wenn man mit den Entwicklern und Entscheidern spricht, geben sie ihm längst keinen langen Bestandsschutz mehr. Wie auch, wenn etwa Rolls-Royce spätestens ab 2030 nur noch E-Autos im Stil des jetzt vorgestellten Spectre anbieten will?

Downsizing und der Verlust automobiler Ingenieurskunst

Angesichts der kleinen Stückzahlen ist der Einfluss aufs Weltklima zwar beschränkt. Dafür geht mit den großen Motoren eine Epoche zu Ende, klagt Designprofessor und Automobilphilosoph Paolo Tumminelli.

Es werde zurecht von Motorenkunst gesprochen. Und je komplexer der Motor sei, desto höher sei auch die Kunst. Für die Umwelt möge Downsizing gut sein. „Für unsere Zivilisation ist die Abschaffung der Vielzylinder als ultimatives Monument des Maschinenzeitalters und Sinnbild des ingeniösen Genies ein tragischer Verlust.“

Mit elektrischer Unterstützung in die Verlängerung

Aber vielleicht müssen die Fans großvolumiger Motoren gar nicht zum Gebrauchtwagen- oder gar zum Oldtimer-Händler pilgern. Denn Stephan Winkelmann lässt ein Dutzend Zündkerzen der Hoffnung brennen:

Zwar wird sich auch die eilige Elite zumindest mit einem Hybrid-Modul anfreunden müssen. Doch hat der Lamborghini-Chef zum Auslauf des Aventador gerade erst bestätigt, dass auch der Nachfolger des Spitzenmodells wieder einen V12-Motor bekommen wird - und das glorreiche Dutzend noch einmal in die Verlängerung geht. dpa

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