Abseits guter Straßen

Entschleunigen mit der Ducati Scrambler Desert Sled

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Die Scrambler sind etwas in Vergessenheit geraten - doch Ducati bringt sie zurück.

Vor wenigen Jahren wurde ein in Vergessenheit geratenes Segment wiederbelebt: die Scrambler – einfache, robuste Motorräder, mit denen man auch abseits guter Straßen unterwegs sein kann.

Unser Tester Volker Pfau mit der Ducati Scrambler Desert Sled in rot.

Ducati ist mit dieser Baureihe ein echter Knaller gelungen: Inzwischen ist nämlich fast jedes vierte verkaufte Motorrad der italienischen Marke hierzulande einer der Kletterer – wie Scrambler aus dem Englischen übersetzt heißt – made in Bologna. Neuester Ableger ist die Desert Sled, die nicht ohne Grund optisch an die legendäre Yamaha XT 500 erinnert: Dank serienmäßiger Stollenreifen und inspiriert von den kalifornischen Wüsten soll sie auf allen Wegen eine gute Figur machen. Dazu sind noch ein Alu-Motorschutz, ein Enduroschutzblech (aus Plastik) sowie ein Steinschlagschutz an der Frontlampe montiert. Die Optik passt also schon mal.

Ducati Scrambler Desert Sled: Historisches Vorbild

Die Gemeinsamkeiten der Desert Sled mit dem vor gut 40 Jahren präsentierten Fernost-Single erschöpfen sich dagegen im Grunde bereits in der Gestaltung des Tanks, an dem bei der Italo-Version ein großes X prangt. Der Rest ist dagegen State of the Art, entspricht also dem aktuellen Stand der Technik. Und wo einst ein 27-PS-Single für eher mühsames Vorankommen sorgte, werkelt nun in der Ducati, Jahrgang 2017, ein Zweizylinder mit 803 ccm Hubraum und einer Leistung von 75 PS. Der natürlich per E-Starter zum Leben erweckt wird und nicht mehr wie bei der historischen Vorlage mittels Kickstarter die Männer von den Buben trennt.

Start zur Scrambler-Tour

Was dann jedoch aus den zwei kurzen Auspuffrohren entweicht, ist enttäuschend: An die Ohren dringt eher ein Gesäusel als ein markantes Bollern, das man bei einer Enduro vielleicht erwartet hätte. Die Zeiten und die Lärmvorschriften haben sich geändert. Auch bei der Leistungsabgabe ist die Ducati recht dezent, kommt aber natürlich trotzdem ganz gut in die Puschen. Aber sie macht schnell klar, dass sie eher ein Ent- als ein Beschleunigungsfahrzeug ist. Und so schaltet man dann recht bald auf die gemütliche Tour, genießt die hohe Sitzposition, den breiten Lenker und die gute Sicht in den vibrationsfreien Rückspiegeln.

Das ideale Gelände

Auch auf der Straße macht der Scrambler eine gute Figur.

Die Gänge lassen sich bereits beim Losfahren sanft und leichtgängig durchschalten, die Bremsen packen zwar konsequent, aber nicht brutal zu, und so kurvt man entspannt über die Lande. Gut, wenn man eine Route mit kleinen Straßen gewählt hat, deren Belag nicht immer perfekt sein muss. Hier ist die Desert Sled in ihrem Element. Dank 19-Zoll-Vorderrad lässt sie sich perfekt dirigieren, folgt willig jeder eingeschlagenen Richtungsänderung und bügelt alles weg, was die Fahrt stören könnte. Auch auf unbefestigtem Untergrund kommt man so souverän und mit viel Spaß vorwärts, wobei man sich vor Übermut und wilden Drifts hüten sollte: Die Ducati Scrambler bringt immerhin 205 Kilogramm auf die Waage, die notfalls wieder eingefangen werden müssen.

Retro trifft auf State of the Art.

Derartige Entschleunigung spiegelt sich im Verbrauch wider: Zwischen 4,5 und fünf Liter Sprit genehmigte sich die Desert Sled auf 100 Kilometer. Man mag mit ihr einfach nicht schnell fahren oder sie über die Autobahn quälen. Das kann sie übrigens eigentlich ganz gut und absolviert auch die schnellere Gangart mit stoischer Ruhe (als Vmax sind 195 km/h angegeben), aber man merkt, dass ihr anderes Terrain besser liegt. Zur puristischen Ausstattung passt auch das Rundinstrument, das ausreichend über Geschwindigkeit, zurückgelegte Strecke, Etappen, Uhrzeit und Temperatur informiert. Allenfalls eine Tankanzeige wäre noch wünschenswert.

Fazit

Für 11290 Euro, die der Ducati-Händler für die von uns gefahrene rote Version verlangt (Weiß kostet 150 Euro mehr) bekommt man mit der Desert Sled eine Scrambler der feinen Art. Sie bringt einen in unserer überhitzten Hochleistungsgesellschaft wieder zurück zu den Ursprüngen des Motorradfahrens, ohne die aktuellen technischen Errungenschaften aufzugeben.

Technische Daten

  • Motor: luftgekühlter Zweizylinder-V-Motor mit 803 ccm Hubraum
  • Leistung: 75 PS (55 kW) bei 8250 U/min
  • Drehmoment: 68 Nm bei 5750 U/min
  • Höchstgeschwindigkeit: 195 km/h
  • Radstand: 1505 mm
  • Sitzhöhe: 860 mm
  • Gewicht (vollgetankt): 205 kg
  • Tankinhalt: 13,5 Liter
  • Testverbrauch: 4,7 Liter
  • Preis: 11290 Euro

Auch interessant: Lesen Sie hier den Fahrbericht zur sportlichen BMW F 800 R oder der einsitzigen Triumph Bonneville Bobber.

von Volker Pfau

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