Lothar Scherb aus Elgershausen hat BMW-Limousinen aus den 30er-Jahren mit viel Detailliebe restauriert

Schrauber: Aus drei Autos machte Lothar Scherb zwei

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Benzin im Blut: Tankwart Lothar Scherb aus Elgershausen nennt zwei automobile Schätzchen sein Eigen. Der 1932 in Eisenach gebaute AM1 (rechts) gilt als erstes von BMW selbst konstruiertes Auto (Neupreis: 2750 Reichsmark). Nach einer aufwendigen Restauration erstrahlt auch der BMW AM4 von 1934 (links) wieder in neuem Glanz. Mit beiden fährt Scherb jährlich rund 1000 Kilometer. 

Schauenburg. Ob als Teilnehmer beim Herkules-Bergpreis, während einer Spazierfahrt bei geöffnetem Dach oder als automobile Hochzeitskutsche zur Vermählung der Tochter - die beiden Oldtimer von Lothar Scherb sind ein echter Blickfang.

Doch dafür musste der 66-jährige Tüftler aus Schauenburg-Elgershausen richtig schuften. Denn während er den bordeauxroten BMW AM4 (AM = Ausführung München) von 1934 vor sechs Jahren nur restaurieren musste, benötigte Scherb für die Wiederbelebung des ehemals schrottreifen AM1 (Baujahr 1932) gleich zwei Fahrzeuge.

„Angefangen hat alles 2005“, erinnert sich der Autoliebhaber mit dem sprichwörtlichen Benzin im Blut. Schließlich hat er jahrzehntelang die 1966 von ihm gegründete Esso-Tankstelle in Elgershausen geleitet. Inzwischen übernahm sein Sohn den Betrieb, Scherb widmet sich nun mit Enthusiasmus und Geschick der Pflege seiner Oldies.

Teile zusammengesucht

Nachdem ihm ein befreundeter Gastronom aus Bad Emstal den AM4 geschenkt hatte, musste Scherb allerdings erst einmal alle Fahrzeugteile zusammensuchen. „Das Auto war nämlich zerlegt und die Teile in mehreren Garagen und Scheunen gelagert“, sagt er.

Historisch: Der 782 Kubikzentimeter große Vierzylinder leistet 20 PS und beschleunigt den 680 kg leichten AM4 bis auf Tempo 70.

Als er alles beisammenhatte, begann er, der historischen Limousine neues Leben einzuhauchen. „Besonders die Karosserie war eine echte Herausforderung“, blickt Scherb nicht ohne Stolz auf die langwierige Restauration zurück. Er zerlegte Motor und Getriebe, erneuerte Kolben, Pleuellager und Dichtungen, ließ Kupplung und Getriebelager extra anfertigen sowie schließlich die Sitze beim Polsterer aufarbeiten.

Auf der zwischenzeitlichen Suche nach weiteren Ersatzteilen seien ihm zwei verrostete AM1 angeboten worden, sagt Scherb. Kurzum baute er sich aus beiden Autos ein einziges zusammen. Zum Abschluss der „bestimmt 500 Arbeitsstunden“ sandstrahlte der Schrauber die Traditionsvehikel und ließ wieder die Originalfarben auftragen: moosgrün-schwarz und bordeauxrot-schwarz.

Auch wenn die jeweils 20 PS starken BMW zuverlässig fahren, bei der Geschwindigkeitsmessung geht Scherb auf Nummer sicher: „In beiden habe ich zusätzlich einen Fahrradtacho angeschlossen“, sagt Scherb, da die Walzentachometer störanfällig seien. „Bei einer Bodenwelle hat man sonst statt 40 plötzlich 50 Sachen drauf“, erklärt er lachend.

Sein nächstes Restaurationsobjekt steht bereits abgedeckt in der Garage: ein BMW 326 aus dem Jahr 1938.

Autobastler und Oldtimer-Fahrer: Macht mit

Bastler und Autofreunde in Südniedersachsen und Nordhessen, aufgepasst: Wir stellen auch in diesem Jahr wieder die besten Schrauber der Region vor. Die einen haben aus einer Rostlaube einen glänzenden Oldtimer gemacht, die anderen aus einem Allerweltsauto einen Hingucker gezaubert.

Etwa 30 der Fahrzeuge werden Ende Mai bei einem Schraubertag im Kasseler Einkaufszentrum dez vorgestellt. In der gedruckten HNA und auf der HNA-Internet-Seite möchten wir aber noch viel mehr Schrauber und Bastler präsentieren. Dabei benötigen wir Ihre Hilfe: Bitte schicken Sie uns ein Bild von ihrem restaurierten Auto und einen kurzen Text dazu mit der Angabe, was Sie am Fahrzeug gemacht haben, wie groß der Zeitaufwand war und welche Besonderheiten Ihr Fahrzeug bietet.

Bitte vergessen Sie auch nicht ein paar persönliche Daten: Wie alt sind Sie, was machen Sie beruflich, auch Name, Wohnort und Telefonnummer sind wichtig.

Bitte senden Sie uns diese Informationen an online@hna.de, Stichwort Schrauberserie. Zum Schraubertag 2010 kamen tausende Besucher ins Einkaufszentrum und bewunderten die glänzenden Karossen der Bastler aus der Region. Das möchten wir dieses Jahr wiederholen.

Von Sebastian Schaffner

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